Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 5 (1905)
- Issue
- Heft 9 (September 1905)
- Article
- Zum Jubiläum der Hamburger Portugiesengemeinde
- Date
- 1905-09-01
- Page
- Seite 585 - 586 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/2583875-2583931-2583940-2592598--05494-2592668- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Pr Paul Kiegei : Zum Jubiläum der Hamburger Portugiesengcmehidc. (Nach e Der Porlugiesenfriedhof zu Altona. ■ Spezialaufnahme für „Ost und West" von Zander & Labisch, Berlin.) dem geschmückten schlichten Gotteshause festlich begangen. Das Schulwesen war sorgfältig geregelt, und die Gemeindelast dementsprechend nicht gering. Allerdings musste ein so bedeutender Gelehrter wie der Haham (=sn ist der Titel der sefardischen Rabbiner) David Cohen de Lara (1656) .mit einem Lehrergehalte von 300 M. Banco zufrieden sein. Eine lange Reihe ausgezeichneter Gelehrter, die in den Gemeindeschulen unterrichtet worden sind, zougt für die Trefflichkeit des Unterrichtswesens. Hier wurden der Gelehrte Arzt Dr. Baruch Namias de Castro (1597—1684), JacobJehuda Leon Templo (geb. 1603), der schon genannte Rabbiner und Lexikograph David Cohen de Lara (1602 bis 1674), der spätere Amsterdamer Rabbiner Samuel Abas, der Rabbiner in Venedig Samuel. Aboab (1610—1694], der Sprachforscher Binjamin Musana (st. 1700) und viele andere gelehrte und bedeutende Männer herangebildet. Der "Wohltätigkeitssinn der Gemeinde versagte niemals. In ernster Erinnerung an die eigene Gewissensnot spendete die Gemeinde besonders reichliche regelmässige Beiträge der Kasse zur Auslösung jüdischer Gefangener in Venedig. Während die wirtschaftliche und gesellschaftliche Lage der Portugiesengemeinde stets eine aussergewöhnlich glückliche blieb — wählten sich doch sogar ausländische Fürstenihre diplomatischen Vertreter unter ihren Mitgliedern!1) wird die gleichzeitige Stellung der deutschen (hochdeutschen) Juden dadurch gekennzeichnet, dass dieselben (und zwar erst seit 1647) nur als „Dienstboten der Portugiesischen Nation" in Hamburg geduldet und als solche dem regierenden. Bürgermeister aufgegeben wurden. Erst im Jahre 1671 befreiten sich die hochdeutschen Juden in Hamburg von dem portugiesischen Patronate. J) So war der Cavallero y Agetite Duarte Nimes Resident des Königs von Portugal; der 1629 verstorbene David Abensur war polnischer Resident; der Sohn des 1643 geadelten Abraham Teixeira, Manuel T., war erst Agent und später Minister der Königin Christine von Schweden.