Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 5 (1905)
- Issue
- Heft 3 (März 1905)
- Article
- Moritz A. Simon
- Date
- 1905-03-01
- Page
- Seite 197 - 198 (sequence 1)
- Language
- German
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MORITZ - Ein Gedenkblatt von „Errichtet den Gerechten nur keine Denkmäler! Ihre Werke sind es, die ihr Andenken lebendig erhalten werden!" Nur auf wenige Männer passt dieses Wort unserer Alten so vortrefflich wie auf Moritz Alexander Simon, der vor kurzem so jäh und so grausam aus einem Leben voll unermüdlicher, fruchtbarer Arbeit gerissen wurde. Er war einer der wenigen unter uns, die nicht nur ihr Vermögen, sondern ihre ganze Arbeit, ihre ganze Kraft in den Dienst des Gemeinwohls stellten. In dem grossartigen, von ihm geschaffenen Werk war nicht nur sein Geld wirksam, sondern—Avas unvergleichlich mehr wert, was geradezu unschätzbar war — seine Persönlichkeit. Eine energische, tatkräftige, unermüdliche, reiche Persönlichkeit, in der sich eiserner Wille, hervorragendes Organisationstalent, unerschöpfliche Arbeitsfreudigkeit, überlegene Voraussicht mit tiefer, aufrichtiger, hingebungsvoller Menschenliebe vereinte, die nicht auf öffentliche Anerkennung ausging, nicht nach lautem, noch weniger nach „hohem" Beifall strebte, sondern in der Arbeit ihr Genüge fand. Ein jüdisches Sprichwort sagt: „Was nützt das jüdische Herz, \. SIMON. Dr. W. Lieb mann. Nachdruck verboten. wenn kein jüdischer Kopf dabei ist?" Simon stellte seinen „jüdischen Kopf" in den Dienst eines lauteren, liebevollen jüdischen Herzens. Darum verschwendete er seine Gaben nicht auf Almosengeben, auf weichmütige, momentane Linderung der Not, sondern schuf sich aus ihnen ein feines, präzises und starkes Instrument, welches, in die Ferne wirkend, breite Massen und ganze Generationen schrittweise zu einem höheren, veredelten Leben emporiühren soll. Am 27. November 1837 wurde der Verewigte zu Hannover als Sohn eines Antiquitätenhändlers geboren. Sein Vater erfreute sich wegen seiner strengen Rechtlichkeit eines grossen Ansehens in den höchsten Kreisen der Gesellschaft und war allgemein unter dem Namen „der brave Simon" bekannt. Er gab den Sohn in die Lehre zu dem Bankier Ezechiel Simon, der sowohl als Geschäftsmann, wie als Philanthrop und Stifter des Israelitischen Waisenhauses im höchsten Ansehen stand. Nachher war Moritz Alexander Simon mehrere Jahre in Amerika in Stellung und hatte Gelegenheit, dort das^ grosszügige Wirtschaftsleben der Neuen Welt kennen zu lernen. Aber hier trat