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Ost und West · 1905-09-01 · Heft 9 (September 1905) · p. Seite 547 - 548

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Journal
Ost und West
Volume
5 (1905)
Issue
Heft 9 (September 1905)
Article
Nach dem Kongress
Date
1905-09-01
Page
Seite 547 - 548 (sequence 5)
Language
German
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547 Dr. Bodenheimer: Nach dem Kongress. 54S sen beidenFechtern stand aber das zionistischeVolk, um dessen Schicksal gekämpft werden sollte. Dieses Volk haüe nie ein anderes Ideal als Zion und seine Wiederaufrichtung auf dem alten geheiligten Boden seiner Väter. Dieses Volk hatte auch seinem Herzl geglaubt, dass Uganda nur ein Weg sein sollte, um rascher zu diesem Ziele zu kommen. Dieses Volk war weder durch das Geschrei, für noch gegen Uganda in seiner klaren Zielsicherheit wankend geworden. Und dieses Volk, wenn es hätte zu Wort kommen können, wäre zwischen die Duellanten getreten, und hätte mit donnerndem Prophetenton ihnen zugerufen: Was kämpft ihr gegeneinander,: Bruder gegen Bruder? Was kehrt ihr . die Waffen gegen die eigene Brust, während .die Feinde wie eine lebendige Mauer euch ümringen und wie gierige Raben auf den Augenblick lauern, wo euer Leichnam ihnen zum Frasse werden würde? Warum schwächt ihr eure Kraft durch Hiebe in die leere Luft, während ihr den Weg bahnen solltet durch Dornenhecken und Felsentrümmer zum Judenland? Dann wäre der Welt das Schauspiel erspart geblieben, dass einige herostratische Gestalten verschiedenster Weltanschauung, von denen es noch fraglich ist, ob sie überhaupt das Recht hatten, sich Zionisten zu nennen, das jüdische Volk kompromittieren konnten, und dass auf dem JahrszeitkongressHerzls die bittersten Gegner seiner Politik die Herrschaft ohne ernsten Widerstand an sich gerissen haben. Dann wäre kein Bruderstreit entstanden, und man würde wissen, dass es im Zionismus keine Partei gibt, die etwas anderes will als Zion unddasjudenl.anci. Noch aberist es Zeit. Inf reier Aussprache muss überall, wo zionistische Gruppen existieren, eine Verständigung erfolgen. Sache der Leiter der Ortsgruppen ist es,Klarheit darüber zu schaffen, dass die Zionisten der gcinzen Welt nichts anderes zu tun haben, als für das Ziel der Bewegung unentwegt weiter zu arbeiten und Mitglieder zu werben, und dass man es der obersten Führung überlassen muss, den Weg zu finden, der zu jenem Ziele führt. Je grösser aber das Vertrauen ist und die Freiheit, welche wir jenen Führern gewähren, um so höher wird man unsere politische Reife schätzen, da jeder vernünftige Politiker einsehen muss, dass man dieselben nicht an Händen und Füssen fesseln darf, wenn sie das Volk die rechte Strasse zur Freiheit führen sollen. Was wir erstreben müssen, das ist die Wiederherstellung des früheren Zustandes, wo die Führungunbeschränkt war in der Wahl ihrer .Mittel, um das zionistische Ziel zu erreichen. Die notwendigen Andeutungen für die Politik der Bewegung sind in dem vom ersten Kongress aufgestellten Programm mit hinreichenderDeutlichkeit enthalten. Einer authentischen Auslegung dieses Programms durch den Kongress bedarf es nicht, wenn man nicht auf diesem Umwege eine Aenderung desselben erzielen will. Es ist unpolitisch, eine Partei auf den Ausschluss eines Mittels ohne Zwang festzulegen. Daher war die Taktik des „Blocks" der Zions-Zionisten überflüssig und schädlich. Die Ausschliessung der Kleinkolonisation war kein Heilmittel gegen diese verfehlte Methode. Man wollte den Teufel durch Beelzebub austreiben. Niemand kann einwandfrei feststellen, wo die Infiltration aufhört und die Kolonisation auf gesetzlicher Grundlage anfängt. Die Ausschliessung eines politischen Mittels kann nicht durch die eines anderen politischen Mittels wieder gut gemacht werden. Die von dem unter der Fraktionsherrschaft tagenden Kongresse aufgestellten Schranken der Politik müssen vom nächsten Kongress wieder beseitigt werden, nicht im Interesse idealistischer Landsucher, sondern im Sinne einer grosszügigen Palästina-Politik, einer Politik im Geiste Herzls. Der siebente Kongress hat der Welt gezeigt, dass das jüdische Volk die Kraft urwüchsiger Leidenschaft besitzt, dass es eine Politik des Herzens verteidigen kann. Möge der achte Kongress den Beweis erbringen, dass er auch die Politik staatsmännischer Einsicht zu würdigen weiss. Der verflossene Kongress stand unter dem Zeichen des System „Trepow", möge der künftige Kongress wieder unter der Devise Marquis Posas kämpfen. Unter dem Zeichen der Freiheit und Selbstzuch. Erst dann ist das Judenvolk reif für seine Wiedergeburt, für seine Autonomie im Judenland.

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