Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 5 (1905)
- Issue
- Heft 3 (März 1905)
- Article
- Moritz A. Simon
- Date
- 1905-03-01
- Page
- Seite 199 - 200 (sequence 2)
- Language
- German
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199 Dr. W. Liebmami: Moritz A. Simon. 20( ihm auch das Elend namentlich der aus Osteuropa eingewanderten Juden entgegen und regte sein Nachsinnen an. Er studierte ihre Lage, die Ursachen, die sie aus der alten Heimat vertrieben, und die Bedingungen ihres gedeihlichen Fortkommens unter den neuen Verhältnissen in Amerika. Nach Deutschland zurückgekehrt, gründete er in Hannover das Bankhaus Moritz Alexander Simon, welches er durch eminente kaufmännische Befähigung und Tüchtigkeit zur hohen Blüte brachte. Seine hervorragenden Geistes- und Herzenseigenschaften erwarben ihm Freunde in allen Kreisen; auch Persönlichkeiten, die sonst von Vorurteilen gegen Juden nicht frei waren, zollten dem lauteren Charakter und dem edlen Willen Simons den gebührenden Respekt, und er trug wohl öfters durch sein Auftreten und seinen Wandel dazu bei, manch eingewurzelte Voreingenommenheit und Antipathie gegen die Juden zu zerstreuen. Um sich von dem Vorwurf zu reinigen, dass er Antisemit sei, wies Graf Waldersee noch vor etwa einem Jahre auf seinen freundschaftlichen Verkehr mit Simon hin. Als am Anfange der achtziger Jahre des vorigen Jahrhunderts die grosse Katastrophe über unsere östlichen Brüder hereinbrach und Zehntausende von ihnen zwang, den Wanderstab zi ergreifen, da stand Simon mit in der vordersten Reihe derer, die die Auswanderung organisierten und den Bedrängten Hilfe brachten. Allein er be gnügte sich nicht damit. Er war gewöhnt, jede] Erscheinung nachzugehen, deren Ursachen unc Folgen nachzuforschen, um womöglich das Hebe an der Wurzel anzufassen. So untersuchte ei denn auch die Ursachen des Judenelends im osteuropäischen Ghetto, und trachtete zu ergründen, wie ihm gesteuert werden könnte. Und er verfolgte die weitere Entwicklung der Judenfrage jenseits des Ozeans, um daraus Schlüsse ziehen zu können, unter welchen Bedingungen, in welchen Gegenden und mit welchen Mitteln, in welchen Berufszweigen die aus ihrer alten Heimat gewaltsam verdrängten Juden sich eine bessere Zukunft zu schaffen vermöchten. Seine ausgebreitete Weltkenntnis, seine grosse geschäftliche Tüchtigkeit und Erfahrung waren ihm hierbei von grossem Nutzen und ermöglichten es ihm, manche komplizierte Erscheinung mit rascherem und schärferem Blick zu erlassen und zu entwirren, als andere. Und da er vor allen Dingen ein Mann der Tat war, so machte er keine vielen Worte, schmiedete keine Theorien, sondern legte unverzagt Hand an. Er war einer der wenigen, Ahlem.- Mistbeete, zur Anzucht von Frühgemüse~und zur Vermehrung von Kultur- und Topfpflanzen.