Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 5 (1905)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1905)
- Article
- Praktische Lebensweisheit im jüdischen Sprichworte
- Date
- 1905-06-01
- Page
- Seite 425 - 426 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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425 B. Hirsch: Praktische Lebensweisheit im jüdischen Sprichworte. 426 In die Augen kann man hineinschauen, aber nicht ins Herz. Selber sich zu loben schadet nicht. Scherzhaft. passt nicht — aber es Erbrechen und Besprechen ist ein wohlfeiles Heilmittel. Wo keine Worte helfen, greift man zu den Ruten. * * * Der Blinde glaubt gern, wenn man ihm versichert, er habe eine schöne Frau. * ... * Der Blinde hat einen leichten Tod —man braucht ihm die Augen nicht zu schJiessen. Ein Blinder hört gern allerlei Wunder (Wundergeschichten). Wenn der Taube eine Knarre hört, spricht er den Segen über den Donner. Es ist ein besonderer Segen vorgeschrieben, den manbeim Vernehmen des ersten Donners im Sommer spricht. * * * Ein Stecken in der Hand hilft mehr, wie die Zunge im Munde. * * * . Der Verschwiegenste ist der — Magen. * * * Ein (böses) Wort ist schlimmer als eine Ohrfeige. * * JACOB ROUCHOMOVSKI. Aufstand der Makkabäer Das Aug' ist so klein — und sieht die ganze Welt. * * * Dass deine Ohren hören, was dein Mund spricht! * * * Der Schuster spricht vom Leisten, der Bäcker spricht von der Schippe. * * * Die Hausfrauen beklatschen ihre Mägde im Salon, die Mägde ihre Hausfrauen in der Küche. * * * Wenn die Mägde sich zanken, erfahren die Hausfrauen von den Diebstählen. Verläumdung ist das schlimmste Laster. Was ein Kind spricht — das hört sichimmer gescheit an. Der Hals ist keine .iFiedel. Man kann nicht aus ihm jegliche beliebige Melodie herausbekommen. Geschwie- PARIS. gen zu haDerj hat noch keiner bereut. Wenn die Hunde bellen, muss man immer hinausgehen und nachsehen. * * * Hunde muss man bellen lassen. * * * Der Hund bellt — und der Herr fährt seinen Weg. Wenn die Leute lachen und über was zu lachen. Ein Wort gleicht einem Pfeil g osse Eil. so haben sie über wen einen Brief kann beide haben Einen Brief kann man lesen man singen. Je nach der Stimmung, in der man ihn liest, so lautet er.