Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1905-04-01 · Heft 4 (April 1905) · p. Seite 237 - 238

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
5 (1905)
Issue
Heft 4 (April 1905)
Article
Eugen Spiro
Date
1905-04-01
Page
Seite 237 - 238 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2583875-2583931-2583936-2592035--05039-2592119
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

237 Georg Hermann: Eugen Spiro. 238 EUGEN SPIRO. BERLIN. Die Tänzerin. (Titelblatt der Jugend.) dunkel, und zu jenen goldschimmernden Altrosa und Mattblau, das zu feinen Akkorden zusammengefügt wird. Die Malerei wird breit, summarisch, feminin und glanzlos, sehr vornehm, aber etwas schwächlich; man greift auf die staubige Temperatechnik zurück, die stumpfer, dämmriger und doch schärfer in der Zeichnung ist, die wie ein eingeschlagenes Gelbild wirkt. Und zugleich kommen all jene neuen Schönheitsträume, von denen ich sprach; — die Frau, die dem Maler immer im Mittelpunkt aller Schönheit steht — zugleich kommen sie, wer weiss woher, in die Welt geweht. Ich möchte das als Jugendstimmung bezeichnen. Aber mit den Jahren heben sich dann die silbernen Nebel und die Sonnenstimmung Manets, das singende, siegende Sonnenlicht und mit ihm eine Fülle neuer aparter Töne, ein neuer Geschmack hält Einzug, und die breiten dekorativen Flächen lockern sich etwas. An Stelle der Kalligraphie tritt die Handschrift, an Stelle der Ruhe das Gelöste, Zitternde und Lichtumflossene. Und das ist der letzte Weg. Aber gehört diese Entwicklung nicht Spiro allein, gehört sie einem ganzen Dezennium an, so will ich jetzt von dem sprechen, was Spiro allein hat. Das ist zuerst einmal Geschmack, viel Geschmack — manchmal ein fast femininer Geschmack. Und dann grosse Frische, Sinn für das Momentane einer Bewegung, eines Blicks. Ich halte ihn heute für einen unserer feinsten Schilderer des Rätsel wesens: Weib. Es ist bei ihm nie der Kleiderstock wie bei Heillmann, es ist immer etwas Tieferes bei ihm, immer ist ein Blick um die Augen, ein Zug um den Mund gefangen, den kaum jemand vor ihm gleich zur Deutlichkeit brachte — und so vereint dieses mondäne und scheinbar nur mondäne' Talent mit seiner äussersten und letzten Eleganz, die er liebt, ein seelisches Moment. Und dann versteht Spiro wie kaum einer heute ein Bild zu komponieren, einen Kopf in den Raum zu setzen, einen Ausschnitt zu schaffen. Man sehe sich daraufhin den Windstoss an, wie im Bildformat Hell und Dunkel abgewogen sind, wie die beiden Arme Bewegung und Gegenbewegung bieten, wie der Begriff der Schlankheit durch das Format des Bildes und den niederen Horizont unterstützt wird. Oder man sehe sich noch besser seine Titelblätter der I Jugend an, jene Mädchenköpfe, die niemand wieder vergisst, der sie einmal gesehen: die beiden, mit den braunrötlichen Haaren die eine, mit der Strohschute und dem vollen Gesicht, mehr weiblich als mädchenhaft, die jene verträumte Milde atmet, von der ich sprach, und die andere, bei der man an Tennis und Reitbahn denkt. — Wie stehen diese Köpfe im Raum, mit welchem Geschmack, mit welcher unerhörten Frische sind sie in den paar lichten Farben auf dem Grund eines abendlichen Blaus heruntergestrichen unter dem EUGEN SPIRO. BERLIN. Dame im Hut. (Titelblatt der Jugend.)

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.