Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 5 (1905)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1905)
- Article
- Was erzählen die Monumente Ägyptens über Israel?
- Date
- 1905-02-01
- Page
- Seite 121 - 122 (sequence 4)
- Language
- German
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121 Dr. A. Gutmann: Was erzählen die Monumente Aegyptens über Israel? 122 schrift, die ein Hymnus zu Ehren des genannten Königs ist, nicht etwa den Auszug Israels, sondern dass der palästinensische ,,Israelstammverwüstet ist und ohne Feldfrucht", verwüstet namentlich durch den König Merneptah, der um die Mitte des 13. vorchristlichen Jahrhunderts gegen palästinensische Stämme siegreichen Krieg geführt haben soll. Auf Grund der Kenntnisse, die wir von dem Gang der ägyptischen Geschichte zwischen dem 17. und 11. Jahrhundert von der üblichen Zeitrechnung besitzen, entwirft Spiegelberg in geistvollen Auseinandersetzungen etwa folgendes Bild von dem historischen Hintergrund, auf dem der biblische Bericht vom Aufenthalt Israels im Reiche der Pharaonen und seiner wunderbaren Befreiung hingezeichnet wurde. Im 17. und 16. Jahrhundert siedelten sich semitische Stämme, über die Landenge von Suez kommend, in Unterägypten an. Diese Stämme wurden vermutlich durch die etwa anderthalb Jahrhunderte andauernde Herrschaft der semitischen Hyksos im Pharaonenlande angezogen. Einige dieser Stämme Hessen sich in dem fruchtbaren Weidedistrikt Gosen nieder; diese Vergünstigung kann ihnen zuteil geworden sein dank der Protektion eines Stammesgenossen (Joseph), der, wie viele semitische Beamte, damals eine hohe Stellung im Staat einnahm. Auch nach der Vertreibung der Hyksos mag dieser Stamm in Aegypten ruhig und unbehindert geblieben sein. Mit der Zeit änderte sich die politische Lage des ägyptischen Reichs im ungünstigen Sinne, so dass die Existenz einer semitischen Insel im Lande für dieses zur ernsten Gefahr wurde. Ramses II. (regierte etwa 1324—1258) sah sich daher veranlasst, den semitischen Gosenstamm zu überwachen und zu bedrücken (ihn zur Fronarbeit zu zwingen, wie wir dies auf einer ägyptischen Darstellung sehen). König- Ramses II. war also „der Pharao der Bedrückung". Unter Merneptah, dem Sohn und Nachfolger Ramses' IL, brachen jedoch über das Reich von allen Seiten Gefahren herein, die es an den Rand des Verderbens und des Unterganges brachten. In Syrien und Palästina, welches seit mehreren Jahrhunderten unter ägyptischer Oberhoheit stand, empörten sich die semitischen Stämme, unter diesen auch der längst im Lande wohnende, nachher vom Aegypterkönig unterworfene Israelstamm, der vermutlich mit den ihm stammverwandten Semiten in Gosen, die seit Ramses arg bedrückt wurden, Fühlung unterhielt. Die Bedrückten erhoben sich gegen den König Merneptah, die günstige Gelegenheit benutzend, und erzwangen sich unter Führung ihres Oberhauptes Mose freien Abzug nach ihrem ursprünglichen Heimatlande,, wo sie sich ihren israelitischen Brüdern anschlössen, um im Verlaufe der Zeit mit ihnen zu einem Volke zu verschmelzen. Von Siegf; Szene: Sprechzimmer eines jungen Arztes. Arzt (im Lehnstuhl die Pfeife rauchend): Habe nun endlich mit Ach und Krach Studiert das Medizinerfach; Dürft' in den Kliniken und Sälen Sechs Jahre lang mich mit Kranken quälen, Musst' ganze Rollwagen Bücher verschlingen, Meisterte mich an den schwierigsten Dingen, Prüfte der Krankheit tiefinnerstes Wesen, Ochste unsinnige Hypothesen, Nenne „Chirurg" mich und „Psychiater", Bin ein leibhaftiger „Doktor" sogar: Trotz allem, Galen, du mein Meister und Vater, Sind meine Patienten so furchtbar rar! A.m Hause draussen mein Namensschild Hat wenige noch mit Neugier erfüllt, Und, grausamer Hohn, mein Wartezimmer Wartet auf kranke Besucher noch immer! Wer allenfalls den Weg zu mir kennt, ed Seiinger, Nachdruck verboten. Ist Heiratsvermittler oder Agent!---— Da sitz ich nun, ich armer Tor, Saug' an der geliebten Pfeife Rohr Und möchte, um nicht meines Elends zu denken,. In andre Weisheit mich mal versenken .... (steht auf und sucht auf dem Bücherbrett) Ihr würdigen Klassiker, lange verstaubt, Herunter von euren dunklen Regalen! Heut soll eure Fülle mir köstlich erstrahlen, Ah, sieh da: Herr Wolfgang von Goethe? Erlaubt „Faust, der Tragödie erster Teil!" Ob ich bei dir heut ein wenig verweil'? Sei es! Ich will dich willkommen heissen, Magst mich aus trüber Betrachtung reissen, Faustisches Feuer in mir entzünden; Dass ich des Daseins Rätsel erfasse, Vom rechten Weg mich nicht drängen lasse. Soll mir ein Stündchen gewinnreich schwinden! (blättert im Buche.)