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Ost und West · 1922-07-01 · Heft 7-9 (Juli-August 1922) · p. Seite 199 - 200

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
22 (1922)
Issue
Heft 7-9 (Juli-August 1922)
Article
Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der jüdischen Gemeinde zu Berlin
Date
1922-07-01
Page
Seite 199 - 200 (sequence 3)
Language
German
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199 Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin 200 Abb. 3. Deutscher Tallith*Beutel (19Jahrhdt.) Königstochter wird das im Nil gefundene Moses* kind gezeigt. Ein ganz modernes Fabrikat ist der kleine Sederteller aus Feinzinn, der eine Mazzothbäckerei im Relief darstellt (Abb. 2). Er ist nach einer holländischen Vorlage des Jahres 1657 kopiert und in der Prägung vorzüglich gelungen. Die Szene zeigt uns einen reichen Privatmann, der an der Backtafel sitzt und sich offenbar seine Mazzoth ge* trennt von den übrigen backen läßt. Während der Mann zuschaut, sind zwei Frauen damit be* schäftigt, die Mazzoth in Empfang zu nehmen und «inzupacken. Der Bäcker holt mit dem Schieber die fertiggebackenen Mazzoth aus dem Ofen, und der Diener bringt sie nach dem Tische oder nimmt von dort den gefüllten Kasten fort. Es ist also das letzte Stadium der Mazzotherstellung, das sich vor unseren Augen abspielt. Das Ganze ist keine sklavische Kopie, vielmehr hat der talentvolle, moderne Zeichner die Gesichter der Personen und ihre Kostüme im Stile des 17. Jahrhunderts ver* schönt und idealisiert. Dadurch macht die Szene einen vornehmeren Eindruck, und man ist eher geneigt, in den beiden Frauen die Gemahlin und die Tochter des Privatmannes zu erblicken. Die fabrikmäßige Herstellung der Mazzoth mit Maschinen hat die Apparate und Formen, die früher gebraucht wurden, verdrängt. Man hat es verabsäumt, das eine oder andere Stück aufzube* wahren. Nur die Mazzotheisen, mit denen der Teig gestochen wurde, wanderten in die Museen. Unsere Sammlung kann sich rühmen, eine richtige, große Mazzothstampfezubesitzen. Im vorletzten Kriegsjahre 1917 brachte sie mir ein Freund unserer Sammlung in der berechtigten Erwartung, mir damit Abb. 4. Kethuba (Eheurkunde) aus Ancona (Italien) 1822 eine Freude zu bereiten. War doch mein Vater s. A. der erste, der in Berlin Mazzoth mit einer Maschine herstellte! Ich gedenke lebhaft des Winters 1870 zu 71, gleichfalls eines Kriegsjahres, da jener neuartige Betrieb im Berliner Ghetto der Klosterstraße, genau genommen in der Kalandsgasse, berechtigtes Aufsehen erregte. Schon damals wurde der Mazzothteig nicht mehr gestochen, sondern ge* rädert. Nur die alte Weise, Mazzoth durch Stampfen zu „Reibig" zu machen, war noch in Übung, später trat auch hierfür die Maschine ein. Unsere Mazzoth* stampfe stammt aus Jarotschin (Posen) und ist etwa 120 Jahre alt. Es ist ein großer Holzmörser mit einer nagelbeschlagenen Keule, die sich schon wegen ihres Gewichtes sehen lassen kann. Unsere Aufmerksamkeit Wird nicht allein von Bechern, Büchsen, Kannen und Tellern öder der vereinzelten Stampfe in Anspruch genommen. Wir können uns noch an einer ganzen Reihe anderer interessanter Ritualgegenstände erfreuen. Von Toraschmuckgeräten ist eine kostbare Leihgabe der Berliner, „Gesellschaft Hachnaßath Kalla", Aufsätze (Rimmoriim), Schild;(Taß) und Zeiger (Jad), zu bewundern. Taß und Jad stammen aus den Jahren 5520 (1759/60) bzw. .5517 (1756/57) und sind natürlich aus Silber. Im Gegensatze hierzu fallen zwei hölzerne Zeiger unserer eigenen Sammlung auf. Auch ein silberner Zeiger mit Korallenhänd aus dem; Jahre 5579 (1818/19) verdient unserer Beachtung... Ester * M egill ot mit Tllustrationen sind dieses mal nicht ausgestellt, Man hat 'aber früher nicht nur die Innenseiten der EsterroUe imit Bildern versehen, sondern auch auf Ausschmückung des Gehäuses Wert gelegt. So fesselt ein kleines, silbernes Ein* rollgehäuse, mit blauem und grünem Grubenschmelz

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