Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 5 (1905)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1905)
- Article
- Schiller in hebräischem Gewande
- Date
- 1905-05-01
- Page
- Seite 309 - 310 (sequence 6)
- Language
- German
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309 B. Saphva: Schiller in hebräischem Gewände. 310 könig wurde meisterhaft von Lebensohn dem Jüngern, Wilna, noch in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts übersetzt; neuerdings übertrug der hochbegabte Lyriker Saul Czernichowski „Ueber allen Gipfeln" ins Hebräische. Alles in allem sehr wenig. Kein Wunder. „Goethereif" waren ja von jeher nur die wenigsten. Zu diesen wenigsten gehörte der Oberrabbiner von Solidew in Galizien, Hirsch Chajoth, eine der ersten talmudischen Koryphäen des 19. Jahrhunderts, von dem man erzählt, dass er an einem Sabbathmorgen im Jahre 1832 tief betrübt in die Synagoge kam, und mit dem Anfang des Gottesdienstes ungebührlich zögerte, da man ja nur in fröhlicher und gehobener Stimmung beten darf. Als man ihn befragte, was die Ursache seines Kummers wäre, antwortete er seufzend, er habe soeben einen Brief erhalten, der ihm berichte, Goethe sei gestorben. „Ach, Rabbi Goethe ist gestorben!" ging es alsbald von Mund zu Mund in der Versammlung. „Rabbi Goethe ist gestorben!" Und man sprach die beim Vernehmen einer Trauerkunde vorgeschriebene Benediktion. Wenn ihr Oberhaupt um Goethe trauerte, musste es mindestens Rabbi Goethe sein. Doch war er, wie gesagt, in Wirklichkeit nur der Rabbi der allerwenigsten. Schiller dagegen wird das ganze jüdische Volk als einen seiner Erzieher zur Kultur, als einen seiner ALPHONS LEW. PARIS. Blinder in einer Synagoge zu Algier. grössten Wohltäter stets mit dankbarer Verehrung nennen.1) CERVANTES GEGEN Von Dr. i Cervantes gibt im Prolog seines „Don Quixote" als dessen Hauptzweck an, das Ansehen zu stürzen, in dem die Ritterbücher bei der Welt und dem grossen Haufen stehen, und lange Zeit haben die Literarhistoriker daran geglaubt, einer hat es dem anderen nachgeschrieben, dass Cervantes die Ritterromane bekämpft und sie auch vollständig besiegt und totgemacht habe. In der Tat waren sie aber schon dem Tode nahe, als sein Roman erschien. Ein halbes Jahrhundert vorher hatte die Verdrängung des falschen Idealismus der Ritterromane durch die realistischen Pikaronovellen begonnen, und drei Jahre vor dem Quixote war der letzte Ritterroman, in Spanien erschienen. Es ist hier nicht der Ort, dies weiter auszuführen und zu beweisen. Der Weltruhm des )EN ANTISEMITISMUS. '. Landau. Don Quixote, seine Lebensfrische und Rüstigkeit bei seinem dreihundertsten Geburtstage beweisen, dass er viel mehr als eine Literatursatire ist. In der Tat haben denn auch manche Forscher andere Tendenzen in ihm gesucht und zu finden geglaubt. Und wenn Wieland sagte, die Anstellung eines Professors, um Vorlesungen über den Don Quixote zu halten, wäre der Jugend und dem gemeinen Wesen nützlicher, als die eines Professors des Aristotelischen Organon. so J) Zur Zentenarfeier von Puschkins Geburtstag gaben die russischen Juden eine Auswahl seiner Gedichte in hebräischer Uebersetzung heraus. Und doch hat Puschkin auf die Juden nicht den geringsten Einiluss geübt. Eine Pflicht der Dankbarkeit wäre es, wenn die deutschen Juden die besten der vorhandenen hebräischen [Jebcrsetzungcn Schillerscher Gedichte sammeln und herausgeben Hessen.