Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1905-06-01 · Heft 6 (Juni 1905) · p. Seite 397 - 398

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
5 (1905)
Issue
Heft 6 (Juni 1905)
Article
Richard Wagner und Felix Mendelssohn-Bartholdy
Date
1905-06-01
Page
Seite 397 - 398 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2583875-2583931-2583938-2592328--05276-2592411
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

397 Eduard Levy: Richard Wagner und Felix Mendelssohn-Bartholdy. 398 keit mit ihrem Sturmeshauch hinweggefegt, erquickende Wasserfluten ergossen über versandete, unfruchtbar brach gelegene und verödete Strecken, aber wie viel reiches, blühendes Leben haben sie auch vernichtet' wie viele duftige Blumen geknickt, wie viele zarte Knospen vor ihrer Blüteentfaltung gebrochen, wie viel erwärmende Lenzes- und Sommerpracht auf lange Zeiten hinaus zerstört! Und ein solches, nunmehr schon während der Dauer von Jahrzehnten durch die riesenhafte Kraft eines Richard Wagner vernichtetes blühendes Leben bedeutet das künstlerische Schaffen Mendelssohns. Nicht nur, dass Richard Wagner mit der ihm oft zu eigen gewesenen gehässigen Aufwallung seines Temperamentes sich in Wort und Schrift als der erbittertste Gegner der künstlerischen Persönlichkeit Mendelssohns zeigt, so sind alle seine Wrerke in ihrer bewussten Konzeption, in ihrer in den kleinsten Details durch Anspannung seines hervorragend scharten, auf Wirkung bedachten Intellektes hervorgebrachten Aust führung der flammendste Protest gegen das völlig naive, rein sinnlich tonselige, nur aus musikalischen Instinkten heraus schaffende Gemüt Mendelssohns. Aber Wagner war von der Natur mit grösserer Kraft, mit grösserer Intensität des Ausdrucksvermögens, mit glühenderer Impulsivität des Empfindens bedacht worden, als sein grosser Zeitgenosse, und so musste er der Dämon werden, der die künstlerische Existenz des nur um vier Jahre älteren Meisters auf lange Zeit hinaus fast völlig vernichtete. Noch leben zwar eine Anzahl der Werke Mendelssohns; aber sie fristen nur ein ziemlich kümmerliches Schein-Dasein, ohne eine wahrhafte, tiefere Wirkung auszuüben. Seine grossen Oratorien Elias und Paulus sind fast ausschliesslich in '\- j . i'.. \ '> ', •';!''•:jv * & ' . -' ' *; ' 9 1 >*\ /-. '..» * V\ . ■■■ V v w i/^-X \ . - \ ■ X : \v ,. - •; ii ■:- > /-'•': •' r \ V X> ' ' V ■ \ >* ' \,. ■ <) '..V-. -v . .•: - *-;■'.■:• "~: ' .V^Ki:-;\ 'Kz "">'' \ . > l-: \^ V - % Nt- . > ■ 3 - ■ v ■': ' %X x ■-, •< ' ® ■ VVv. ■ : : :}'. ■ . SW' }i,f;':i ■. «** -.. \- '. "y'\ v'i- LABlSCtt ISRAEL1ROUCHOMOVSKL Ruhm die kleinsten Provinzgesangvereine verbannt; von seinen Orchester-Wrerken finden wir höchst selten einmal seine A-moll-Symphonie, die schottische genannt, die „Hebriden"-Ouvertüre oder „Meeresstille und glückliche Fahrt" auf den Programmen grösserer Konzerte; sein Violin-Konzert behauptet sich höchstens noch als Paradestück für schnell spielende Virtuosen oder den ersten Anfängen der ausübenden Kunst sich entwachsen dünkende Dilettanten; seine Lieder, seine Klaviermusik, seine kleineren gemischten Chorgesänge genügen anscheinend nicht einmal mehr den Geistes¬ und Gemütsanforderungen der nur die Hausmusik in besserer Weise pflegenden Kreise. Aber wo sind die Generationen, die Schichten kunstsinniger Menschen, in denen die Reinheit der Gesinnung, die feineV ornehmheitdes Fuhlens, die gesunde, natürliche und doch warme, innige Anschauung von Natur und Mensch dieses grossen Künstlers noch laut tönenden Widerhall fände? Der Name Mendelssohn ist in unserer Zeit fast eine vernichtende Kritik geworden für alle diejenigen, die den Kultus hochtönender Worte, hochtrabender, überspannter, ungesunder und unwahrer Empfindungsweise nicht mithegen wollen und können, und die, die sich berufene Beurteiler dünken über die höchsten Funktionen des menschlichen Geistes und Herzens, decken das, was an Unechtheit, Oberflächlichkeit und Gedankenleere minderwertigen Geistern entspringt, in den Schlagworten: „süssliche Sentimentalität, Trivialität, formale, inhaltslose Glätte" mit dem künstlerischen Wirken Mendelssohns. Müsste nicht jedoch der um einen wahrhaftigen Blick bemühte, in die psychologischen Tiefen dringen wollende ästhetische Kritiker zu der Erkenntnis gelangen, dass einmal die zerstörende Wirkung, die Wagners Schaffen auf \ r .A V -•• :l j :: /• '; ' . ''\ v , \ . r. - - - ■ .-. „ - XX'. / * \ /r .v \> / '\ "' ".if. ' '* \ - ' * x rr ' ^:% " * \;. ^vT- < ' ' .. " : ~\ V^' ' vv ' ■• ■-. S"' V"-<^^v- V .\ . A.l ----- 0 '' . ' ■ LABISCH Des Saitapharne3 und PARIS. Ende.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.