Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 5 (1905)
- Issue
- Heft 9 (September 1905)
- Article
- Nach dem Kongress
- Date
- 1905-09-01
- Page
- Seite 545 - 546 (sequence 4)
- Language
- German
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545 Dr. Bodcnlieimcr: Nach dem Kongress. 546 Führers der Majoritätspartei die Hände zur Abstimmung in die Höhe gingen, so war dies regelmässig das Zeichen für immer erneute Wutausbrüche der überwältigten Minorität. Ebenso unglücklich wie die Taktik der Majorität, welche auf ihrem Schein einer prinzipiellen Lösung der Landfrage bestand, war die Haltung einer anderen Gruppe, welche ihr Interesse lediglich darauf konzentriert hatte, die von ihnen in Aussicht genommenen Männer in die oberste Führung zu bringen, und so ein Direktorium mit verschiedenen bestimmten Dezernaten zu schaffen. Diese vergassen über diesem Streben im Permanenzausschuss völlig, dass der Kongress in seiner Fraktionsmajorität an dieser Frage überhaupt kein sachliches Interesse mehr habe. Nachdem die Frage des Prinzips in der Landfrage entschieden war, wäre es für die Führer der Fraktion eine, halbe Arbeit gewesen, wenn sie nun nicht die Anhänger ihres Prinzips ohne Rücksicht auf ihre fachliche Eignung als oberste Sittenwächter in die Führung gebracht hätten. Da aber diese Gruppe in ihrem Eifer, die neue Führung zu konstruieren zu der vom Block'' aufgeworfenen Frage, welche dem künftigen Führer die Hände binden musste, keine klare Stellung nehmen wollte, war das Schicksal des Kongresses besiegelt. So kam es, dass I>r. Bodenheime Verfasser des vorliegenden Artikels D. Wolfsohn rier derzeitige Präsident des Aktionskomitees Die zionistische Deputation in Palästina. (Xach einer Moment aufnahmt ) das Prinzip eines Direktoriums, dessen Mitglieder bestimmte Dezernate verwalten sollten, völlig unter den Tisch fiel, und ein engeres Aktionskomitee gewählt wurde, dessen Zusammensetzung keine Richtung in der zionistischen Bewegung voll befriedigen kann. Zwei Duellanten standen sich auf dem Kongress kampfbereit gegenüber. Ein jeder sah den Gegner an einer Stelle, wo er gar nicht stand. So flogen die wuchtigen Hiebe hin und her, und beide Parteien hatten am Schluss ihre Kraft und Geschicklichkeit vergeudet, ohne den Gegner tödlich zu treffen, und selbst mit dem Bewusstsein des Sieges die Walstatt zu verlassen. Die Majorität des ,,Blocks" hatte übersehen, dass man in keiner Partei ein Prinzip der Politik für ewige Zeiten festlegen kann. Es war daher ein taktischer Fehler derselben, die_zufällige Majorität des Kongresses zu benutzen, eine Frage prinzipiell, festzulegen, deren Entscheidung zunächst von praktischen Gesichtspunkten im Sinne der Majorität entschieden werden musste. Es war noch ein grösserer taktischer Fehler, um die Führung der Partei zu kämpfen, ohne rechtzeitig die prinzipielle Frage auszuschalten, die es verhindern musste, dass dieser Gegenstand nach dem Gesichtspunkte der Zweckmässigkeit entschieden würde. Zwischen die- I)r. Tb. Herd Dr. M. T. Schnirer