Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 5 (1905)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1905)
- Article
- Maimonides
- Date
- 1905-06-01
- Page
- Seite 383 - 384 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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383 Dr. F. Perles: Maimonides. 384 ISRAEL ROUCHOMOVSKI. gehen. In diese Zeit fällt auch seine, als Leibarzt für Al-Afdhal, den Sohn und zweiten Nachfolger Saladins, ausgearbeitete Hygiene, in der er dem Sultan, der früher ein wüstes Genussleben geführt hatte, in rühmenswerter Offenheit eine sittliche' Lebensführung und geistige Tätigkeit als notwendige Vorbedingungen für die Erhaltung der Gesundheit bezeichnete. Seine sonstigen medizinischen Schriften sind streng wissenschaftlich und sind von dem bedeutendsten Kenner derselben, Prof. Steinschneider, auf Anregung Virchows in dessen Archiv für pathologische Anatomie teils bearbeitet, teils übersetzt worden. Nach dem Urteil von Prof. Pagel auf der letzten Versammlung deutscher Naturforscher, zeigt sich in derselben Maimonides als der erste Kritiker auf medizinischem Gebiet im ganzen Mittelalter. Welchen Ruf als Arzt er schon bei Lebzeiten genoss, zeigt sich in noch vorhandenen Urteilen arabischer Gelehrter, und vor allem in der Tatsache, dass Richard Löwenherz, der König von England, ihn als Leibarzt an seinen Hof ziehen wollte, welchen Ruf er indessen abgelehnt hat. Maimonides starb am 20. Tebet 13. Dezember 1204 im 70. Lebensjahre, von Juden und Mohammedanern gleich betrauert. Seine sterblichen Ueberreste wurden nach Tiberias über- Rhyton. ISRAEL ROUCHOMOVSKI. Vorderseite des 1. Blattes. „Schaddaj". führt und in Jerusalem eine ausserordentliche Leichenfeier um ihn gehalten. Aber nur wenige Juden ahnten damals, dass der Name des grossen Toten länger als ein Jahrhundert das Losungswort eines wahren Kulturkampfs werden sollte, wie ihn das Judentum in dieser Erbitterung und langen Dauer weder früher noch später erlebt hat. Durch die hebräischen Uebersetzungen des Samuel ibn Tibbon und des Dichters Al-Charisi wurde der More Nebuchim, der Führer der Verirrten, bald zu den Juden aller Länder getragen und entzündete auf der einen Seite einen wahren Taumel der Begeisterung, auf der anderen Seite einen geradezu panischen Schrecken. Die denkfähigen und gebildeten Juden erkannten, dass die Ideen des Judentums noch niemals so rein dargestellt und so tief aufgefasst worden seien, dass Wissenschaft und Philosophie von nun an im Judentum immer Bürgerrecht behalten würden. Die starren Anhänger der Tradition dagegen erblickten in dem Werke die gefährlichste Ketzerei und begnügten sich nicht mit der literarischen Bekämpfung des Werkes, sondern entlehnten von den ihnen geistesverwandten christlichen Eiferern die schlimmsten Warfen des Fanatismus: sie sprachen einen Bann aus gegen alle Anhänger der maimonidischen Lehren und schämten sich nicht, die ärgsten Feinde des Judentums, die Dominikaner, zu Bundesgenossen zu nehmen und bei ihnen zu erwirken, dass die Schriften des Maimonides in Paris öffentlich ver- PARIS. Vorderseite des 3. Blattes.