Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 5 (1905)
- Issue
- Heft 4 (April 1905)
- Article
- Julius Fürst
- Date
- 1905-04-01
- Page
- Seite 221 - 222 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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221 Dr. M. Ka}Tserling: Julius Fürst. 222 neben Gesenius' Wörterbuch immer seinen Platz behaupten wird. Fürst, ein rastlos arbeitsamer Gelehrter, entfaltete auf mannigfachen Gebieten, auf dem der biblischen Literatur, der jüdischen Geschichte und Bibliographie, eine ungemein fruchtbare literarische Tätigkeit. Dass Erziehung, Bildungsgang und Lebensstellung auch auf literarische Arbeiten ihren Einüuss geltend machen, das zeigte sich auch bei Fürst. Er, der einen grossen Teil seines Lebens noch als Professor mit Not und Entbehrung zu kämpfen hatte, musste sich mancher Arbeit unterziehen um des lieben Brotes willen, daher die Hast, das schnell und leicht Fertige, das vielen seiner literarischen Produkte anhaftet. Seinen ökonomischen Verhältnissen entsprang zum Teil wenigstens auch der oft gereizte Ton, welchen er in seinen journalistischen Artikeln, im „Orient", welchen er von 1840 an redigierte, ganz besonders in den ersten Jahren seines Bestehens anschlug; „der Tadel wird nicht selten," wie Abraham Geiger schreibt, „ein massloses Poltern, und. das Lob ein unbegreifliches". Mit dem „Orient" war ein für „Studien und Kritiken für jüdische Literatur" bestimmtes „Jüdisches Literaturblatt" verbunden, das auch tüchtige jüngere Kräfte zu seinen Mitarbeitern hatte und neben manchen unreifen Versuchen viele gehaltvolle Studien aus dem Gebiete der neuhebräischen Poesie, der Religionsphilosophie, der jüdischen Geschichte, Literatur und Altertumskunde brachte. In dem „Orient" erschien zuerst seine „Geschichte der jüdischen Literatur in Babylon", in der er ein bis dahin wenig bebautes Feld urbar zu machen versuchte. Auf diese Geschichte, welche zu seinen bessern Arbeiten gehört, war er Julius;eb. 12. Mai 1805, nicht wenig stolz. Als ich während eines kurzen Aufenthaltes in Leipzig zu Anfang des Jahres 1856 ihn in seiner im dritten Stock gelegenen Wohnung besuchte, fragte er mich in wehmütigem Ton: „Was sagen Sie dazu, wie mein lieber Landsmann — er meinte G. — meine Geschichte ausgeplündert hat?-' Mit weniger Befriedigung konnte er auf seine zwanzig Jahre später unter dem ersten Eindruck der Lektüre von Pinskers epochemachendem Werke ,,Likute Kadmonijoth" entstandene dreibändige „Geschichte des Karäertums" blicken. Es war das, wie er selbst zugesteht, „ein gewagter und kühner Versuch, der nur unvollkommen und lückenhaft ausfallen konnte, da zuVerworrenheit und Rätselhaftigkeit der erhaltenen Notizen noch die Seltenheit und Unzugängiichkeit derselben hinzukam". Rührigkeit und Vielseitigkeit lassen sich Fürst nicht absprechen. Als in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts die Judenemanzipation in eine neue Phase trat und unter den damaligen geistigen Bewegungen und Kämpfen die Frage über Judentum und Juden an der Tagesordnung war, nahm er den Plan auf, einen Zyklus dervorzüglichsten „jüdischen Religionsphilosophien des Mittelalters", vonSaadias ,,Emunot" bis Albos „Ikkarim" im Gewände einer allgemeinverständlichen deutschen Uebersetzung dem philosophischen Publikum christlichen und iüdischen Bekenntnisses vorzulegen. Er musste es bei Saadias „Glaubenslehre und Philosophie" bewenden lassen; ' es war das keine Arbeit, die „merklich förderte und so von der Hand sich schlagen Hess". Keiner leichten Aufgabe unterzog er sich mit der „Bibliotheca Judaica". Vor 50 Jahren, bei den spärlich vorhandenen Vorarbeiten, ein Fürst gest. 9. Feb. 1S73.