Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 6 (1906)
- Issue
- Heft 3 (März 1906)
- Article
- Die ideale Organisation einer allgemeinen israelitischen Allianz
- Date
- 1906-03-01
- Page
- Seite 165 - 166 (sequence 4)
- Language
- German
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165 Mathias Acher, Wien: Die ideale Organisation einer allgemeinen israelitischen Allianz. 166 Mädchenschule der „Alliance Israelite Universelle" in Tanger. mente die wichtige Wahl der Leitungen bezw. der Oberleitung vorzunehmen. Damit aber komme ich zu einem dritten Erfordernisse der Universalität einer jüdischen Allianz. — und das ist ihre Demokratisierung. Möchten sich doch diejenigen, die man heute die leitenden Kreise der Judenheit nennt und die es bis zu einein gewissen Grade auch wirklich sind, vor Augen halten, dass auch die jüdische Gemeinschaft dem Zuge der Zeit nicht lange mehr widerstehen kann. Schon ist der Zeitpunkt sehr nahe, dass die Religionsgemeinden den breiten Massen das Wahlrecht werden gehen müssen. Dann werden die grossen jüdischen Wohlfahrtsanstalten daran kommen. Und nicht zum Schaden der Sache! "Was vielleicht an beitragen einzelner verloren gehen wird, wird durch Popularität und eine Mitgliedschaft von Hunderttausenden hereingebracht werden können. Im übrigen hängt eine demokratische Umgestaltung des Wohlfahrtwesens, namentlich eine Anwendung des demokratischen Prinzips auf den Allianzgedanken zum grossen Teile von den neuen Kräften selbst ab. Sie brauchen sich nur zu melden. Natürlich glaube ich selbst nicht, dass der 'Plan einer Allianz Verfassung, so wie ich ihn hier entworfen habe, sofort und mit einem Male zur Annahme gelangen könnte. Eine Organisation, wie die gezeichnete, setzt einen viel höheren Grad der .Reife voraus, als vorläufig erreicht ist. Sie kann sich in dein Zustande des Chaos, aus dem die Judenheit allmählich emporzusteigen beginnt, nur allmählich zusammensetzen. ..Jede Tätigkeit", — schrieb ich in Xo. 1 und 2 der-Zeitschrift -..Der Weg: Jüdische Monatsschrift" vom 20. August 1903, und ich zählte dort ungefähr dieselben Tätigkeitsgebiete auf, wie hier. „die als ein Glied in der grossen jüdischen Bewegung zu betrachten ist, inuss sich eine seihständige und freie Organisation geben. In solchen freien und grossen Arbeitscadres, in welchen jeder die Betätigung findet, die ihm die liebste ist, muss die jüdische Bewegung vorwärts marschieren. Dann kann und wird sich aus Delegierten der verschiedenen Cadres ein Bat zusammensetzen, . . . der dafür sorgt, dass alle die mannigfachen Arbeitsbäche zu einem grossen Strom, dem Strom einer gedeihlichen Entwicklung des jüdischen Volkes zusammenfliessen. Das wird keine Kunst- Organisation sein, die sich von oben nach unten, sondern eine natürliche Organisation, die sich von unten nach oben, ohne unvermittelte Sprünge, ohne unvernünftige Launen aufbaut." Jedermann wird zugeben, dass, seit diese Worte niedergeschrieben wurden; die Entwicklung in ihrem Sinne vor sich gegangen ist. Xicht etwa, als ob schon die freien und grossen Arbeitscadres entstanden wären oder diese gar schon einen obersten Hat beschickt hätten! So weit sind wir allerdings noch lange nicht. Aber der Trieb zur Arbeitsteilung einerseits und zur Zusammenfassung andererseits hat sich mehrfach, gezeigt und betätigt, und die Scheu vor unvermittelten Sprüngen und unvernünftigen Launen ist zusehends gewachsen. Und darauf kommt es, wie ich immer mehr einsehe, in allererster Linie an. Andererseits scheint es jedoch schon an der Zeit, für einen lebhafteren Gang des Zusammenschlusses Sorge zu tragen, sich nach einem krystallisierenden Faktor umzusehen, der alle die versprengten Organisätionseleinente an sich ' zieht oder wenigstens bereit steht, sie an sich zu ziehen, wenn die Zeit gekommen