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Ost und West · 1905-09-01 · Heft 9 (September 1905) · p. Seite 543 - 544

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Journal
Ost und West
Volume
5 (1905)
Issue
Heft 9 (September 1905)
Article
Nach dem Kongress
Date
1905-09-01
Page
Seite 543 - 544 (sequence 3)
Language
German
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543 Dr. Bodenheimer: Nach dem Kongress. 54+ Aktion, die nicht unmittelbar mit dem zionistischen Ziel in Zusammenhang steht, beschäftigen dürfe, war ein heftiger Bruderstreit entbrannt. Dieser Kampf hat die letzten Tage unseres Führers verdüstert. Da ergibt sich die glücklichste Lösung. Die Frage zwingt nicht zu einer prinzipiellen Beantwortung. Der Bericht der Erforschungskommission, welche die Eignung des Landstriches für eine jüdische Siedelung prüfen sollte, ist aufs äusserste entmutigend. Die Frage der Besiedelung dieses Landstriches war völlig gegenstandslos geworden. Dr. Herzl würde dieselbe dem Kongresse gar nicht mehr vorgelegt haben, wie aus seinen eigenen Erklärungen vom 6. Kongresse für jedermann klar sein musste. Unter keinen Umständen aber durfte man zur Zeit des ordentlichen Kongresses einen besonderen Kongress über diese Frage einberufen, und so aus ewig rätselhaften Gründen der Boden für eine Verwirrunggeschaffen werden, die nie und nimmer ein glückliches Resultat haben konnte. Diejenigen, welche Wert darauf legten, dass dieser ausserordentliche Kongress trotz der Abmahnung ernster Mitglieder des grossen Aktionskomitees einberufen wurde, tragen die Verantwortung dafür, dass eine theoretische Frage den Kampfplatz bildete, auf dem das Ansehen des Kongresses zugrunde gerichtet wurde. Aber ein kraftvolles Präsidium, dessen Mitglieder über den Parteien standen, hätte auch so noch Mittel und Wege finden können, die Verhandlungen durch die turbulenten Szenen jener Nachtsitzung vom 29. Juli zu einem glücklichen Ende zu leiten. Statt dessen unterwarf sich das Präsidium kraftlos dem übermächtigen Einfluss jenes Blocks, der die prinzipielle Beantwortung der Ostafrika- Frage an die Spitze jeder Diskussion stellte. Dieser Vorwurf kann nicht den Mann treffen, der die ganze Kraft eines durch Krankheit <re- Theodor Herzl vor Kaiser Wilhelm II. (Beim Zeltlager von Jerusa'em. Nach einer Momentschwächten Körpers aufbot, um die Würde der Kongresstribüne auf der Höhe zu halten, die Dr. Herzl vorschwebte, als er die denkwürdigen Worte sprach: „Diese Tribüne sei hoch und ernst allen Juden zur Ehre, und würdig einer Vergangenheit, deren Ruhm wohl schon fern, aber unvergänglich ist." Dieser Tadel trifft vielmehr den Kongress, welcher unter dem Druck des „Blocks" schon bei der Wahl des Präsidiums sich dessen Diktatur unterwarf. So wurde ein _________ Präsidium geschaffen, das wohl geeignet war, gegenüber dem Präsidenten die Freiburger Beschlüsse durchzusetzen, nicht aber den Kongress in unparteilicher, sachlicher und gesetzlicher Weise zu leiten. Nur ein Präsidium, welches das Vertrauen der überwältigenden Mehrheit des Kongresses genoss, konnte Massregeln ergreifen, um jene kleine Schar von kaum einem Dutzend Tumultuanten, welche schon vor Beginn des Kongresses ihre Absicht, die Arbeiten desselben zu stören, kundgegeben hatten, zum Schweigen zu bringen. Ein solches Präsidium hätte von Anfang an diesen Störenfrieden deutlich erklären dürfen, dass man der Gewalt ungezügelter Leidenschaft die Gewalt der Gerechtigkeit entgegensetzen werde. Dann wären die besonnenen Elemente, die sich dem „Block" nicht unterwerfen wollten, in der Lage gewesen, durch parlamentarische Geltendmachung ihrer Wünsche das Prestige des Kongresses zu schützen, und die Minorität hätte es ermöglichen können, die zurzeit rein theoretische prinzipielle Frage einer Siedelung ausserhalb Palästinas für einen geeigneteren Zeitpunkt oder für den nächsten Kongress aufzuschieben. So aber erweckte es für alle, die sich dem „Block" nicht angeschlossen hatten, den Eindruck, als ob sie vergewaltigt werden sollten. Und wenn unter dem Augenzwinkern oder einer leichten Handbewegung des bekannten

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