Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 22 (1922)
- Issue
- Heft 7-9 (Juli-August 1922)
- Article
- Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der jüdischen Gemeinde zu Berlin
- Date
- 1922-07-01
- Page
- Seite 201 - 202 (sequence 4)
- Language
- German
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- Mohel 1× ep/1006163
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201 Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin 202 verziert, unseren Blick, ebenso ein größeres aus Simili*Silberfiligran; die Griffstange ist bei letzterem mit einer Hand versehen. Das Vorhandensein von Mesussot in einer Ausstellung wird man nur erwarten, wenn das Ge* häuse dieser Ritualien etwas besonderes bietet. Ein großes, silbernes Mesussotgehäuse hat daher seine Berechtigung. Auch ein altes, großes Gehäuse aus Holz wird man gerne sehen. Die hölzernen Formen findet man nur noch auf Dörfern. Sie sind jedenfalls dauerhafter gewesen als die späteren aus Blech oder Glas. Wünschenswert ist es, die Olivenholz*Gehäuse aus Palästina zu verwenden, weil man dadurch gleich* zeitig das dortige, jüdische Handwerk unterstützt. Aus gleichen Gründen wie Mesussot sind B e• schneidungsinstrumente ausgestellt. Besonders schön ist ein Messergriff aus silbergefaßtem Bergkrystall mit hebräischer Inschrift und Verzie* rungen. Noch prächtiger erscheint das Beschnei* dungsmesser mit Bernsteingriff, das ich aus dem Nachlasse des langjährigen Berliner Mohels Danziger erwarb. Es ist in diesem Material von großer Seltenheit. Auf dem gelben Bernstein, der mit ver* goldetem Silber garniert ist, liest man den auf die Beschneidung Isaks bezüglichen Vers Genesis XXI,4 in roter Gravierung. In das Gebiet des Beschneidungsrituals gehört auch das silberne Büchschen aus dem 17. Jahrhundert mit Ring und Kettchen zum Tragen, das keineswegs eine Beßomimbüchse darstellt, sondern dazu bestimmt war, das bei Beschneidungen gebrauchte blutstillende Streupulver aufzunehmen. Die Büchse ist durch zwei silbergetriebene, bildliche Darstellungen merk? würdig. Auf der Vorderseite sehen wir die Ge* vatterin, die dem Mohel das Kind zur Beschneidung bringt, auf der Rückseite zwei Männer mit den Be* schneidungswerkzeugen. Schofarot sind wegen ihrer zackigen, gekerbten Ränder und der eingeritzten Sprüche sehenswert. Besonders zu beachten ist ein erst jüngst von mir erworbenes Schofarhorn, an dessen Oberrande ein kleiner Widder ausgekerbt ist. Von den Textilien befindet sich nur ein Teil im Vorraum der Sammlung. Der Rest ist im letzten Schaukasten rechts untergebracht. Am prunkvoll* sten bietet sich der große Damast*T a 11 i t h dar, den früher ein Mitglied der Hamburger portugiesischen Gemeinde trug und der uns von einem weiblichen Berliner Nachkommen (Tertha Prochownik geb. Hellwitz) geschenkt wurde. Die Atara*Stelle, die den Kopf bedekt, wenn der Tallith über diesen gezogen wird, ist mit einem 41 cm hohen und 50 cm breiten, kostbaren Brokatstoffe besetzt, dem große bunte Seidenblumen aufgestickt sind und an allen Seiten eine Goldborte von 6V2 cm Breite angefügt ist. Auch die vier Zizith*Ecken sind mit einer Gold* borte von 11 cm im Quadrat bedeckt. Ein seidener Tallith fällt gleichfalls durch seinen bestickten Eckenbesatz in Goldstoff (drap d'or) auf. Hier beträgt die Größe jedesmal nicht weniger als 24 cm im Quadrat. Die Stickerei hat in der Mitte einen Blumenkorb und ringsum ein Gewinde von Zweigen, alles aus feinster Silberborte mit bunten Blumen und Flitter. Den beiden großen Pracht*Gebetmänteln liegt ein sogenannter „kleinerTallith", ein Arba Kanfoth, würdig zur Seite. Aus grünem Seidenatias auf der Vorderseite, aus rotem Atlas auf der Rückseite, mit Verzierungen in reicher Gold= und Silber* Stickerei, mit Silber* und Goldborten macht das kostbare Stück den Eindruck, als wenn es noch gar nicht oder nur wenige Male benutzt worden ist. Die Öffnung zum Durchstecken des Kopfes ist nicht viereckig, sondern rund. Zu einem Tallith gehört ein Tallithbeutel, Der ausgestellte (Abb. 3), ein Geschenk des Gemeindevorstehers Oscar Stern in Kottbus, wird selbstverständlich von dem männlichen Publikum entsprechend gewürdigt, bildet aber wegen seiner Stickerei das Entzücken aller weiblichen Besucher. Der Beutel ist auf der einen Seite vollständig mit weißen und farbigen Perlen bestickt. Diese stellen zwischen Palmen ein mit Adlern geschmücktes Postament dar, auf dem sich die Gesetzestafeln mit den Anfängen des Zehnwortes erheben. Die andere Seite weist eine bunte Seidenstickerei mit Säulen, Blumen und Ornamenten auf, in deren Mitte zwei segnende Hände den Priesterstand des Besitzers andeuten. Wenn ein solcher Tallithbeutel ausgestellt ist, dürfen wertvolle Tefillinbeutel nicht fehlen. Die beiden ausgestellten Exemplare — der eine Beutel aus weißem, golddurchwirkten Rips mit roten und blauen Seidenblumen, Goldornamenten und Goldflitter bestickt und mit schmalen Goldborten versehen, der andere aus Brokat mit eingewebten, bunten Blumen, oben mit Goldborte und Brokatschnüren zum Aufhängen, an den anderen Seiten mit Gold* franzen, außerdem unten mit Goldtroddeln — werden wenige ihresgleichen haben; sie stammen aus dem 18. Jahrhundert, während der Tallithbeutel im Anfange des 19. Jahrhunderts entstanden ist. Der Mazzothbeutel, der in demselben Schau* kästen liegt, ist eine Mazzoth=Tasche, in der am Sederabend, wie oben geschildert wurde, die drei Sedermazzoth verwahrt werden. Vorne aus Samt, hinten aus Seide, ist unser Stück (18. Jahrhundert) auf der Vorderseite mit Goldstickerei bedeckt, an den Seiten hängen Goldfranzen herab. Neben den Kultustextilien des Schautisches sei noch auf das Parade*Handtuch aus dem Jahre 1781 (Oberzell bei Würzburg) an der linken Seitenwand aufmerksam gemacht. Das starke Leinen