Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 5 (1905)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1905)
- Article
- Maimonides
- Date
- 1905-06-01
- Page
- Seite 381 - 382 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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381 Dr. F. Perles: Maimonides. 382 ISRAEL ROÜCHOMOVSKr. Szene aus der Tiara des Saitapharn zu bereiten, da das Volk ganz ohne Opfer aut der damaligen Stufe noch nicht imstande gewesen wäre, Gott zu verehren. Maimonides zeigt in diesem Abschnitt eine erstaunliche Kenntnis der heidnischen Religionen und des heidnischen Aberglaubens, die ihm aus den ins xVrabische übersetzten Schriften der Ssabier zugeflossen ist. Andere Gebote wieder hätten den Zweck, unsern Sinn auf höhere Gedanken zu lenken, oder gewisse Lehren uns besonders eindringlich einzuschärfen. Andere sollten uns wieder nur zu gewissen Tugenden, wie zur Enthaltsamkeit, Wohltätigkeit und Hilfsbereitschaft gegen Mensch und Tier erziehen, andere wiederum unsere Gesundheit fördern. Speziell die Speisegesetze erklärt er ganz vom hygienischen Standpunkte aus. Den Schluss des Werkes bildet ein Abriss der Ethik, der auch seine stark angreifbare Theorie von der Vorsehung enthält. Die Vorsehung Gottes walte über jedem Menschen nach Massgabe seiner geistigen Vollkommenheit. Wer im reinen Aether der Gottesnähe sich bewege, seine Gedanken ganz auf die Erkenntnis Gottes konzentriere und gleichsam in einer ewigen Andachtsstimmung lebe, könne von keinem Missgeschick heimgesucht werden. Die sittlichen Anforderungen, die an den Menschen zu stellen sind, ergeben sich aus der Erkenntnis Gottes und gipfeln in dem Bestreben, Recht und Liebe zu üben, wie es schon der Prophet als die Grundforderung der Religion hingestellt hat. Das Werk klingt in die Hoffnung aus, dass in absehbarer Zeit alle Juden sich zur Höhe dieser Erkenntnis emporringen würden, und schliesst mit einem Worte aus Jesajas: „Das PARIS. Volk, das im Dunkeln wandelt, schaut ein grosses Licht. Ueber denen, die im Lande der Düsternis woh* nen, erstrahlt das Licht." Maimonides war viel zu bescheiden, um zu ahnen, dass er selbst durch sein Werk diese Prophezeiung zur Wahrheit gemacht habe. Er wurde dadurch nicht nur der „Führer der Irrenden," d. h. er gewann dadurch nicht nur die durch ihre philosophische Bildung der Religion Entfremdeten wieder lür das Judentum, sondern er wurde auch der „Erleuchtet' der Blinden", der den damals noch zahlreichen Verächtern von Vernunft und Wissenschaft die Berechtigung, ja Notwendigkeit der Philosophie in der Religion und s* neben der Religion aufzeigte, und so dem mittelalterlichen blinden Autoritätsglauben einen Stoss versetzte, dessen Wirkung sich selbst die Finsterlinge nicht ganz entziehen konnten. Es war daher nur natürlich, dass das Werk gleich einem wohltuenden Gewitter wirkte und die schwüle Atmosphäre, die niederdrückend auf dem ganzen Geistesleben lag, für lange Zeit reinigte. Doch begann.diese tiefe Einwirkung auf das ganze Judentum nicht mehr bei seinen Lebzeiten. Das Werk war nämlich, wie schon hervorgehoben, in arabischer Sprache verfasst, also einem grossen Teil der damaligen Judenheit unzugänglich. Es ist nun kulturhistorisch von grosser Bedeutung, dass erst durch die Uebersetzung des Werkes ins Hebräische sein eigentlicher Siegeszug durch das Judentum begann. Schon neun Jahre nach dem Erscheinen des Originals, also 1199, wandte sich Samuel ibn Tibbon aus Lunel an Maimonides und äusserte die Absicht, das Werk ins Plebräische zu übersetzen. Maimonides war hoch erfreut darüber, gab dem Uebersetzer verschiedene Winke und sah auch noch den ersten Teil der Uebersetzung vollendet. Die Fertigstellung des Ganzen erfolgte aber erst wenige Wochen vor seinem Tode 1204, so dass er nicht mehr die Freude hatte, das Werk in der Form vollendet vor sich zu sehen, in der es seinen Namen unsterblich machen sollte. Die letzten Lebensjahre des Meisters waren durch Krankheit, Zeichen des zunehmenden Alters, sowie durch verschiedene Anfeindungen getrübt, und er war daher nicht in der Lage, neben seiner angestrengten ärztlichen Tätigkeit noch an grössere wissenschaitliche Arbeiten zu