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Ost und West · 1922-07-01 · Heft 7-9 (Juli-August 1922) · p. Seite 203 - 204

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
22 (1922)
Issue
Heft 7-9 (Juli-August 1922)
Article
Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der jüdischen Gemeinde zu Berlin
Date
1922-07-01
Page
Seite 203 - 204 (sequence 5)
Language
German
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203 Das Judentum in christlicher Darstellung 204 ist mit rotem Garn und bunter Seide bestickt, unten ist eine Spitze angesetzt. Auf den Zweck des Handtuches weisen der Psalmvers 134,2: „Er* hebet eure Hände zum Heiligtum und preiset den Ewigen" und der Segensspruch über das Händewaschen hin. Die bildliche Darstellung begnügt sich mit einfachen Umrissen. In der Mitte sehen wir Adam, Eva und die Schlange, oben und unten Vögel auf Zweigen, ein Blumenarrangement haltend. Solche Dekorationshandtücher wurden früher an Sabbaten und Festtagen, besonders an den beiden Sederabenden, in der Nähe der Waschgelegenheit aufgehängt. Die schöne Sitte ist aus den jüdischen Häusern Deutschlands fast geschwunden. Heute liest man auf den Paradehandtüchern: „Morgen* stunde hat Gold im Munde"! — Der mittlere Schautisch rechts birgt in seinem Kasten nur graphische Blätter. In der ersten Aus* Stellung war hier eine Anzahl von pergamentenen, italienischen KethubasDokumenten des 18. Jahr* hunderts vereinigt, die in der Mitte den ge* schriebenen Text und ringsherum reiche, farbige Illustrationen aufweisen; auch eine Kethuba aus dem Jahre 1802, auf deren Rändern das ganze Buch Ester in kleinen Buchstaben geschrieben ist. Diesesmal sehen wir wiederum eine illustrierte Kethuba aus Italien (Massa di Carrara) vom 14. Tischri 5526 ("1765). Sie ist sowohl durch ihr Doppelportal und sonstige Malereien als auch dadurch bemerkenswert, daß außer den Zeugen der Bräutigam selber seinen Namen unter die Urkunde gesetzt hat. Daneben liegt eine illustrierte Kethuba vom 13. Ab 5582 (1822) aus Ancona (Abb. 4). Sie beweist, daß in Italien diese Sitte der mit Orna* menten und Darstellungen geschmückten Ehe* Urkunden auch in den späteren Jahren des 19. Jahr* hunderts nicht geschwunden ist. In Deutschland werden die Kethuboth ohne jeden bildnerischen Schmuck auf Pergament geschrieben, die Reform hat sie sogar durch papierne, gedruckte Blätter unter gleichzeitiger Änderung des Textes ersetzt. Sollte es nicht an der Zeit sein, diese nüchternen Dokumente nach dem Vorbilde Italiens künstlerisch auszugestalten, damit sie nicht nur in den. Ge* meindekanzleien aufbewahrt werden, sondern vor allem in unseren Familienhäusern, gleich den Photographien und Gemälden eingerahmt, eine Quelle der Erinnerung an eine der glücklichsten Stunden unseres Lebens bilden? DAS JUDENTUM IN CHRISTLICHER DARSTELLUNO Von George Foot Moore, Professor an der Harvard-Universität Cambridge (Mass.) Autor. Übersetzung aus dem Englischen von Rosalie Perles. (Fortsetzung.) Eines der Resultate dieser Erweiterung des Forschungsgebietes ist die Unterscheidung der verschiedenen Typen jüdischer Lehre betreffend den Messias und die letzten Dinge. Einen derselben, aus den messianischen Prophezeiungen des Alten Testaments entnommen, nennt er den landläufigen prophetischen Typus; der zweite ist der danielische Typus — wir würden sagen der apokalyptische — der Messias als der Menschensohn, der vom Himmel kommt; der dritte ist der mosaische Typus genannt, weil unter Messias der Prophet verstanden wird, wie einst Moses im Deuteronomium 18, 15; und endlich „der mystische mosaische Typus"36). Die scharfe Unterscheidung zwischen den prophetischen., und apokalyptischen Formen der Messiashoffnung mit den entsprechenden Unterscheidungen in der ganzen jüdischen Eschatologie rückte alle diese Probleme in ein neues Licht, und dieses Kapitel aus Gfrörers Werk hätte beträchtlichen Einfluß auf das weitere Studium dieses Gegenstandes. Gfrörer hatte in Tübingen unter Ferdinand Christian Baur studiert, dem er seinen Philo gewidmet hat. Was er plante, war eine Geschichte des Urchristentums, und er ging an seine Aufgabe mit dem Geiste und der Methode eines Historikers. Die Erforschung des alexandrinischen Judentums im „Philo" und des palästinensischen Judentums im „Jahrhundert des Heils" war notwendig, weil 3e) Das Jahrhundert des Heils II, 289—444. nur durch eine Kenntnis des zeitgenössischen Judentums die Anfänge des Christentums geschichtlich verstanden werden können. Der Autor wußte jedoch, daß die Forschung, um für diesen weiteren Zweck ihren vollen Wert zu haben, ohne Beziehung darauf betrieben werden müsse, und infolgedessen ist das Jahrhundert des Heils für sich selbst genommen eine Geschichte des palästinensischen Judentums im neutestamentlichen Zeitalter. Es war dies das erste Mal, daß der Versuch gemacht wurde, das Judentum darzustellen, wie es war, aus seiner eigenen Literatur, ohne apologetische, polemische oder dogmatische Vorurteile oder Tendenzen, und wie arg auch der alexandrinische Einfluß auf die palästinensische Theologie übertrieben sein mag, und was auch in anderen. Beziehungen für Irrtümer darin vorkommen, diese Tatsache allein macht schon das Buch denkwürdig. Gfrörer versucht nicht, die jüdische Lehre in die Form irgendeines Systems christlicher Theologie zu zwängen, sondern wählt eine der Sache angemessene Stoffanordnung. Nach dem Kapitel über die Quellen, von denen schon weiter oben die Rede war, und einem anderen über Erziehung und die Gelehrtenklasse bespricht er die jüdische Offenbarungslehre, die Gottesanschauung, die göttlichen Kräfte, die. Zwischenwesen zwischen Gott und der Welt (Schechina, Memra); Engel und Dämonen; Schöpfung, die Welt und ihre Teile; den Menschen, die Seele, die Unsterblichkeit, die Willensfreiheit und die Vorherbestimmung, die Sünde, den Sünden-

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