Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 6 (1906)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai-Juni 1906)
- Article
- Noah in der bildenden Kunst
- Date
- 1906-05-01
- Page
- Seite 345 - 346 (sequence 4)
- Language
- German
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345 G. Kutna: Noah in der bildenden Kunst. 346 MICHELANGELO. Die Sintflut. CAPPELLA SIXTINA, ROM. Noahs und der Taube ist daher wesentlicher als das Bild der Verwüstung. Von verwandter Art ist ein Ornament zu „In Apocalipsin Commentaria" (12. Iahrh.) wie das Fresko des Piero di Puccio (14. Jahrh.). In der Renaissancekunst zeigt Mi chelangelos Fresko an der Decke der Sixtina Tod und Jammer grosser Menschenhelden, die in glühendem Lebenswillen, in majestätischer Nacktheit den Weltenraum durchirren, während der Tod eine Wölbung darüber spannt. Es sind nicht.Sünder, die bestraft werden, sondern Götter, die vertrieben werden, Könige, die entthront sind; ein Lebensgeschlecht geht durch die Sturm macht, wie König Lear durch den Wald. Aus vier Gruppen besteht das Bild, jede gross in der Idee und gewaltig in der Form, doch die Einheit ist lose, es ist nicht Bild und Verlautbarung einer einzigen Vision. Aeusserlich heroisiert, in gesteigert formaler Stilistik ist die M. OPPENHEIM. Flut von den Rafaelschülern im Vatikan geschildert; viel Pathetik macht sich bemerkbar, und aller heldische Kampf erscheint anekdotisch. Rein episch, fast behaglich schauerlich trotz der lauten, vielgliedrigen Scenerie wirkt des Matthäus Merian Stich zu Gottfrieds „Chronica" vom Jahre 1633; ähnliche Fassungen haben Blätter von Peter van der Borcht und Christoph Maurer. Nicolas Poussin wählte das Motivder Sintflut, um eine stürm durch tobte Winterlandschaft (Louvre) darzustellen, in der Menschen in Todesnot ringen. Landschaft und Mensch haben trotz der stilistischen Gebundenheit einen grossen Zug. Die moderne Kunst bevorzugt einzelne Episoden bei der Darstellung der Flut, um innerhalb des engeren Ausschnittes eine intensivere Wirkung zu erzielen. So wird oft die Tragik dadurch in höchster Steigerung veranschaulicht, NOAH.