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Ost und West · 1905-07-01 · Heft 7-8 (Juli-August 1905) · p. Seite 461 - 462

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Journal
Ost und West
Volume
5 (1905)
Issue
Heft 7-8 (Juli-August 1905)
Article
Die jüdische Auswanderung
Date
1905-07-01
Page
Seite 461 - 462 (sequence 3)
Language
German
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461 Dr. jur. Bernhard Kahn: Die jüdische Auswanderung. I. Allgemeine Uebersiclit. 462 Synagoge in den Auswanderungshallen der Hamburg-Amerika-Linie in Hamburg. (Spezialaufnabme für „Ost und West" von Zander & Labisch, Berlin.) Wortes an sich erfahren haben; statt des Glückes, Dach dem sie auszogen, finden sie das alte Elend am neuen Ort. Viele wandern gar vom Elend ins Verderben. Aber so schlecht die Verbältnisse in den Haupteinwanderungs - Zentren, wie New York und London, auch sein mögen, den Meisten gelingt es doch mit der Zeit, sich emporzuraffen. In den jüdischen Auswanderermassen steckt nun einmal ein gewaltiger Auftrieb. Das Bestreben, sich und seine Familie den Fangarmen des Pauperismus zu entziehen, ist auch für den Juden der Hauptgrund zur Auswanderung. Allerdings soll nicht verkannt werden, dass politische und soziale Unterdrückungen und Pöbelhetzen den Boden für Not und Elend vorbereiten. Viele verlassen ihre alte Heimat, weil die ständige Bedrohung und Unsicherheit ihres Lebens und ihres Eigentums ihnen unerträglich wird. Neben allen diesen Gründen gibt es ein ideelles Interesse, das bei der Auswanderung nicht zu gering angeschlagen werden darf. Es ist gewiss kein Zufall, dass die grosse Wanderung zusammenfällt mit der Periode des Erwachens eines starken, jüdischen Lebens, und mit den Bestrebungen, für die neuerwachten Bedürfnisse des geistigen Lebens im Judentum, deren Befriedigung unter den jetzigen Verhältnissen nicht möglich ist, wieder die räumliche Unterlage herzustellen. II. DIE EINWANDERUNGS-BESCHRÄNKUNGEN. Castle-garden, oder wie es im Jargon genannt wird „Kesselgarten", ist für den jüdischen Auswanderer ein Schreckwort. Es ist der Name des ehemaligen New Yorker Einwandererdepots. Als im Jahre 1882 die amerikanische Bundesregierung dazu schritt, die Einwanderer nicht mehr ungehemmt einströmen zu lassen, sondern die Immigration gewissen Beschränkungen unterwarf, wurde dort jeder Ankömmling, bevor er zur Landung zugelassen wurde, genau untersucht, ob er den gesetzlichen Anforderungen entspreche. Wie schwer die Furcht einer Zurückweisung von jenen Gestaden, an denen sie Brot und Freiheit suchten, auf den Gemütern der jüdischen Auswanderer lastete, lässt sich daraus ersehen, dass sie den Namen „Ivesselgarten" noch heute nicht vergessen können, obwohl schon seit dem Jahre 1892 die Einwandererstation nach der Insel Ellis Island

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