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Ost und West · 1923-03-01 · Heft 3-4 (März-April 1923) · p. Seite 83 - 84

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Journal
Ost und West
Volume
23 (1923)
Issue
Heft 3-4 (März-April 1923)
Article
Philosophie des Pogroms
Date
1923-03-01
Page
Seite 83 - 84 (sequence 13)
Language
German
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83 Philosophie des Pogroms 84 mir die Vorschrift, die es dem Deutschen als Todsünde verbietet, sich in der Lebensgefahr für einen Nicht-deutschen auszugeben, wie dies beim Juden der Fall ist. Man darf sich mit Recht fragen: Hätten die Deutschen ein Schicksal zu tragen gehabt, den zehnten Teil so schwer, wie das der Juden — gäbe es heute noch einen Deutschen in der Welt? . .. Blüher schlägt ein Experiment vor: „Man rufe einen Juden an, während er glaubt, im Schutze seiner Mimikry zu stehen, und das Ergebnis wird ein ganz anderes Erschrecken sein, als wenn man andere Völkerschaften anruft und Lette oder Pole ruft . . .!" Es mag etwas Wahres daran gewesen sein, ehemals; ein Surival aus den Zeiten, als der Anruf Jude wahrlich etwas anderes als eine Einladung zu einem Vergnügen oder zu einer Ehrung bedeutete, sondern wie analoge Anrufe für die Deutschen in Australien, in gewissen Städten der Vereinigten Staaten und Rußlands, während des Krieges, da Leute, die man verdächtigte, Deutsche zu sein, als Verräter1, und Spione auf offener Straße blutig geschlagen, in Amerika gefedert und geteert und allerhand Beschimpfungen und Schikanen ausgesetzt wurden. Rohe Menschen machten sich damals in jenen Gegenden, wie wir unzählige Male in den Zeitungen lasen, oftmals den Spaß, wo sie wußten, daß Deutsche unter dem Schutz ihrer Mimikry arglos beisammen saßen, unvermutet in den Raum hinein- ■aürufen: „Deutsche!" Bleicher Schrecken malte sich auf manchem sonst tapferen Gesicht! Ach, Herr Blürjer, es ist vorteilhafter, lieber derlei Dinge nicht aufzuwühlen. . . . Eine niedliche Theorie hat sich Blüher zurechtgelegt, die man nicht unerwähnt lassen kann: „Die Juden sind das auserwählte Volk, daran ist kein Zweifel. Wozu aber waren sie auserwählt? Für die Geburt Christi! Nur um dieses einen Menschern willen, der ein rassereiner Jude war (na, Gott sei. Dank!), mußte die Idee Juda in die Erscheinung treten. Diese Geburt hat die Substanz des Volkes so erschüttert, daß sie erkrankte, ohne aber zugrunde zu gehen." Daraus würde folgen, daß die Völker sich hüten müssen, Genies ihrer Rasse aus ihrem Schoß hervorgehen zu lassen, denn sie könnten das mit der Gesundheit bezahlen. Aber Blüher versichert, daß andere Völker in derartigen Fällen immer nur an den einzelnen Individuen erkrankten, während die Juden allein in der Substanz kranken. In der Substanz, versteht Ihr's? Die Juden denken immer an Christus mit jenem Schuldgefühl der „reinen Historie" — wer weiß, was das heißt? —, also mit der reinen Historie, die den einzelnen unschuldig erhält. Darum ist kein Jude glücklich, sondern alle, ohne Ausnahme, sind unglücklich, gebrochen. Nun weiß man es. Alle Juden, ohne Ausnahme, sind unglücklich, gebrochen. Im Mittelalter gab es eine Theorie, die (den unseligen Hang der Juden nach geweihten Hostien erklärte, denen sie das Blut sChristi erpreßten und dann den Hang nach Blut frischgeschlachteter Christenkinder: Seitdem die Juden vor Golgatha ausriefen: „Sein Blut komme über uns!" haben bei ihnen auch die Männer die Menses, und von dieser ekelhaften Krankheit können sie sich nur fdurch das Blut Christi und das Christenblut befreien. . . Man sieht, Hans Blüher ist gar nicht so dumm. Es beruht aber auf einem merkwürdigen Mißverständnis, wenn er meint, den Juden eine gewaltige Demütigung zuzufügen, wenn er ihnen verbieten will, von sich zu sagen: „Wir Deutschen." Die Juden beabsichtigen gar nicht, sich einen Titel anzumaßen, indem sie das sagen. Nein! Sie nehmen ein Kreuz auf sich, tun nur ihre verdammte Pflicht und Schuldigkeit, indem sie ihren Teil an dem schweren Schicksal Deutschlands mittragen und an der vermeintlichen Schuld, die die Welt ihm aufgebürdet, und an dem allseitigen Haß, der es aus allen Ecken und Enden des Erdteils anhaucht und der seinesgleichen nur hat in dem Haß, miß dem die Rasse Blüher ,uns Juden beehrt. In d i e s e m Sinne allein sagen die Juden Deutschlands: „Wir Deutschen." Sie verbinden aber damit keineswegs den Sinn, daß sie ebenfalls von Hermann dem! Cherusker oder von Segest abzustammen behaupten. So weit versteigt sich ihr Ehrgeiz nicht. Es ist gar, nicht nötig, daß Blüher sich die iMühe nimmt, sie zu wecken und ihnen „unter allen Umständen! zu verstehen ziu geben, wer sie sind". Sie wissen ganz von allein, wer sie sind; Sie sind die Nachkommen von Abraham, Moses, David, Salomo, Jesajas, Jeremias, Jehuda Makkabi, Hillel, Jochanau ben Sakkai und ihresgleichen. Die J uden haben keinen Anlaß, sich dieser ihrer Vorfahren zu schämen oder sie mit anderen zu vertauschen..... DIE GEFÄHRLICHSTEN UNTER DEN JUDEN. Zwei Juden der Gegenwart sind es, die den besonderen Schmerz Hans Blühers ausmachen, ihm unendliche Qualen bereiten: Walter Rathenau und Albert Einstein; auf diese beiden Juden kommt er immer wieder zurück. Diese beiden Juden nagen an ihm, wie ein heimliches Gebreste, saugen ihm das Blut aus den Adern, drücken wie ein Alp auf seine Seele, verbittern ihm das Leben und zehren am Mark seiner Seele. Diese beiden Juden, jeder auf seinem Gebiet, jeder in seiner Art, ragen aus dem Getriebe sehr hoch hinauf, sind beide dabei, nicht nur in die „geschichtsempfindende Schicht des

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