Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 5 (1905)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1905)
- Article
- Was erzählen die Monumente Ägyptens über Israel?
- Date
- 1905-02-01
- Page
- Seite 119 - 120 (sequence 3)
- Language
- German
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119 Dr. A. Gutmann: Was erzählen die Monumente Aegyptens über Israel? 120 giösen Gebote, ja des ganzen religiösen Systems wurde. Zu welchem Zweck sollte er die für das Volksbewusstsein im Grunde ja demütigende Fabel erfunden haben, zumal das Land in den späteren Jahrhunderten von Aegypten fortwährend bedroht wurde? Oder sollte jener „Novellist" die allerdings „hübsche Geschichte" nur zu dem Zweck ersonnen haben, um zu der — ziemlich beherzigenswerten — Lehre zu. gelangen: „Du sollst den Fremden nicht bedrücken und sollst ihn lieben wie dich selber . . . denn Fremdlinge wäret ihr im Lande Aegypten?" . . . Gleichviel. Die ägyptischen Monumente schwiegen, folglich war die biblische Erzählung reine Dichtung. Mit Recht bemerkt Spiegelberg demgegenüber, „dass ein solches testimonium ex silentio nichts bedeutet. Man braucht sich nur einmal klar zu machen, wie lückenhaft unsere ganze Kenntnis der ägyptischen Geschichte auch für diejenigen Epochen ist, über die wir viel zu wissen glauben . . . Wir sind bis auf weiteres dazu verurteilt, uns aus Inschriften und sehr trüben späteren Geschichtsklitterungen, die zum grössten Teil historische Novellen sind, ein Bild der ägyptischen Geschichte zu rekonstruieren. Wenn in einem solchen Bau der „Exodus" noch fehlt, so kann das sehr wohl dadurch erklärt werden, dass sich zufällig die Bausteine noch nicht gefunden haben, welche diese Lücke einmal ausfüllen werden. (Es sei noch darauf hingewiesen, dass gerade die Denkmäler des Deltas, aus denen wir in erster Reihe Nachrichten über den Aufenthalt Israels in Gosen zu erwarten haben, besonders spärlich sind.) Denn im wesentlichen müssen wir nun einmal aus Inschriften und Papyris die Geschichte des alten Aegypten wieder herstellen. Das ist freilich ein quantitativ ungeheures Material . . . Wer aber die schier unübersehbare Menge der Inschriften auf ihre historische Brauchbarkeit ansieht, den wird dabei das Gefühl der Hoffnungslosigkeit überkommen . . Nur ein verschwindend geringer Bruchteil ist historisch verwertbar." Wenn dem gemäss das Schwei- Aegyptische Darstellung kriegsgefangener Asiaten, die unter Aufsicht eines Fronvogtes (des oben rechts kauernden Mannes mit demStock) Ziegel streichen. gen der ägyptischen Quellen nichts gegen die Wahrheit des biblischen Berichtes beweist, so würde die pharaonische Historiographie, auch wenn sie vom Exodus der Israeliten reden würde,, ihn natürlich anders darstellen als das Alte Testament. ,,Vielleicht würde sie den Auszug der Israeliten als deren Vertreibung und Niederlage darstellen." Andererseits darf man die Erwägung nicht ausser acht lassen, dass „das Ereignis, welches für Israel die Geburtsstuncle seiner nationalen und religiösen Entwickelung bedeutete, in der ägyptischen Geschichte ein harmloses Intermezzo war, das niemand sehr beachtet haben wird . . . Für den ägyptischen Staat war der Auszug Israels ebenso gleichgültig, wie für den römischen die Kreuzigung Jesu, über die uns keine Inschrift, kein römischer Schriftsteller berichtet hat, weil das für uns weltgeschichtliche Ereignis damals nur lokales Interesse beanspruchen konnte". Aus den ägyptischen Quellen lässt sich also weder für noch wider die historische Tatsache des Aufenthaltes Israels in Aegypten schliessen. Ein „Glück" noch, dass der Name Gosen für eine ägyptische Provinz oberhalb Bubastis aus ägyptischen Dokumenten sich nachweisen lässt. Spiegelberg stellt sich nun die Aufgabe, ,,die geschichtliche Grundlage aufzuzeigen, auf welcher die ägyptische Episode der israelitischen Wanderung beruhen könnte". Auch nach ihm können wir die diesbezüglichen biblischen Berichte „nicht mehr als unmittelbar historisch betrachten, sondern bestenfalls als den Niederschlag alter Erinnerungen, die in Liedern und Sagen fortlebten". Den Ausgangspunkt für seine Untersuchungen bildet die von dem berühmten englischen Forscher Flinders Petrie im Winter 1896 in der thebanischen Totenstadt im Grabtempel des Pharao Merneptah ausgegrabene und von Spiegelberg entzifferte sog. Israel-Stele, das erste bekannt gewordene ägyp- .....—..... ......... tisch eMonument, in welchem der Namelsrael vorkommt. Freilich ist hiernicht etwa von einem Israel in Aegypten die Rede, sondern von einem Israel in Palästina, auch erzählt die In-