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Ost und West · 1905-04-01 · Heft 4 (April 1905) · p. Seite 231 - 232

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Journal
Ost und West
Volume
5 (1905)
Issue
Heft 4 (April 1905)
Article
Die Lebensanschauung des Idealismus
Date
1905-04-01
Page
Seite 231 - 232 (sequence 5)
Language
German
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231 B. Wolff: Die Lebensanschaimog des Idealismus. 232 Skepsis und aller Gedankensblässe, mit der nun einmal das sittliche Urteil behaftet, ist." Also bildet die Humanität den Gipfel der Sittlichkeit. Was ihr widerspricht, ist unsittlich, auch wenn es mit der Religion oder dem Wohl des Vaterlandes begründet werden kann. Die Humanität iiebt den Menschen, über die Schranken des Stammes, der Kasse und der Familie hinweg und bringt ihn der Allheit nahe. „Wie die Humanität diejenige Tugend bedeutet, welche die Einseitigkeit aller Tugend zu erkennen hat, so führt sie uns bis an die Grenze eines Gedankens, der in dar Tat die Grenze der Ethik bildet. Dieser Grenzgedanke der Ethik ist der Gedanke der Harmonie." Harmonie bildet die einzige adäquate Uebersetzung des hebräischen Wortes „SchalonV, ein Begriff, der nach dem Talmud den Anfang und das Ende der Thora bildet und die Krönung des Werkes Gottes, sein höchstes Geschenk an die Menschheit ausmacht, Gottes höchster Preis ist, nach einem, alten Segensspruch, dass er der Stifter des Friedens ist. * Mit einem Gefühl der Ehrfurcht und der Dankbarkeit wird der Leser dieses wundervolle Buch aus der Hand legen, aus dessen Gedankenmeer hier vorläufig nur einige Tröpfchen geschöpft worden sind. Es bildet eine. Synthese zwischen der edelsten Blüte" griechischer Weisheit, der Philosophie Piatons und den tiefsten und reinsten Lehren des Mosaismus, vollzogen im hellen Licht und im läuternden Feuer moderner Wissenschaft. So darf es denn als eine der herrlichsten Taten des jüdischen Geistes betrachtet werden. Wie um einen mächtigen Stamm wird eine ganze Literatur sich daran emporranken. Möge es in unsere Häuser und in unsere Geister Einzug halten, um uns Welt und Judentum im Lichte der reinen Erkenntnis schauen zu lehren. EUGEN SPIRO. Von Geor? Hermann. Nachdruck verboten. Unter den jüngeren Künstlern können wir, wo und wie lange schon wir ihm auch begegnen mögen, unser Interesse Eugen Spiro nicht versagen, als einem Maler, der in der Unsumme von Zähem, Nüchternem und Geschmacklosem stets durch Können, Schulung und Ausrundung seiner Arbeiten, und vor allem durch Geschmack und eine weltliche Eleganz auffällt. Wir kÖDnen uns nicht verhehlen, dass er noch seinen Weg macht, dass er noch auf dem Aufstieg zum Berg ist, aber jedes Neue von ihm macht doch nicht das Alte ungeschehen und vergessen — sondern man sagt sich: das ist besser, das ist weiter, aber auch in jenem liegt ein je ne sais quoi, dass man es nicht anders haben möchte. Vor allem ist er stets eine sehr regsame und nervöse Erscheinung mit einem ungewöhnlichen Sinn für Schönheit, Frauenschönheit, und zwar, wenn man es so sagen darf, für die letzte Frauenschönbeit. Denn es ist unleugbar, dass unser Schönheitsbegriff etwas ist, das sich von Jahr zu Jahr wandelt, das mit der Kleidung stets den V Farbengeschmack, den Menschen, die Gesichter, selbst die Seelen umformt. Diese Gedanken von der Natur, die der Kunst nachläuft und sich ihr anpasst, sind ja nicht neu, aber es ist immer wieder rätselhaft, es zu beobachten. Wie kommt mit einem Male ein solch neuer Typus, ein solch neuer Geschmack? Welche Einflüsse machen sich da geltend, dass uns das Leben und seine wichtigen Schönheitsträger mit einem Male so anders erscheinen. Zeitstimmungen,Zeitströmungen,Rückgreifen auf alte Kulturen, an denen man bisher vorüberging, grössere Wohlhabenheit, Landhausstil der Bauten, das Aufkommen neuer Geschäftsformen — alles mögliche arbeitet daran, das Leben von Jahr zu Jahr umzukneten und umzuformen, selbst literarische Einflüsse arbeiten mit. Als man Julius Wölfl' und Scheffel las, war die Welt voller Gretchengesichter, und heute haben Maeterlink, Wedekind Typen geschaffen, die man vordem nicht kannte. Mit dem Eugen Spiro. ' \ Jugendstil ist ein neuer Frauen- (Seibstportrait.) 1 typus in die Welt gekommen, ■%^t'^

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