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Ost und West · 1905-09-01 · Heft 9 (September 1905) · p. Seite 565 - 566

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
5 (1905)
Issue
Heft 9 (September 1905)
Article
Die biblischen Gestalten in der bildenden Kunst
Date
1905-09-01
Page
Seite 565 - 566 (sequence 9)
Language
German
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565 Dr. G. Kutna: Die biblischen Gestalten in der bildenden Kunst. 566 Darstellungen des Mittelalters steht Eva vor dem Sündenfall im Zwiegespräch mit der Schlange, sie macht noch einen Gestus der Weigerung gegenüber dem Drachenvogel mit Frauenkopf (Speculum Humanae Salvationis), nimmt aber dann auf einem anderen Bilde freudig und vertraut den Apfel von der Schlange, während Adam trübselig wie auf Befehl in den seinen beisst. In der Armenbibel steht Eva in heimlicher Unterhaltung mit der aufgerichteten Schlange, die mit grinsender Bosheit auf die halb Zögernde einspricht, als schmieden sie ein Komplott in boshafter Heimlichkeit. In der Renaissance wird Eva dargestellt (Hans Baidung gen. Grien), wie sie den Apfel zage zur Seite hinhält und fragend nach anderer Richtung blickt. Der ganze Körper ist von Wendungen des Zauderns und Zurückweichens bestimmt, und doch lässt dieses schöne Weib mit der weiblich schönen Bangigkeit erkennen, wie der Leichtsinn eben durch die Tore zieht, worauf die Schlange so ungestüm lauert. Auch H. S. Beham hat ein solches [Blatt gestochen mit einer weiblich sinnenden Eva von warmer Schönheit. Die eine Hand hält den Apfel, die andere die Schlange, deren Leibende sich um Evas Füsse ringelt, vTodurcb ihre blühende Schönheit einen schauerlich-pikanten Reiz bekommt. Eine Eva von rätselhaftem, unbestimmbarem Reiz hat in neuerer Zeit Klinger in seinen Radierungen geschaffen: „Eva und die Zukunft", „ein Capriccio". Mit modern geistigem Ausdruck, ohne Enge eines bestimmten Zeitcharakters, spiegelt ihr Wesen ein feingestimmtes, zartsinnig verlangendes Dasein. Kühl und von ruhiger Selbstliebe, ist sie doch zart empfindsam und kindlich sehnsüchtig; von weiblicher Weichheit jetzt, lauert etwas schlangenartigGlaties hinterder nächsten Zeitspanne. Sie sitzt allein am See und ist nackt. Warm breitet sich der Tag über den stillen Plan, und Adam schläft links unter einem Baume. Und da kommen ihr Gedanken; Gedanken kommen dem Weibe an diesem Tage in seiner Nacktheit, da es allein ist. Unschuldige Gedanken und sündige, Wünsche und Sehnsucht kommen heran und Fragen aus der Ferne und Neugierde. Es mehren sich die Gedanken, die Reize und Wagnisse, uns wird bange, und wir fragen endlich: Weib, Weib, wie ist Dein Name? Und hinten liegt Adam in tiefem Schlummer. Noch einmal erscheint Eva in dem Opus. . Die ,.Schlange" (Iii, 3) hält ihr den Spiegel vor, Eva erhebt sich auf ihre Fussspitzen, blickt hinein und gewahrt ihr Bild. Da lächelt sie fein, kühl, stolz und ohne Erstaunen. Sie entdeckt ihre Schönheit und scheint zufrieden, dass ihre Vermutung zugetroffen, dass sie schön ist. bestrickend und siegeskundig. In solchen gesonderten Evagestalten liebt es die Kunst, das Weib in seiner Schwäche zu zeigen, wenn Gedanken des Verlangens . seinen kindlich leichten Sinn umschmeicheln, und das Weib in seiner Ueberlegenheit zu zeigen, wenn es sich seiner verführerischen Macht bewusst wird, seiner Schönheit und seiner anziehenden Natur. Und diese Reize spielen dann, wenn der Mann ihr gegenübersteht: er zaudert und REM BRANDT. -Sn. e. Original-Radierung. Adam und Eva. bedenkt und folgt doch immer, wohin das Weib ihn lockt. Lauernd, schelmisch lächelnd oder überlegen und kühl sieht Eva zu dem unschlüssigen Adam hin auf den Blättern des Lucas van Leyden, Hans Brosamer und anderer; beim Meister C." G. redet Adam lebhaft warnend auf Eva ein, sie blickt ihn nur starr, wie visionär an und nimmt den Apfel von der Schlange, als werde sie magisch angezogen von einem geheimnisvollen Reiz. Erschreckt fasst Adam mit der Rechten Eva auf einem Blättchen des H. S. Beham (1529) und schreit ihr in wilder Angst seine Warnung entgegen, sie aber blickt ihn entschlossen, mit kühler Verachtung-an; und während seine Rechte wehrt, hält die Linke schon den Apfel, um ihn bald zu verzehren. Der Disput beider ist nicht immer von solch lauter Deutlichkeit, wie sie diese deutschen Kleinmeister lieben; vielmehr, wird die Szene gern benutzt, um die feineren, still wirkenden Reize der weiblichen Erscheinung und des weiblichen Wesens zu schildern. Dabei wird, der Vorgang auch so gefasst, dass Eva durch ihre Gegenwart und ihr Beispiel allein wirkt, so dass Adam selber nach dem Baum langt, um einen Apfel zu pflücken, während sie den ihren von der Schlange nimmt. So hat H. Baidung Grien die Szene auf einem Holzschnitt (1511) dargestellt; auch

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