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Ost und West · 1922-07-01 · Heft 7-9 (Juli-August 1922) · p. Seite 195 - 196

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
22 (1922)
Issue
Heft 7-9 (Juli-August 1922)
Article
Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der jüdischen Gemeinde zu Berlin
Date
1922-07-01
Page
Seite 195 - 196 (sequence 1)
Language
German
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195 Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin 196 DIE ZWEITE AUSSTELLUNG IN DER KUNSTSAMMLUNO DER JUEDISCHEN GEMEINDE ZU BERLIN Von Moritz Stern. Es gehört zu den stimmungsvollsten Szenen des von der Religion geweihten jüdischen Familien* lebens, wenn am Ausgange der Sabbate der Haus* herr im Kreise der Seinen den Becher Weins mit Dank für Gottes Hilfe emporhebt, während die Hausfrau die Beßomimbüchse und das jüngste Kind die Kerze in Händen halten, um sie nach dem ersten oder zweiten Segensspruche dem Gatten bezw. Vater zu überreichen. Bei der Anfertigung des Behälters für das wohlriechende Gewürz wird noch immer die mittel* alterliche Turmfigur verwendet. Unter den Hoch* zeitsgeschenken an ein junges Ehepaar befindet sich in der Regel ein silbernes Gewürztürmchen. Daneben begegnen uns alle möglichen Büchsen, Dosen, Kästchen usw. bald viereckig, rund oder länglich, bald in Kugel*, Zylinder*, Birnen* oder gar Herzform. Es ist jede Gestaltung recht, die dem Zwecke dient. Die Mandolinenform ist jedoch geschmacklos, und die Fischform ist nur vom Standpunkte des -Symbols aus annehmbar. Auf der 1908 im Kunstgewerbemuseum zu Düssel* dorf veranstalteten Ausstellung konnte man in der Reihe der jüdischen Gewürzbüchsen sogar ein Büchschen in Kreuzesform sehen! Das christliche Riechbüchschen war natürlich nur aus Versehen der Sammlung einverleibt worden. Unter den verschiedenen bei uns zur Schau dargebotenen Gewürzbehältern ist ein Gewürz* türmchen aus dem 17. Jahrhundert aus Silberfiligran in sechseckiger Form und dreigeschossig mit Helm besonders kunstvoll. Als Bekrönung der ersten Galerie dienen sechs Musikantenfiguren, auf der zweiten Galerie sind sechs Fähnchen, über dem zweiten Geschosse sechs Rosetten angebracht. Ein zweites Gewürztürmchen aus dem 17. Jahrhundert zeichnet sich durch drei runde Ecktürme aus. Die einfachste Form des Beßomimbehälters stellt das kleine, flache, viereckige, silberne Kästchen aus Assuan in Oberägypten dar. Ob die im Kästchen liegenden Lorbeerblätter die Jahrhunderte über* dauert haben oder erst in der Neuzeit hinein* gelegt wurden, läßt sich mit Sicherheit nicht feststellen. Den Bechern und Büchsen reihen sich die Kannen und Teller an. Zum Teil sind sie, da der Platz für alle nicht reichte, in der mittleren Vitrine bei den Channukalampen untergebracht. Yon Kannen sind nur zwei, eine große und eine kleine, vorhanden — über die Chewrahumpen, die keine Kultusgeräte sind, kann erst später ge* IX. sprochen werden. Die kupferne Wasserkanne zum Begießen der Priesterhände ist Eigentum der Berliner Alten Synagoge und an diese von Ben* jamin Holländer am Rüsttage des Neujahrsfestes 5542 (1781) geschenkt worden. Dies allein wäre kein Grund zur Ausstellung. Aber der Henkel, der eigenartige Schnabel und Deckel und vor allem die eingravierten Ornamente im türkischen Stil zeigen sofort, daß wir es mit keinem Berliner Erzeugnis zu tun haben. Die Kanne stammt aus Konstantinopel und war dort auf dem jüdischen Friedhofe, dem „Hause des Lebens", zum Hände* waschen freilich nicht der Priester, sondern aller Besucher vor Verlassen des ,,guten Ortes" im Gebrauch. Der gelehrte Konstantinopeler Vorsteher Zadok, Sohn des Naßi und Rabbiners Chajjim Levi, hat sie dorthin im Jahre 1620 geschenkt, und zwar gleichfalls an einem Erew Rosch haschana (5381). So wandern Kannen wie die Bücher und Petschafte. Die kleine Kanne ist ein stark vergoldetes, silbernes Ölkännchen aus dem Jahre des 50jährigen Jubiläums unserer Alten Synagoge 1764 (Geschenk des Jeremia ben Bendit und seiner Frau Rebecka), ein notwendiges Requisit, das bis ins 19. Jahr* hundert dazu diente, die Behälter des großen Channukaleuchters aus dem Jahre 1713 mit öl zu füllen. Teller sind in größerer Zahl. ausgestellt. Unser Blick fällt zunächst auf die Habdalateller. Solche aus Porzellan oder Steingut mit einge* brannter Spruchinschrift finden sich in jedem jüdischen Haushalte. Der in Abb. 1 wieder* gegebene silberne Teller aus dem Anfange des 19. Jahrhunderts hat auf dem Rande den stark getriebenen hebr. Psalmspruch XIX,9: „Das Gebot des Ewigen ist lauter, erleuchtet die Augen" mit Traubenornamenten in der Mitte und am Schlüsse des Spruches, sodann auf der Innenfläche schwächer getrieben mit hebräischen Buchstaben ..Gut Woch* und gut Jahr" in der Mitte eines Davidschildes. Das geschmackvolle Stück, das seit dem Ausgange des 19. Jahrhunderts wiederholt nachgeahmt worden ist, hat links und rechts je einen Griff und unten drei Füße, so daß der Teller nicht flach auf dem Tische ruht. Im Gegensatze zu diesem deutschen Silber* teller bringen die italienischen Habdalateller aus* führlichere Texte. Auf einem Fayenceteller ist das ganze Habdalagebet von Hinne bis lechol eingebrannt. Ein Zinnteller trägt auf dem Rande

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