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Ost und West · 1906-05-01 · Heft 5-6 (Mai-Juni 1906) · p. Seite 311 - 312

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Journal
Ost und West
Volume
6 (1906)
Issue
Heft 5-6 (Mai-Juni 1906)
Article
Lagbeomer
Date
1906-05-01
Page
Seite 311 - 312 (sequence 3)
Language
German
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311 Arthur Biram: Lagbeomer. 312 Pesaeh bis Schewuot" gelesen: „von Pesach bis Perus des Schewuot'Man dachte nun an die Mischna Schekalim III, 1, wo Perus ha-Pesach einen halben Monat vor Pesach, Perus ha-azeret einen halben Monat vor Schewuot bezeichnet und kam so auch hier zum 16. Tage vor Schewuot, das ist eben der 33. Tag des Omer, der also das Ende der unter den Schülern R. Akibas wütenden Krankheit sei. Diese Erklärung wird zwar von mehreren Autoritäten berichtet, aber ihre Künstlichkeit leuchtet ein. Man wollte die Trauerzeit auf 33 Tage beschränken, während man, von der Schülererzählung R. Akibas ausgehend, zu einer Trauerzeit von 49 Tagen, das sind die Tage zwischen Pesach und Schewuot, gekommen wäre. Für uns ist aus der ganzen Lösung vor allem wertvoll, dass mit einer Trauerzeit von 33 Tagen gerechnet wird. Mit einer Trauerzeit von 33 Tagen rechnet aber auch eine andere Erklärung, die daraus ebenso eine Erklärung für den Lagbeomer gewinnen will. I'n Namen sonst unbekannter Tosaphot wird dämlich mehrfach gelehrt, die Pest habe, obwohl sie in der ganzen Zeit zwischen Pesach und Schewuot wütete, doch nur 33 Tage gedauert, denn sie habe an den 7 Tagen Pesach, an den 7 Sabbathen, an den Tagen Rausch lia-chaudesch keine Opfer gefordert. Es bleiben also nur 33 Tage übrig, und als ein Zeichen für die 33 Tage der Pest sei der 33. Tag der Omerzählung ausgezeichnet und der Trauer entkleidet worden, über das künstliche auch dieser Erklärung brauchenwir nicht zu sprechen, für uns ist es auch hier wiederum vor allem wichtig, die 33tägige Dauer der Trauer festzustellen. Aber auch bei dem noch übrig bleibenden 3. Ritus, der, wie wir uns erinnern, eine Trauerzeit vom 1. Ijjar bis Schewuot annahm, haben wir, wenn wir den Lagbeomer ausnehmen, der ja eben kein Trauertag ist, eine Erist von 33 Tagen der Trauer. Diese Erist von 33 Tagen ist also allgemeine Annahme. Auch nach dem strengsten Ritus, der die ganze Zeit von Pesach bis Schewuot umfasst, haben wir stets nur 33 Tage der Trauer. Warum hat man nun aber den 33. Tag als Freudentag aus der Trauerzeittherausgehoben? Derenbourg (Revue des Etudes juives XIX), von dem 2. Ritus, der mit dem 1. Ijjar die Trauerzeit beginnt, ausgehend, hat angenommen, dass der Lagbeomer einfach aus dem Bedürfnis erwachsen sei, die lange Trauerzeit durch einen Tag zu unterbrechen. Man habe nun die 34 Tage vom 1. Ijjar bis 5. Siwan geteilt und so zweimal 17 Tage bekommen; man konnte nun den 17. oder den 18. Tag als Feiertag annehmen; man entschied sich für den 18. Tag und setzte so den 18. Ijjar gleich 33. Omertag als Feiertag ein. Diese Unterbrechung der Trauerzeit habe an dem mi-ca-reme der katholischen Kirche ein treffliches Gegenbild. Landsberger (Jüdische Zeitschrift für Wissenschaft und Leben, Band III, 81 ff.) hat den Versuch gemacht, die Trauerzeit während der Sephira auf römischen Einfluss zurückzuführen. Bei den Römern," so fühlt er aus, (S. 85 ff.) herrschte nämlich seit uralten Zeiten die Sitte, im Mai nicht zu heiraten, weil in diesem Monat die Geister der Verstorbenen durch besondre Ceremonien gesühnt, die sogenannte Lemurien gefeiert wurden. Dieser Gebrauch war in Frankreich noch im 17. Jahrhundert und in Schottland sogar noch im 18 Jahrhundert verbreitet. „Sollten — so heisst es S. 89 — die Sklaven oder Freigelassenen im Lande der Besieger der Landessitte zum Trotz im Mai Ehen geschlossen haben?" Auf jüdische Verhältnisse übertragen, musste man nun natürlich für den Mai den entsprechenden Ijjar nehmen, und auf diesen Monat übertrug man dann, indem man die Schülererzählung des Talmud als jüdisch-geschichtlichen Hintergrund für das aus römischer Sitte entlehnte Heiratsverbot nahm, die talmudische Angabe zwischen Pesach und Schewuot. Obwohl es sich immer nur um das Verbot im Ijjar zu heiraten handelte, sagte man also nicht: „Es ist Sitte im Monat Ijjar, nicht zu heiraten," sondern: „Es ist Sitte, zwischen Pesach und Schewuot nicht zu heiraten." Der Lagbeomer ferner sei nicht als der 33. im Omer ausgenommen worden, sondern als der 18. Ijjar. Dem 18. Monatstag aber wurde nur deshalb die Ausnahmestellung angewiesen, weil die Zahl 18 im Hebräischen durch chaj ausgedrückt wird. Da nämlich chaj das Leben bedeutet, so glaubte man in diesem Tage ein Präservativmittel gegen den Tod gefunden zu haben. Schreiben ja die Juden der Zahl chaj noch heutzutage die gleiche Kraft zu, wie dies schon die Spenden bei Gebeten für Kranke und dergleichen Gelegenheiten genugsam beweisen. Und zwar könne dieser Gebrauch schon vor der Luriaschen Kabbala, die im 16. Jahrhundert beginnend, solche Spielereien besonders begünstigt habe, in der gaonäischen Mystik sich befunden haben. Wenn man dies aber nicht annehmen wolle, so könne man wohl glauben, dass schon der Gleichklang mit chaj für dieses Herausheben des durch chaj bezeichneten 18. Ijjar entschieden habe. Diese Anschauung ist im einzelnen durchaus anfechtbar, sie ist auch so ausführlich nur zitiert, um zu zeigen, zu welchen Künstlichkeiten man greifen musste, um irgendwie den Lagbeomer erklären zu können. Sie fällt aber schon dadurch, dass die Identifizierung des Ijjar als Trauermonat sich nicht durchführen lässt. Denn nach dem älteren und weiter verbreiteten Ritus hört ja die Trauerzeit mit dem 18. Ijjar überhaupt auf. Mir scheint, es muss für die Erklärung des Lagbeomer vor allem auf die 33tägige Dauer der Trauerzeit geachtet werden. Dass in der Zeit zwischen Pesach und Schewuot eine Trauerzeit von 33 Tagen statthabe, war anerkannte Tradition. Diese 33 Tage hat man nun entweder vom Anfang der Sephira, der Omerzeit, vorwärts oder vom Ende derselben aus rückwärts gerechnet, begann sie also entweder mit dem 2. Tage Pesach, dem ersten Tage der Sephira und endigte sie — erst später mit

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