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Ost und West · 1922-07-01 · Heft 7-9 (Juli-August 1922) · p. Seite 209 - 210

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Journal
Ost und West
Volume
22 (1922)
Issue
Heft 7-9 (Juli-August 1922)
Article
Das Judentum in christlicher Darstellung
Date
1922-07-01
Page
Seite 209 - 210 (sequence 4)
Language
German
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209 Das Judentum in christlicher Darstellung 210 sondern Luthertum in einer ganz besonderen modernisierten Art, dessen Hauptvertreter Hofmann war. Der willkürliche Widerspruch, der zwischen den beiden Auffassungen von dem Wesen der Religion geschaffen wird, der Unterwerfung, unter. Gottes Willen und der Gemeinschaft mit Gott samt ihren Folgen für den Gottesbegriff und die eigentümliche Theorie von der Dreieinigkeit, auf die wir schon hingewiesen haben, rührt davon her. Ein anschauliches Beispiel hierfür kann man auch in der Behandlung finden, die bei Weber „Die Gerechtigkeit vor Gott und das Verdienst" (Kap. 19) findet,- wo die Antipathie gegen die römisch-katholische Lehre von den guten Werken und dem Verdienste auf das Judentum übertragen wird. In einer Einleitung von 34 'Seiten sind die rabbinischen Quellen nach Zunz und anderen jüdischen Autoren dargestellt und im allgemeinen mit Zunzens Daten, und die Ausgaben, aus welchen der Verfasser gewöhnlich zitiert, sind genau angegeben — eine ungewöhnliche Sorgfalt, für welche" diejenigen, welche die Zitate nachprüfen, noch dankbarer wären, wenn er sie bei seinen Hinweisen auf die Rabboth angewandt hätte. Die Kafobala und die Pseudepigraphen sind ausgeschlossen, das hellenistische Judentum ist nicht mit einbegriffen im Plan des Verfassers. Die Weglassung der synagogalen Liturgie und der Formen des privaten Gebetes in der Übersicht der Quellen ist jedoch ein verhängnisvoller Irrtum. Nebenbei zeigt sie, mit wie wenig Selbständigkeit Weber seine Aufgabe geplant und durchgeführt hat. Seine Vorgänger hatten sich nämlich auch mit diesem Material nicht befaßt. Die Grundsätze, nach welchen die Quellen zu benutzen sind, werden kurz angegeben. Sie sind treffender als ihre Anwendung in der Praxis. Zum Schluß bringt er eine Übersicht 'über die ältere Literatur bis hinab auf Wagenseil und Bodenschatz, über welche generalisierend ein ziemlich, ungünstiges Urteil gefällt wird. Nirgends wird Gfrörer erwähnt und das ist "kaum ein Zufall. Ein Schüler von Baur, der dann noch zum Katholizismus übergetreten war, war in Webers Kreisen doppelt verpönt. Völlig unerwähnt bleibt, was und wieviel Weber seinen Vorgängern verdankt, die im Laufe der Jahrhunderte für den einen oder den anderen Zweck eine ungeheure Masse von Zitaten und Nachweisen gesammelt hatten. Vielleicht hätte er, wenn er das Erscheinen seines Werkes selbst erlebt hätte, seine Verpflichtungen in einer Vorrede anerkannt, wenngleich die Einleitung der natürliche -Platz dafür gewesen wäre. Wie es ist, gewinnt man den Eindruck, daß Weber sich den Anschein geben wollte, an die Targumim, die Talmude und" Midraschimi herangegangen zu sein, als wenn niemand vor ihm gewesen wäre, und er den ganjzen Stoff selber gesammelt hätte, und in der Tat haben christliche Gelehrte, die mit der älteren Literatur wenig vertraut waren, ihn gewöhnlich dafür angesehen und ihm ein Maß von Gelehrsamkeit zugeschrieben, das weit über die Wirklichkeit ging13). Es ist keine Frage, daß er fleißig studiert und die Hilfe von übergetretenen Juden gehabt hat, aber daß er auf anderer d3) Es flößt nicht gerade Vertrauen ein, wenn man liest (2, S. XXV), daß nach Sanhedrin 86a die anonymen Sätze im Sifra auf Rabbi Jehuda Hakkadosch zurückgehen, ,.woraus folgt, daß der Talmud diesen als den Verfasser des Sifra ansieht". Im Talmud steht nur Rabbi Jehuda, womit nicht R. Jehuda Hakkadosch, sondern der einer Leute Grund u[nd Boden baute und in weitem Umfang mit ihrem Material, . ist 'leicht zu beweisen. Viele seiner Zitate kamen aus dem Grundstocke, der sich durch die Arbeit von vielen Generationen angehäuft hatte, ohne daß er auch nur alle nachgeprüft hätte. Vertrauensselige Nachfolger haben diese Irrtümer übernommen und nicht immer Weber als ihre Quelle genannt. Die Stellen, welche Weber aus den Quellen anführt (in deutscher Übersetzung), sind zahlreich und gewöhnlich für seine Zwecke wichtig. Es muß jedoch nachdrücklichst betont werden, daß dieselben, indem sie aus ihrem originalen Zusammenhange losgelöst und als dicta probantia für die loci einer systematischen Theologie benutzt werden, deren „System" in der Gegenüberstellung von Judentum und Christentum besteht, methodisch falsch angewendet werden. Vieles von diesem Material — die sinnreichen Schriftdeutungen, die homiletischen Witzworte des Midrasch und die scherzhaften Phantasien der Haggada zum Beispiel — genoß bei den Juden keinen theologischen Charakter oder irgendeine Autorität. Der Abschnitt „Die Judaisierung des Gottesbegriffes" (S. 157—162) ist ein schlagendes Beispiel für solchen Mißbrauch der Quellen, nebenbei auch für die Benutzung seiner Vorgänger. Wenn irgend jemand sich die Mühe nehmen wollte, diese Stelle mit Eisenmengers Kapitel zu vergleichen „Was vor ungeziemende und theiis lästerliche Dinge die verstockten Juden von Gott dem Vater lehren und schreiben" (11 ff., besonders S. 1—54), der wird Webers Stellennachweise manchmal eine ganze Seite lang in der gleichen Anordnung? finden. Es ist sonderbar, daß er einen solchen Gebrauch von einem Werke gemacht hat, von dem er selber wie von anderen seinesgleichen sagt, sie seien „weit mehr Sammlungen aller möglichen Absurditäten und Frivolitäten, als religions-geschichtliche Darstellungen", und von einem Kapitel, in welchem Eisenmenger sich selbst überbietet in dieser Neigung. Eisenmenger jedoch brachte dieses Material und noch viel mehr zusammen, nur um1 die Juden dem! Spott und der Verachtung preiszugeben. Weber entnimmt daraus ernsthaft einen judaisierten Gottesbegriff und hat eine ernsthafte Theorie geschaffen, um zu erklären, wie ein mit dem jüdischen Transzendentismus so unvereinbarer Begriff jemals zur Geltung gelangen konnte — es war die wachsende Herrschaft „des Prinzips der Gesetzlichkeit", welches Gott in einen „Gott der Thora" umformte. Webers eigener Beitrag zur mißverständlichen Auffassung des Judentums war, was er „Transzenfdentismus" nennt, die Unnahbarkeit Gottes, worin er den charakteristischen Unterschied des jüdischen Gottesbegriffes und seine ungeheure Inferiorität gegen den christlichen Gottesbegriff findet. Daß dies der jüdische Gottesbegriff war, erscheint ihm erwiesen, wie schon weiter oben bemerkt, durch die Zwischenwesen, welche, wie er meinte, das Judentum zwischen Gott und die Welt gestellt hatte: wenn Gott selber nicht transzendent gewesen wäre, so wären dieselben nicht nötig gewesen. Die ältere Apologetik, besser unterrichtet in christlicher Theologie, hatte folgerichtig sich zu beweisen bemüht, Generation vorher angehörende R. Jehuda ben Kai regelmäßig bezeichnet wird. In der zweiten Auflage ve'N schwindet „Hakkadosch", doch wird im folgenden Rab als Schüler von R. Jehudah bezeichnet, was Rab ein ungewöhnlich langes Leben zuschreiben würde.

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