Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 6 (1906)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai-Juni 1906)
- Article
- Die Juden
- Date
- 1906-05-01
- Page
- Seite 387 - 388 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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387 Mark Twain: Die Juden. 3SS persönlich ebenso viele dort kenne, ich tat es, um sein Vertrauen zu mir zu heben, denn es war nicht wahr. Seine Antwort ging verloren, ich erhielt sie niemals, aber ich erkundigte mich überall und man sagte mir, es wäre Grund zu vermuten, dass manche Juden, die hauptsächlich mit Christen handeln, aus Geschäftsrücksichten, sich selbst bei der Volkszählung nicht als Juden angeben. Es scheint jetzt plausibel. Betrachten Sie New York, Boston, Philadelphia, New Orleans, Chicago, Cincinnati, San Francisco, wie es von Ihrer Rasse dort wimmelt! Und überall in Amerika bis herunter zu dem kleinsten Dorfe! Lesen Sie die Schilder auf den Märkten, an den Laden: Goldstein, Edelstein, Blumenthal, Veilchenduft, Singvogel, Rosenzweig und die ganze staunenerregende Liste schöner und beneidenswerter Namen, mit denen Preussen und Oesterreich sie vor so langer Zeit verherrlichte! Es ist ein anderes Beispiel von Europas gemeiner und grausamer Verfolgung Ihrer Rasse; nicht dass es gemein und grausam war, sie mit schönen und poetischen Namen wie diese auszurüsten, aber es war gemein und grausam sich dafür bezahlen zu lassen, oder solch abscheuliche oft indecente Namen zu geben, dass ihre Besitzer sie heutzutage nicht brauchen, oder nur auf offiziellen Papieren. Lind es waren die meisten, nicht die wenigsten, die gehässige Namen erhielten, da sie zu arm waren, die Beamten zu bestechen, ihnen bessere zu gewähren. Nun, warum erhielt die Rasse Namen? Mir ist erzählt worden, dass es in Preussen Sitte war, erdichtete Namen zu gebrauchen und sie oft zu wechseln, um den Steuereinnehmer zu hintergehen, dem Militärdienst zu entwischen usw., dass endlich der Gedanke aufgegriffen wurde, alle Insassen eines Hauses mit einem und demselben Nachnamen zu versehen und dann das Haus für diese Inwohner verantwortlich und haftbar für irgend ein Verschwinden zu machen, das vorkäme. Es Hess die Juden aus Selbstinteresse die Spuren von einander im Auge behalten und sparte der Regierung Aerger. Wenn jene Erklärung, wie die Juden in Preussen genannt wurden, korrekt ist, wenn es wahr ist, dass sie sich falsche Namen beilegten, um gewisse Vorteile zu erlangen, mag es möglicherweise auch wahr sein, dass sie sich in Amerika davon enthalten, sich als Juden einzuschreiben, um schädliche Vorurteile der christlichen Kunden abzuwehren. Ich kann nicht erfahren, ob diese Angabe begründet ist oder nicht. Andere und bessere Gründe mögen vorhanden sein, die erklären, warum nur jene armseligen 250 000 von unseren Juden in der Encyklopädie verzeichnet sind. Ich kann natürlich irren, aber ich bin stark der Meinung, dass wir eine immense jüdische Bevölkerung in Amerika haben. Punkt No. 5. Können die Juden etwas tun, ihre Lage zu bessern? Ich denke. In unseren Tagen haben wir den Wert der Verbindungen gelernt. Wir wenden sie überall an, bei Eisenbahn-Systemen, bei Verwaltungen, Handels-Vereinen, bei Heeren, in kleiner und hoher Politik, bei europäischen Konzerten. Wie auch unsere Kraft sein mag, gross oder klein, wir organisieren sie. Wir haben herausgefunden, dass das der einzige Weg ist, das meiste zu erreichen. Wir kennen die Schwäche der Einzel-Stöcke und die Stärke des Reisigbündels. Versuchen wir z. B. einen Plan wie diesen: Jeder Jude in England und Amerika notiere sich im Volkszählungsbuch als Jude — für den Fall, dass er es bisher nicht getan. Man errichte Freiwilligen-Regimenter nur aus Juden; wenn die Trommel schlägt, sollen sie in Reih und Glied stehen, Front machen, um den Vorwurf aus der Welt zu schaffen, dass unter ihnen wenig Helden sind und dass sie sich in einem Lande nähren, aber nicht gern dafür fechten. Zunächst organisieren Sie in der Politik Ihre Kraft, verbinden Sie sich zusammen, geben Sie Ihre Stimmen ab, wo Sie können, und wo Sie es nicht können, erzwingen Sie so gute Bedingungen als möglich. Sie häufen sich in allen Ländern zusammen, aber ohne Zweck und Ziel, politisch gesprochen. Sie scheinen nicht organisiert zu sein, ausser für Ihre Wohltätigkeit. Da sind Sie omnipotent, da zwingen Sie uns zur Anerkennung, Sie haben nicht darum zu bitten. Sie beweist, was Sie vereinigt zu einem bestimmten Ziele können! — Und dann könnten Sie von Amerika und England aus Ihre Rasse in Oesterreich, Frankreich und Deutschland aufmuntern und ihr materiell helfen. — Während des Aufstandes erzählte ein armer Jude in Galizien, dem christliche Bauern feindlich eingefallen und seinen Besitz geraubt hatten, eine rührende Geschichte. Er sagte, seine Stimme sei ihm wertlos und bat zu entschuldigen, dass er sie nicht abgäbe — es wäre sein sicherer Schaden, da, für welche Partei er auch immer stimmte, die andere gerade kommen würde, um Rache an ihm zu nehmen. 9 Prozent der Bevölkerung des Reiches, diese Juden, undanscheinend können sie nicht eine Planke in eines Kandidaten Programm werfen. Wenn man unsere irische Bürschchen herübersendete, würden sie Ihre Rasse organisieren und das Ansehen des Reichsrats ändern. Sie scheinen zu glauben, dass die Juden sich nicht in Politik mischen, dass sie absolut parteilos sind. Kompetente Leute versicherten mir, dass dies ein grosser Irrtum sei, dass die Juden im Reich ausserordentlich tätig in Politik sind, aber dass sie ihre Arbeit und ihre Stimmen unter zahlreiche Parteien zersplittern und also die Vorteile verlieren, die sie durch Zusammenwirken hätten. Ich glaube, dass sie es in Amerika auch tun, aber darüber wissen Sie mehr als ich. Was die Konzentration anbetrifft, hat Dr. Herzl einen klaren Blick in den Wert derselben. Haben Sie von seinem Plan gehört? Er wünscht die Juden der ganzen Welt in Palästina zu vereinigen, mit eigener Regierung unter der Souveränität