Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1905-04-01 · Heft 4 (April 1905) · p. Seite 229 - 230

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
5 (1905)
Issue
Heft 4 (April 1905)
Article
Die Lebensanschauung des Idealismus
Date
1905-04-01
Page
Seite 229 - 230 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2583875-2583931-2583936-2592031--05027-2592115
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

229 B. Wolff: Die Lebensanschauung des Idealismus. 230 Schmerzen des Daseins, verbunden mit dem unverzagten, rastlosen Kampf wider das Schicksal, und der unermüdlichen Arbeit am Fortschritt der Zivilisation. Zur Tapferkeit gesellt sich die Treue, um dem "Willen Stetigkeit und nie erlahmende Ausdauer im Streben nach dem Guten zu verleihen — Treue gegenüber dem Freunde, der Gattin, dem Staat. Das Kapitel über die Ehe und die Analyse der Liebe gehört wohl zu dem Bedeutendsten und Glänzendsten, das über dies ewige Thema geschrieben worden ist. Cohen tritt, gerade im Interesse '* der Gattentreue, gegen die rechtliche Unauflösbarkeit der Ehe auf, wie sie das Christentum fordert. Die höchste derTugendender Ehre ist die Gerechtigkeit. Sie ist die eigentliche Tugend des Staates, als des obersten Trägers der Sittlichkeit. „Nur die Gerechtigkeit ist das Fundament der Staaten, sie kann durch keine andere Tugend ersetzt werden, geschweige durch einen anderen Affekt. Alle Tugenden gipfeln in ihr, alle rüsten für sie. Die Wahrhaftigkeit und die Tapferkeit vereinigen sich in ihr. Und die Bescheidenheit und die Treue gehen ihr zur Seite, um das Selbstbewusstsein der sittlichen Person im Staate und durch den Staat zu verwirklichen. Die Gerechtigkeit wird zur Tugend des sittlichen Ideals." Gerechtigkeit ist in dem Sinne des EUGEN SPIRO. Vor dem Spiegel. (Titelblatt der Jugend.) hebräischen Zedek, Mischpat zufassen, welche beide in der Sprache des Propheten als die Stützen des göttlichen Thrones gepriesen werden. Da aber die Gerechtigkeit vorzugsweise auf das Urteil sich gründet, so könnte daraus die Gefahr entstehen, dass wir unsere Mitmenschen allemal nach dem sittlichen Urteil, das wir über sie fällen, auch behandeln. Lehrt ja schon der Talmud, dass Jerusalem nur deswegen zerstört wurde, weil sie sich in der Praxis des Handelns gegeneinander nur nach dem Wortlaute des Urteils richteten, welches sie übereinander fällten. Da setzt nun die Tugend der Humanität, des Menschlichkeitsgefühls ein und mahnt uns: ,;Richte deinen Nächsten nicht, bis du an seiner Stelle warst," bis du dich ganz in seine Lage hineinversetzt, in sein Ich versenkt hast. „Humanität ist ursprüngliches Menschengefühl, nicht Urteil über den BERLIN. Yyert des Menschen. Ehre und Liebe, diese geschmelzen in ihr zualle Tugend, wenn sie Mahnung misstrauen * ... „Die Humanität gensätzlichen Affekte, sammen. Was wäre dieser ursprünglichen und entsagen müsste? bringt Frieden und Seligkeit in die Handlung und in die Ueberlegung. Sie geht davon aus, des Urteils sich zu begeben, aber durch diese Enthaltsamkeit gerade wird sie frei von aller

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.