Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 5 (1905)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1905)
- Article
- Schiller in hebräischem Gewande
- Date
- 1905-05-01
- Page
- Seite 307 - 308 (sequence 5)
- Language
- German
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307 B. Saphra: Schiller, in hebräischem Gewände. 30S Wilhelm Teil, von David Radner, die eingestreuten Gedichte von Israel Frankel, Wilna, 1878, zweite Stereotypausgabe 1882. Macbeth, von Isaak Barb, Drohob3^cz, 1883. Turandot (erster Aufzug), von Josua Atlas, Przemysl, 1879. Eine Uebersetzung der Jungfrau von Orleans soll vor nicht langer Zeil erschienen sein, doch konnte ich ihrer nicht habhaft werden. Eine prachtvolle Uebersetzung der Kapuzinerpredigt ans Wallensteins Lager veröffentlichte M. A. Klausner, Berlin 1898, aus dem Nachlass seines Vaters B. W. Klausner; die Uebersetzung stammt aus dem Jahre 1857. Von den Prosaischen Schriften sind meines Wissens nur folgende übersetzt worden: Philosophische Briefe, von Dr. Salomon Rubin, Lemberg, 1851. Der Spaziergang unter den Linden, von Kaiman Schulmann, Wilna, 1847, zweite Stereotypausgabe 1864. Die Sendung Moses wurde — man staune! — ebenfalls ins Hebräische übersetzt, und zwar zweimal, nämlich von Eliahu Lewin, Wilna 1866 und von Me'ir Stockm ann, Lemberg 1878. Beide Uebersetzungen sind übrigens mit ausführlichen, ebenso gut geschriebenen wie naiven Kommentaren versehen, die sich alle redliche Mühe geben, Schiller zu widerlegen, beinahe möchte man sagen, Schiller selber, so viele Jahrzehnte nach seinem Tode, von der Grundlosigkeit seiner abfälligen Urteile über das jüdische Volk und der Irrigkeit seiner Lehren über die Offenbarung zu überzeugen. Diese ziemlich unbedeutende Abhandlung Schillers, die den Rationalismus seiner Zeit widerspiegelt, aber manchen -psychologischen Tief blick enthält, wurde von den beiden Uebersetzern furchtbar ernst genommen. Hätte irgend ein König, ein Minister oder ein Professor so etwas gesagt, man brauchte sich nicht viel daraus zu machen, aber aus dem Munde des vielgeliebten Schiller. unseres Schiller" solches zu hören, das tat in der Seele weh! Was die Juden des Ostens so mächtig zu Schiller hinzog und ihn ihnen so lieb und teuer machte, war, abgesehen von der Zeitstimmung — der Sehnsucht nach Freiheit und Gleichheit — von der sie in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts beherrscht waren, und der Schiller einen so grandiosen Ausdruck verlieh, noch etwas ungleich Tieferes und Dauerhafteres. Es war Schillers warme und echte Religiosität, die, frei von allen beengenden Schranken, die ganze Menschheit umspannte. Es war ferner die herbe Reinheit und Keuschheit seiner Gesinnung, bei aller Glut der Liebesempfindung, die den Lesern aus seinen Gedichten und Dramen entgegenweht. Es war sein sonniger Optimismus, der der Zuversicht entquoll, dass der endliche Sieg in der Welt dem Göttlichen und Guten gehört. Es war schliesslich das Zwiefache und scheinbar Gegensätzliche in Schillers Wesen: er, der nationalste . unter den grössten deutschen Dichtern, war zugleich so universell. Er verstand und liebte die Menschen so vieler Zeiten und Völker und Gott gab ihm, zu sagen, was sie litten. Schiller machte den Juden keine Komplimente, er kannte sie nicht und schilderte. sie nicht. Er bestach sie auch nicht etwa durch Anklänge an die Bibel, die man z. B. bei Goethe so häufig antrifft. Gleichwohl fühlten. sie, dass in ihm ein Geist lebte, der in seinen tiefsten Tiefen den Geistern aus der Mitte ihres eigenen Volkes verwandt war, die sie von der Urzeit her verehrten. Darum liebten sie so innig und herzlich „das schönste Herz, das in Deutschland gelebt und gelitten". Viel später als Schiller wurde Les sing ins Hebräische übertragen. Die Juden, übersetzt Z. E. Teller, erschienen in Wien .1881, Miss Sara Sampson, von einem Anonymus übersetzt, Warschau 1887, Der Freigeist von Dan Kohen, Przemysl 1886, Philotas von Isaak Flakowicz, Odessa 1868, Nathan der Weise von Simon Bacher, Wien 1866, und ungleich schöner von Abraham Ber Gottlober, 1874. Eine Studie über die Quellen des Nathan schrieb in hebräischer Sprache der rühmlichst bekannte Orientalist Prof. Dr. David Heinrich Müller in Wien, 1873. Goethe ist in der hebräischen Literatur bis auf die neueste Zeit viel weniger zu Worte gekommen. Ausser der . oben erwähnten Faust- Uebersetzung von Letteris, die viel bewundert und viel getadelt wurde, besitzen wir noch eine wunderschöne Uebersetzung von Hermann und Dorothea, von Mordechaj Rothenberg, Warschau 1857. Mignon wurde von A. Ehrenthal 1846 nachgebildet, den Sänger übersetzte Jakob N. Low 1863. . Schäfers Klagelied wurde von Chajim . Ginz.berg 1825 übersetzt. Eine sehr schöne Uebersetzung des Prometheus lieferte J. L. Landau, Krakau 1895; der Erl-