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Ost und West · 1905-09-01 · Heft 9 (September 1905) · p. Seite 583 - 584

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Journal
Ost und West
Volume
5 (1905)
Issue
Heft 9 (September 1905)
Article
Zum Jubiläum der Hamburger Portugiesengemeinde
Date
1905-09-01
Page
Seite 583 - 584 (sequence 2)
Language
German
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583 Dr. Paul Rieger: Zum Jubiläum der Hamburger Portngiesengemeinde. 584 an der Einwanderung der Flüchtlinge keinerlei Anstoss. Erst die „Designatio Articulorum" vom 19. Februar 1612 erkennt das jüdische Bekenntnis der Flüchtlingsgemeinde amtlich an. Während aber der Ratsmännerbericht vom 18. Juni 1606 nur von sieben Portugiesen und ihren zwei Mäklern spricht, zählt die Rolle von 1612 — wahrscheinlich infolge der eben erfolgten öffentlichen Anerkennung — bereits 125 portugiesische Personen auf. Da sich die junge Gemeinde durch die Forderung eines hohen Gemeindeeintrittsgeldes zu Gunsten des am 3. Mai 1611 angekauften Friedhofes (Bet Haym ann rua) vor unliebsamen Eindringlingen schützte, vermehrte sich ihre Kopfzahl nur sehr langsam. Der Zuzug von Marranen aus Portugal und aus Flandern hörte aber während des ganzen siebzehnten Jahrhunderts nicht auf. Gerade durch diese Beziehungen zum Mutterlande brachte die Portugiesengemeinde der neuen Heimat grossen Nutzen. Der Aufschwung des Hamburger Handels in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts, vor allem der Handelsbeziehungen mit Portugal und Spanien war zu einem grossen Teile ihnen zu danken. Ausdrücklich wird z. B. im Jahre 1709"'die Förderung des spanischen Handels durch die portugiesischen Juden amtlich anerkannt. Ausser einem regen Handelsgeiste und einer nicht gewöhnlichen Intelligenz brachten die Einwanderer bedeutende Kapitalien nach Hamburg. Bereits in den ersten vier Jahren ihies Bestehens beteiligten sich 40 jüdische Firmen an der 1619 b e gr ün d e t e n Hamb ur ge r Bank. Durch ihre Anteilnahme am Schiffsbau gaben sie der inländischen Industrie wertvolle Anregung. Vor allem aber führten sie beträchtliche Massen Rohzucker aus den amerikanischen Besitz- Das Innere der Esnoga de (Nach einer Spezialaufnahme für „Ost ungen der Spanier, Portugiesen und Engländer (Barbados) ein' und förderten durch intelligente Unternehmer die Blüte des brasilianischen Tabakhandels in Hamburg. Grundstückerwerb war ihnen allerdings nur in der Form möglich, dass die Grundstücke auf den Namen eines christlichen Bürgers in das Grundbuch eingetragen wurden. AVenn auch die .Portugiesengemeinde von allerlei Verhetzungen durch die übereifrige Geistlichkeit nicht verschont blieb, so ist andererseits die stets korrekte Behandlung der Gemeinde durch die Hamburgische Kaufmannschaft bei den meist kleinlichen Beschwerden der christlichen Konkurrenten zu bewundern. Wiederholten Einspruch von Seiten der Behörden erregte allerdings der Kleiderluxus und das Waffentragen der Portugiesen. Am 14-. Juni 1686, und wieder im Jahre 1709 musste ein Senatsdekret den Juden verbieten, „auf der Börse mit Degen, Stecken und Gewehr angetan sich einzufinden". Vor allem aber nahm die Geistlichkeit an der luxuriösen Lebensführung der „portugiesischen Nation" wiederholt Anstoss. Die Gemeinde brachte aber auch ihrem äusseren Auftreten entsprechende Opfer für ihre religiösen Bedürfnisse. Die ursprünglichen drei kleinen Gemeinden der Stadt wurden am 3.September 1652 zu einer Gesamtgemeinde vereinigt, und nicht viel später wurde die Hauptsynagoge (esnoga de Bet Israel) auf dem „Alten Wall" errichtet. Das Bethaus ist dem grossen Brande (1842) zum Opfer gefallen. Erst im September 1855 konnte die neue Synagoge in der Marcusstrasse eingeweiht werden. Am 22. September dieses Jahres wurde die 50. Wiederkehr dieses für die Gemeinde so be- „ , T . „ . deutsamen Tages durch Bet Israel zu Hamburg. ö u. West" von Zander & Labisch, Berlin.) einen Gottesdienst in

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