Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1905-07-01 · Heft 7-8 (Juli-August 1905) · p. Seite 465 - 466

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
5 (1905)
Issue
Heft 7-8 (Juli-August 1905)
Article
Die jüdische Auswanderung
Date
1905-07-01
Page
Seite 465 - 466 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2583875-2583931-2583939-2592477--05367-2592528
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

465 Dr. jur. Bernhard Kahn: Die jüdische Auswanderung. II. Die Einwanderungs-Beschränkungen. 466 Auskunfterteilung in Passageangelegenheiten durch den Passage-Inspektor, Herrn Ad. Stellmacher. (Spezialaulnahme für „Ost und "West" von Zander & Labiscli, Berlin.) wenigstens die rohesten Ansätze einer elementaren Schulbildung haben, die dem Kulturniveau des Landes, das die neue Heimat werden soll, entspricht. Man verlangt infolgedessen, dass er wenigstens notdürftig eine europäische Sprache lesen und schreiben kann. Für die jüdische Einwanderung kommt es ganz besonders in Betracht, dass die Anerkennung des „Jargon" als europäische Sprache durchgesetzt wird. Es erscheint ein Unding, denjenigen einen Analphabeten zu nennen, der mit dem Inhalt der heiligen, jüdischen Schriften vertraut ist, der die Bibel, welche allen Völkern heilig ist, im Urtext lesen kann und versteht, und der die Möglichkeit hat, mit sieben bis acht Millionen in Europa lebender Menschen in schriftlichen Gedankenaustausch zu treten. Trotzdem ist die Anerkennung des „Jargons" als einer europäischen Sprache nicht überall durchgedrungen. Die Prüfung, ob jemand lesen oder schreiben kann, wurde vornehmlich von den britischen Kolonien eingeführt, in der Absicht, eine Ueberschwemmung des Arbeitsmarktes durch asiatische (Chinesen) und farbige Einwanderer zu verhindern. Es ist ein Missbrauch, wenn man nun auch jüdische Einwanderer mit demselben Masse misst. Amerika, das ein striktes Verbot der Chinesen-Einwanderung hat, legt zur Zeit noch keinen, entscheidenden Wert auf die Fähigkeit der Einwanderer, lesen und schreiben zu können. Es wird aber lebhaft dafür agitiert, dass die Immigranten auch dieser „Bildungsprüfung" („literary test")unterworfen werden, und es erscheint wahrscheinlich, dass die fortgesetzte Agitation Erfolg haben wird; dann wird es Aufgabe der Juden sein müssen, aufs lebhafteste dagegen zu protestieren, dass der Jargonsprechende und -schreibende als Analphabet behandelt wird. In den Ländern, in denen diese Beschränkung durchgeführt ist, herrscht keine Einheit darüber, wie man sich zu dieser Frage stellen soll. In Südafrika wurde bisher Jargon als europäische Sprache behandelt. Leider hat neuerdings eine anderweitige Praxis die Oberhand gewonnen. Da als Haupteinwanderungsland Amerika in Betracht kommt, so sollen hier noch manche Einzelheiten hervorgehoben werden, die bisher noch nicht mitgeteilt sind. Es ist ein Irrtum, der viel verbreitet ist, dass jeder unterstützte Einwanderer in Amerika zurückgewiesen wird. Das ist keineswegs der Fall, sonst müssten ja auch alle diejenigen zurückgewiesen werden, die von ihren Verwandten und Freunden Schiffskarten geschickt erhalten — sie sind ja unterstützte Einwanderer —, und doch gehören zu dieser Klasse Eine jüdische Familie erscheint vor dem Verwalter der Auswandererhalle in Hamburg, Herrn Giese, und erbittet Auskunft. (Fpezia'.aufnahme für „Ost und West" von Zander & Labisch, Berlin.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.