Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1906-07-01 · Heft 7 (Juli 1906) · p. Seite 463 - 464

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
6 (1906)
Issue
Heft 7 (Juli 1906)
Article
Josef Gabowicz
Date
1906-07-01
Page
Seite 463 - 464 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2583875-2583943-2583950-2593694--06280-2593739
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

463 Prof. Dr. Henryk von Struve, Warschau: Josef Gabowicz. 464 J. GABOWICZ. DER LETZTE TROPFEN Gabowicz verschiedene Porträtbüsten geliefert, unter denen die von Chopin durch ihre Aehnlichkeit und die künstlerische Ruhe des Gesichtsausdruckes die erste Stelle einnimmt. Es fehlt bei ihm auch nicht an Charakterfiguren, wie „Der Wojewode" und andere, die sich durch Schönheit der Form. Leichtigkeit der Bewegungen und lebendigen Gesichtsausdruck auszeichnen. Wundervoll sind seine Kinderporträts, voll ungezwungener Naivität, Leben und Frohmut. Mustert man die reiche Ernte dieses jungen Künstlers, so ist leicht einzusehen, dass sein Talent sich in selbständiger Richtung entwickelt, ebenso fem von der überlieferten Routine, wie von den Richtungen der Tagesmode. Schlichtheit, Wahrhaftigkeit und Aufrichtigkeit verleihen den Arbeiten von Gabowicz den Charakter eines gesunden Realismus, der sich völlig von den Fesseln akademischer Steifheit emanzipiert hat. Andererseits bewahrt ihn die innige Versenkung in das Wesen der Dinge und sein lebendiges Empfinden der plastischen Schönheit vor den Verirrungen des Modernismus, vor jener individuellen Willkür, die den Gegenständen Gewalt antut und sie in karrikatural verdrehte Formen presst, die mit der realen Wahrheit nichts gemein haben. Von diesem Gesichtspunkt aus müssen die Arbeiten von Gabowicz begrüsst werden als gesunde Reaktion gegen die genannten Verirrungen, ohne dass sie darum zu den alten akademischen Sünden zurückkehren. Mehr solcher Werke und solcher Künstler und die auch bei uns jetzt sich tastend vorwärts bewegende Kunst wird endlich ihren richtigen Weg finden und sich in einer Richtung entfalten, die sie dahin führt, ihre grosse Aufgabe im Leben der Nationen zu erfüllen. GUSTAV GLOGAUS BRIEFWECHSEL MIT STEINTHAL Von Dr. Bernh. Münz. . Das Interesse an den brieflichen Aeusserungen bedeutender Männer ist noch immer im Wachsen begriffen. Das Publikum scheint erst in der jüngsten Zeit so recht gelernt zu haben, aus den Privatbriefen von Dichtern, Künstlern, Gelehrten, Staatsmännern den biographischen, historischen, ästhetischen und psychologischen Nutzen zu ziehen, den derartige Veröffentlichungen überhaupt bezweken. Es gewährt in der Tat einen unsäglichen. Reiz, grosse Mäuner sozusagen im Schlafrock oder in Hemdärmeln zu belauschen und dabei einen Einblick in ihr Gefühlsleben und ihre geistige Werkstätte zu gewinnen. Mit einem wahren Heisshunger haben Avir den von Frau Marie Glogau vor kurzem veröffentlichten Briefwechsel zwischen ihrem 1S95 verunglückten Gatten, der zuletzt als Professor der Philosophie in Kiel wirkte, und Steinthal gelesen. Glogau hat, Nachdruck verboten. J. GABOWICZ. KUECHLEIN.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.