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Ost und West · 1906-05-01 · Heft 5-6 (Mai-Juni 1906) · p. Seite 309 - 310

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Journal
Ost und West
Volume
6 (1906)
Issue
Heft 5-6 (Mai-Juni 1906)
Article
Lagbeomer
Date
1906-05-01
Page
Seite 309 - 310 (sequence 2)
Language
German
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309 Arthur Biram: Lagbeomer. 310 Mitglied des Krakauer Rabbinats — zwei verschiedene Riten, von denen wir zuerst in der Mitte des 13. Jahrhunderts hören. Die eine Anschauung, die besonders von älteren Autoren vertreten wird, beginnt die Trauerzeit mit dem 2. Tage der Omerzählung, d. i mit dem 2 Tage Pesach und endet sie mit dem Laabeomer, dem 33. Tage der Omerzählung, weil an diesem Tage die unter den Schülern R. Akibas wütende Krankheit ihr Ende gefunden habe. Nach diesem Ritus gibt es, wie es auch im 2. Abschnitt des Schulchan aruch ausdrücklich heisst, den Festtag des Lagbeomer überhaupt nicht, und nur unter dem Einfluss des anderen Ritus wurde der 33. Tag der Omerzählung auch hier dazu gemacht, wie uns die Glosse des Moses Isseries zu Absatz 3 berichtet. Und was sollte der Lagbeomer hier wohl auch für einen Sinn haben? Alles folgende ist ja auch trauerlose Zeit und der 33. Tag gehört ja noch zur Trauerzeit. Das wollen wir uns also gut merken, dass wir unter sephardischen Juden — denn Josef Karo, der 1575 in Palästina starb, war ja aus ihnen hervorgegangen und lebte unter ihnen — im 16 Jahrhundert mit einer Feier des Lagbeomer überhaupt nicht zu rechnen ist Für den 2. Ritus, über den Moses Isseries im Absatz 3 „für viele Gegenden" — nach seiner Herkunft zu schliessen, also für Polen und Deutschland — berichtet, reicht die Trauerzeit vom 1. Ijjar bis Schewuot Warum lässt man aber hier einerseits, mit der Begründung, dass da die Pest aufgehört habe, die Trauerzeit durch den Lagbeomer unterbrochen werden, und sie doch andrerseits bis Schewuot dauern? Und legte man überhaupt die talmudische Erzählung von der zwischen Pesach und Schewuot unter den Schülern R. Akibas herrschenden Pest zu Grunde, warum begann man die Trauerzeit erst mit dem 1. Ijjar? Auf diese Frage werden wir zurückkommen müssen. Ein 3. Ritus, den der unter dem Namen seines Werkes Türe sohow bekannte Kommentator des Schulchan aruch, David ha-Levi (um 1650) zu der angegebenen Stelle des Schulcban aruch mitteilt, verlangt, dass man in der ganzen Zeit zwischen Pesach und Schewuot nur am Lagbeomer, weder vorher, noch nachher, heirate, und zwar setze man die Trauerzeit auch nach dem 33. Tag des Omer, nach dem ja keiner von den Schülern R. Akibas mehr gestorben sei, fort als Erinnerung an die grossen Verfolgungen Deutschlands zur Zeit des ersten Kreuzzuges, 1096, die ja gerade in der Zeit von Pesach bis Schewuot die stolzesten rheinischen Gemeinden vernichteten. Charakteristischerweise erklärt aber David ha-Levi, dass diese Trauer nach dem 33. Omertag eine leichtere sei, denn man habe wegen der Verfolgung von 1096 nur die übermässige Hochzeitsfreude verboten, während vor Lagbeomer wegen des Todes der Schüler R. Akibas aller Welt schwere Trauer auferlegt sei. Drei Riten für die Trauerzeit bestehen also: 1.) von Pesach bis Lagbeomer, 2.) vom 1. Ijjar bis Schewuot, 3.) von Pesach bis Schewuot. Der erste sowohl wie der dritte gehen bestimmt, vielleicht aber auch der zweite, von der Tradition über das allgemeine Sterben der Schüler R. Akibas aus, und auch schon die älteste Nachricht über die Trauerzeit zwischen Pesach und Schewuot aus dem Anfang des 8 oder der Mitte des 9. Jahrhunderts, ein Responsum eines Gaon Natronaj, gibt als Begründung für den Brauch die talmudische Erzählung von R. Akibas Schülern an. Im babylonischen Talmud (Traktat Jebamot f. 62 b) wird nämlich erzählt: R. Akiba hatte 12 000 Paar Schüler (man lernt paarweis zusammen, daher der Ausdruck), deren Wohnsitze sich von Gobat bis Antiparis erstreckten, und weil sie sich gegenseitig nicht ehrerbietig begegneten, sind sie alle in einer Zeit gestorben. Und sie alle starben, fährt der Talmud fort, von Pesach bis Schewuot. Ein ähnlicher Bericht findet sich im Midrasch Bereschit rabba Abschnitt 61 zum Wochenabschnitt Chajje sara, nur dass da nicht 12 000 Paare, sondern 12 000 Schüler genannt werden, während der Midrasch Tonchuma ebendort (zu Gen. 25, 1) sogar nur vom Tode von 300 Schülern R. Akibas berichtet. Diese Nachricht wird seit Rappoport auf die Anhänger R. Akibas bezogen, die im Barkochbakrieg ums Leben kamen. So wäre also die Sephirazeit der traurigen Erinnerung an den unglücklichen Ausgang des Barkochbakriegfs gewidmet. Man darf dabei daran erinnern, dass nach der Mischna (Sota IX) zum Andenken an die Opfer des Barkochbakampfes bestimmt wurde, dass die Bräute nicht mehr wie bisher in Prachtsänften in das Haus des Gatten getragen werden durften. Das Verbot der Hochzeit während der Omerzeit wird aber auch anders motiviert, z. B. damit, dass man sich zum Omer, gleichwie zum Opfer einer von ihrem Mann des Ehebruchs verdächtigten Frau der Gerste bediente. Darin sah man wohl eine schlechte Vorbedeutung für die eheliche Treue der heimzuführenden Gattin. Oder es wurde das Heiratsverbot in der Sephira auch mit dem Ausspruch des Jochanan b. Nuri (Mischna Edujot II, 10) begründet, dass gerade in dieser Zeit die dahingeschiedenen Frevler die Höllenstrafe erleiden. In einer späteren Quelle wird wohl auch vorgebracht, dass um diese Zeit über die Feldfrüchte Gericht gehalten wird. Doch wir haben es ja nicht mit der Motivierung der Trauerzeit während der Ömerzählung, sondern mit der Unterbrechung derselben, dem Lagbeomer, zu tun. Nun hörten wir aber schon, er sei darum als Festtag eingesetzt, weil an ihm das Sterben der Schüler R. Akibas aufgehört habe. Wir haben den talmudischen Bericht über dieses Ereignis gelesen, abor wir fanden dort von einem solchen Termin nichts erwähnt, im Gegenteil, es hiess, von Pesach bis Schewuot seien Schüler R. Akibas gestorben. Dieser Termin wird vielmehr auf ganz künstliche Weise gewonnen. In einem alten Manuskript habe man statt „von

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