Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 6 (1906)
- Issue
- Heft 3 (März 1906)
- Article
- Die Alliance Israélite Universelle
- Date
- 1906-03-01
- Page
- Seite 151 - 152 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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151 Die Alliance Israelite Universelle. 152 Sonderlichkeiten und Zufälligkeiten losgelöst, sich verkörpert, liegt ein grosser Elan und eine ungeheuer wirksame Kraft, die ihr das Vertrauen unserer Glaubensgenossen erworben hat. Allein der internationale Charakter der Alliance ist in einer andern .Beziehung von noch viel grösserer Wichtigkeit. Jede irgendwie national ausgeprägte jüdische Organisation, sei es, dass sie . einen französisch - nationalen, deutschnationalen, oder englisch - nationalen Charakter trägt, muss nicht nur den Juden in den Ländern des Orients, sondern auch der nichtjüdischen Bevölkerung, und vor allem den dortigen Gewalthabern, als einseitige Eepräsentantin der politischen und wirtschaftlichen Interessen ihresLandes erscheinen. Nun sehen wir, dass die politische und ökonomische Rivalität der verschiedenen europäischen Mächte im Orient immer mehr wächst. Es ist also für die Dauer ganz ausgeschlossen, dass eine irgendwie national bestimmte jüdische Gesellschaft nicht mit einer der verschiedenen politischen Bestrebungen identifiziert, selbst gegen ihren Willen in mannigfache Intrigen verwickelt und so mit dem oder jenem Machtfaktor in Konflikt gerät. Dadurch müsste aber ihre Tätigkeit notwendig gelähmt und um jeden bedeutenden Erfolg gebracht werden. Ja, noch mehr. Durch eine derartige national gefärbte Propaganda würden wir unsere Brüder in jenen Ländern, wo wir ihnen helfen wollen, unbedingt in die politischen Streitigkeiten hineinziehen, sie in einen Gegensatz zu den heimischen oder anderen einflussrei - chenMachtfaktoren bringen, und auf diese Weise Gefahren aufbeschwören, deren Tragweite unermesslich wäre und die in keinem Verhältnisse zu der Hilfe stünden, die wir ihnen zu bieten vermögen. Darum müssen wir, wenn wir den Juden in den orientalischen Ländern aufrichtig helfen wollen, unbedingt an dem Grundsatz der Internationalität festhalten, wie ihn die Alliance Israelite Universelle ausgeprägt und glänzend durchgeführt hat. Vor einigen Jahren hat Professor Har nack in einer grossen evangelischen Versammlung den Grundsatz aufgestellt, dass die deutschen Missionare, die hinausziehen, um in fernen Ländern das Christentum zu predigen, sich strengstens von jeder politischen Bestrebung ihres Vaterlandes fernhalten sollen. Ja er forderte sogar,, dass die Missionare ihre Nationalität und Heimatsberechtigung aufgeben, damit sie allein der Verbreitung des Christentums dienen können, ohne den Verdacht auf sich zu laden, dass sie politischen oder wirtschaftlichen Hintergedanken dienen. Um so mehr ist es für uns Juden heilige Pflicht, wenn wir nach dem Osten gehen, um unter unseren Brüdern eine Kulturmission zu erfüllen, jeden, auch noch so entfernten Schein zu vermeiden, als stünden wir im Dienst irgend einer nationalen, politischen Macht. Uns und unsere Schützlinge wird im Falle einer Not oder Gefahr niemand schützen. Wir sind einzig und allein auf uns angewiesen. Das einzige Mittel aber, uns vor dem Schein irgend welcher nationaler Parteinahme zu wahren, ist, dass unsere Organisation international bleibt wie es die Alliance Isüber sieher- Schüler der Handwerkerschule der,, Alliance Israelite Universelle4' in Jerusalem, raeliteüni-