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Ost und West · 1923-03-01 · Heft 3-4 (März-April 1923) · p. Seite 87 - 88

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
23 (1923)
Issue
Heft 3-4 (März-April 1923)
Article
Philosophie des Pogroms
Date
1923-03-01
Page
Seite 87 - 88 (sequence 15)
Language
German
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87 Philosophie des Pogroms 88 wird Blüher mit dem anderen so schrecklich unbequemen Juden Albert Einstein fertig. Das Phänomen Einstein gibt ihm' wenigstens die tröstliche Hypothese ein, daß der psychische Hauptvorgang des Judentums in dieser Zeit — die Angst sei. Darum benütze es jede Gelegenheit, um' die Aufmerksamkeit von der destruktiven Wirkung der Rasse abzulenken. Und die ganze Relativitätstheorie sei nichts als ein großartiger Ablenkungsversuch des Judentums. Sonst habe die Welt an dieser ganzen Geschichte keinerlei Interesse, nur zwei Menschenarten geht das was an, die Fachgelehrten der Physik und der Astronomie und das Judentum. Man braucht sich also über diesen Einstein gar nicht so sehr aufzuregen. Mit diesem Bewußtsein in der Seele, kann man es schon verwinden, daß der- Jude Einstein von den größten Gelehrten in Frankreich, England und Amerika, in Japan und Indien, in Spanien, in den Vereinigten Staaten, in Skandinavien, in Südamerika wie ein Souverän gefeiert wird, man legt sich aufs Ohr und redet sich ein: „Ach was, Judenreklame!" Dazu ist der Mann nicht einmal ein Genie, „Stil und Methüde an ihm verraten die Nichtgenialität!" versichert Blüher, der es ja wissen muß. Man atmet erleichtert auf, es ist ein bloßer Spuk, die Idee Jehuda treibt ihr Gaukelspiel mit der verblendeten Miasse, die den Unterschied zwischen Einstein und Kopernikus nicht zu sehen vermag .... Hiler wird Blüher; direkt unehrlich, denn kein Zeitgenosse ist bescheidener, schlichter und anspruchsloser, keiner ist entfernter von Reklame als Einstein. Wer sich mit physikalischen Problemen befaßte, wußte von ihm und der großen Bedeutung seiner Theorie schon 1905, aber dem weiten Publikum wurde er erst 1918, wider Willen, bekannt. Daß er Jude ist, wußten die wenigsten. Schreiber dieser Zeilen, der doch sozusagen von Berufs wegen derartige Juden kennen muß, erfuhr er erst 1917. Natürlich haben wir Juden ein sehr lebhaftes Interesse an Einstein; er beweist Uns nämlich den geistigen und moralischen Wert unseres Stammes. Wir legen gar! kein Gewicht darauf, Menschen von der Sorte Hindenburg und Ludendorff hervorzubringen. Aber wichtig ist es für uns, zu wissen, daß Menschen von der Rasse Kopernikus, Galiläi und Newton aus unserer Mitte hervorgehen. Vor einiger Zeit beobachtete ich in der Eisenbahn einen Herrn, offenbar einen Wirklichen Geheimen Rat oder General alten Stils, der in der Zeitung die Szene abgebildet fand, wie Einstein neben dem König von Spanien mitten in einer Gruppe von Würdenträgern photographiert wurde. Er hatte eine Miene, als ginge die Welt unter: „Der Jude Einstein dicht neben dem König, Hand in Hand mit ihm auf der Platte!" kam es wie mit Grabesstimme aus seiner breiten Brust. Die danebensitzende Gattin nahm das Blatt aus seiner Hand und! studierte die Bilder aufmerksam. Aber die Frau ist wenigstens nicht dabei! „Das hätte noch gefehlt!" sie atmete erleichtert auf. Ich dachte dabei an Blüher. Blüher spricht: „Man lasse sich niemals täuschen durch den edlen Juden. . . . Man sehe sich den edlen Deutschen mit hervorragender Begabung an und darauf seine Eltern und Geschwister. Sie werden nicht ebenso edel sein, doch immerhin von guter Art. Und nun sehe man sich die Verwandtschaft der edlen Juden an, und man ist erstaunt darüber, was es der Judensubstanz kostet, solch einen zu erzeugen.'' Getröstet euch also, wenn ihr schon an Einstein keinen Schmutz entdecken könnt, seid sicher, seine Verwandtschaft ist unzweifelhaft gemein! Also spricht Blüher . . . .! Du lieber Gott, wieviel winzig kleinen Gewürms kreucht da auf deinem Erdboden herum und schleppt doch ganze Berge schamlos nichtswürdiger Gesinnung mit sich . . . . * * * Eins indessen verdankt Deutschland den Juden: die „deutsche Republik", darum ist sie auch „ein völlig unsinniges geschichtswidriges Gebilde", sie stammt aus dem jüdischen Geist, „darum ist auch die deutsche Republik als typisches Judenprodukt ohne historische Ehre. Der preußische Offizier aber hat das, was hier philosophisch ausgedrückt wird, als unbeirrbares Gefühl und als Zucht im Blute. Daher kann ihn der Vorwurf des Eidbruches an der Republik nicht treffen. Der Offizier ist dem König verpflichtet, nicht dem empirischen Volk. Der Tag des Kapp-Putsches „war der einzige seit dem Anbruch der deutschen Schande, an welchem die Ehre eines Volkes sich zu melden wagte". Die Verwerflichkeit des versuchten Putsches liegt nicht darin, daß er auf einem Verfassungsbruch beruhte, oder daß er die deutsche Wirtschaft auf Monate zurückschraubte, sondern lediglich darin, — daß er mißlang. Alles, was mißlingt, ist verwerflich, alles, was gelingt, ist erhaben. Unser Blüher hält es mit den Göttern, nicht mit Cato. „Unter den europäischen Völkern gibt es aber nur eines, das wirklich das Recht hat, Republik zu sein: das französische. Das kommt daher, daß nur Frankreich eine echte geschichtsverbindliche Revolution gehabt hat, die noch heute die Mutter der Republik ist. Mit anderem Wort, die französische Revolution ist sicher als gelungen zu betrachten, die aus ihr hervorgegangene Republik dauert. In Deutschland dagegen kann man das noch immer nicht wissen____ Müssen abwarten. . . . Blüher liebt die sieghafte Sache. Das wird auch folgendermaßen ausgedrückt: „Die deutsche Republik stammt aus keinem tiefen Erregungszustand schöpferischer Art des ganzen» Volkes, sondern aus dem jüdischen Geist." Nämlich die Revolution verfloß ohne Königsmord, ohne

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