Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 5 (1905)
- Issue
- Heft 4 (April 1905)
- Article
- Eugen Spiro
- Date
- 1905-04-01
- Page
- Seite 235 - 236 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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235 Georg Hermann; Eugen Spiro. 236 dem kunstfremdea Breslau, kommt nicht früh und gegen den Willen der Eltern zur Malerei, steht von vornherein auf eigenen Füssen und macht jede Arbeit, die ihm in den Weg kommt. Unter den Lehrern hat er das Glück Professor Albrecht Breuer zu haben, einen Künstler, dessen Wirken man nicht an seinen Werken, aber an seinen Früchten, seinen Schülern, erkennt, unter denen heute erste Namen sein Erbe verwalten. Spiro bekommt Staatsstipendien — was als Jude etwas bedeuten will —, stellt schon mit zweiundzwanzig Jahren aus, denn er hat von Breuer das Beste gelernt, was ein Maler lernen kann. Geschlossenheit des Aufbaues, abgerundete Bildwirkung und den Blick für das Summarische einer Form, eines Ausdrucks. Von Breslau kommt er nach München und hier wird ihm wieder das Glück, ein Schüler Stucks zu werden. Das, was er bei Bräuer gelernt, vertieft sich da noch, und es kommt noch das eine, die Farbe, vorerst die Liebe für prächt:ge, tiefe, seltene altmeisterliche Töne hinzu. Seine Bilder aus der Zeit haben so eine schöne farbige Oberhaut, und die künstliche Patina der Jahrhunderte ist mit eingeschmolzen; sie entwickeln sich aus dem Dunkel: und Hell zu Dunkel steht wie ein Fünftel zu vier Fünftel in ihnen. Was Spiro damals bevorzugt, ist ebenso eine Art beaule du diable, die Lenbach erfand, und die von Stuck und Samberger manchmal bis ins Groteske gesteigert wurde. Aber er lernt auch von jenem die starke und sichere Einfachheit der Zeichnung, das Stilisieren aus der Natur heraus,, er lernt von Stuck auch den Reiz, des Torsos, den Reiz eines Kopfes, der, mit starken Linien gezeichnet, auf der ringsum kahlen Pappe steht, das Hineinsetzen, das Ausrunden eines Vorwurfs. Ich EUGEN SPIRO. -> BERLIN. Richard Muther. EUGEN SPIRO. BERLIN. Schäferin. halte ihn für einen gelehrigen Schüler, ja für den gelehrigsten, der zu denken ist. Ich glaube, dass seine Geschicklichkeit und die Schnelligkeit des sich Einfindens fast beispiellos ist, ebenso wie ich der Meinung bin, dass Spiro fast mit der heute so seltenen Sicherheit eines Barockmeisters arbeitet. Ein neues Stipendium führt ihn nach Italien, und hier kopiert er sehr viel und mit Verständnis, lernt alte Meister der Glanzzeit der Venetianer schnell verstehen und dringt in ihren Geist ein. Und von nun an vollzieht sich langsam ein Umschwung zum Licht, zur Farbe, zu immer dekorativeren Wirkungen. Ein Umschwung, der in der Zeit lag. Auf Umwegen kommt zu Ende der neunziger Jahre die Tradition des Velasquez nach München, man beginnt auf Silhouette zu achten, beginnt auf Silbergrau seine Palette zu stimmen, mit breiten durchsichtigen Farbenflächen; man stellt die Menschen näher zum Bildrand, zur Bildfläche als vordem, die Landschaft kommt wieder in das Bildnis, und zwar steht der Mensch nicht, in ihr, sondern vor ihr, die summarisch in grossen Farbenflächen und grossen Linien, wie bei den Englädern des 18. Jahrhunderts stilisiert ist.. Zugleich bekommt auf den Bildnissen wieder der Innenraum die Traulichkeit, die Heimstimmung, ein Wort zu sprechen, denn er eignet sich mehr als die weite Natur zu den. grauen, lichtdurchsiebten Tönen, zu dem silbrigen Hell-