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Ost und West · 1922-07-01 · Heft 7-9 (Juli-August 1922) · p. Seite 197 - 198

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Journal
Ost und West
Volume
22 (1922)
Issue
Heft 7-9 (Juli-August 1922)
Article
Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der jüdischen Gemeinde zu Berlin
Date
1922-07-01
Page
Seite 197 - 198 (sequence 2)
Language
German
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197 Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin 198 als Eingravierung die Bilder und Namen der 12 Stämme und auf der Innenfläche den ganzen Schlußsegensspruch. Die Purimteller sind in Deutschland aus der Mode gekommen. Man schickt zwar in Gemeinden mit altjüdischem Leben „Schlachmones", benutzt aber hierzu beliebige Teller, Tortenschüsseln, Körbe. Die alten, zinnernen Teller tragen auf den Rändern die auf das Geschenkeschicken bezügliche Stelle aus dem Esterbuche IX, 22 als Inschrift und auf den Innenflächen eingravierte Darstellungen aus der Purimgeschichte. Auf unseren Tellern aus dem 18. Jahrhundert ist Mordechai im königlichen Schmuck auf dem Pferde dargestellt oder die ganze Szene, da Haman den auf dem Pferde sitzenden Mordechai herumführt. Auf einem dieser Teller, dessen ge* kritzelte Bilder von einem im Zeichnen unerfahrenen jungen Menschen (Kinde?) herrühren, ist noch König David mit der Harfe zu sehen. Der Pu* rimteller aus dem Jahre 1804 weist auf der Innens fläche eine Sternflgur und zwischen den Zacken verschiedene Tierbilder auf. Man könnte glauben, daß das Sternbild mit Bezug auf den Namen der Königin Ester (Stern) gewählt sei. Doch findet sich diese Zeichnung auch auf Sedertellern. Am Sederabend benutzt man heute meistens ein Gestell, das unten Fächer für die Mazzoth und oben eine Platte für die zum Seder notwendigen Symbole hat. In einfachen Verhältnissen legt man die Mazzoth auf einen Teller in die Fächer einer zusammengelegten Serviette und stellt die Symbole ringsherum auf oder gruppiert sie auf einem be* besonderen Teller. Die einfachen Verhältnisse Abb. 2. Kleiner Sederteller nach einem holländischen ...... Kupferstich d. J. 1657 Abb. 1. Deutscher Habdala/Teller (19. Jahrhdt.) waren früher die regulären, zuweilen wurden an Stelle der Serviette oder eines Tuches Beutel mit Tascheneinteilung benutzt. Die Schüssel aber für die Mazzoth oder die Symbole, die sogenannte Sederschüssel, war im Gegensatze zu heute stets ein besonderes Prunkstück. Mit Wohlgefallen betrachten wir die große, tiefe, reich verzierte Schüssel aus Zinn, die 1769 dem jüdischen Kultusbeamten in Hamm (West? falen) Samuel Wolf ben Pinchas Levi aus Glogau gehörte. Da haben die Zeichnungen nichts Kin* disches, sondern lassen einen ernsten, fleißigen Arbeiter erkennen, dem freilich die Ätzung besser als die Ritzung gelungen ist. Der hohe Rand trägt als Inschrift in 14 Absätzen die Sederordnung und unter dieser als Darstellung die 12 Bilder des Tierkreises, dazu zwei wappenhaltende Löwen und König David mit der Harfe, der Innenrand: den Namen des Besitzers, die Segenssprüche über das Händewaschen, über den Genuß des Bitterkrautes und der Mazza und als Darstellung die vier Söhne, von denen die Peßachhagada erzählt, die Innenfläche: ringsum als Text den Hagadasatz □">DDn 13^3 I^SN bis nnso und innerhalb des Kreises links das Bild des strahlenden Moses mit Stab und „Krone der Lehre", rechts Ahron mit Brustschild und Räucherpfanne, oben Adam und Eva zu beiden Seiten des Baumes, von dem die Schlange dem Weibe die Frucht reicht, unten Abraham, der das Messer erhebt, um Isak zu schlachten; der Widder ist im Gebüsche angedeutet. Nicht so reich geschmückt ist eine zweite, gleich große zinnerne Sederschüssel aus dem Anfange des 19. Jahrhunderts. Sie enthält außer dem Zitate der Hagada aus Exodus II, 24 nur eine einzige Zeichnung, diese dafür in großem Maßstabe: Der ägyptischen

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