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Ost und West · 1905-02-01 · Heft 2 (Februar 1905) · p. Seite 111 - 112

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Journal
Ost und West
Volume
5 (1905)
Issue
Heft 2 (Februar 1905)
Article
Der Tod der Debora Traub
Date
1905-02-01
Page
Seite 111 - 112 (sequence 3)
Language
German
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III Richard Huldschiuer: Der Tod der Debora Traub. 112 FRIEDRICH BEER. MARMORBÜSTE. Henry Haynie. (Redakteur des „Chicago Herold".) indem etwelche aufstanden und sagten: „sie hat es in ihrer Ehe schwer getroffen, indem die Schwiegermutter sie mit bösen "Worten quälte und die Schwägerin, die ihr ihre Schönheit neidete, sie gar der Untreue bezichtigte. Da verschaffte sie sich das Ratzengift und schüttete es ihnen in die Suppe." Grosser Gott, Herr der Heerscharen, der du die Herzen und ihre Gedanken kennst, du weisst auch hier die Wahrheit. Aber es sollte sein, dass die Bösen triumphieren, und Debora wurde verurteilt. Am Sabbat Par. Jithro sind dann die Vorsteher unserer Gemeinde beim Gerichtsherrn in Audienz gewesen und hielten an, dass sie einen Gelehrten zu ihr schicken wollten, damit sie als Jüdin sterbe, wie denn auch der genannte Herr allsogleich Order gab, einen Gelehrten zu ihr zu schicken. Aber Hirsch Halbersladt entschuldigte sich mit seiner geschwächten Gesundheit. Da gaben sie mir den Auftrag. Und ich nahm Tallis und Tephillim und ging nach der Frohnerei. Es war schon gegen Abend. Die Debora sass auf ihrer Pritsche, sah gerade aus und rührte sich nicht, als ich ihren Kerker betrat. Ich hatte sie lange nicht gesehen, und mein Herz schnürte sich zusammen, da sie meines Kommens so gar nicht acht zu haben schien. „Debora, fürchte Dich nicht!" sagte ich. „Gott ist mit Dir. Ich komme zu beten." Sie aber sass bewegungslos. Nur ihre Augen wanderten gross und hell zu mir, und ein Lächeln verbreitete sich über das Gesicht, dass man Lieblicheres nichts sehen konnte. „Ich habe es getan," sagte sie mit leiser Stimme und fuhr sich mit der Hand über die Stirn, als jemand, der sich nur mit Mühe besinnt, „aber wenn ich Vergiftung verübt, so muss ich meine Sinne nicht gehabt haben; denn ich war ihnen nicht gram." „Debora," entgegnete ich und suchte meiner Stimme Festigkeit zu geben, „ich komme nicht als Richter, der nach Tat und Ursach fragt, ich komme als ein Freund und will bei Dir bleiben. Siehe, der Tod ist nichts, und sein Schrecken ein Windhauch, der vorübergeht." „Ich fürchte mich nicht," sagte sie, „ich sehne mich nach meinem Kinde." „Soll ich es holen?" Da schüttelte sie den Kopf. „Nein, es ist besser, wenn es mich nicht gekannt hat. Ach, wie habe ich gebetet, dass es nicht lebend zur Welt komme! Aber Gott hat mich nicht erhört. Nun ist es der Sohn der Mörderin." Ich setzte mich zu ihr, nahm ihre schmale Hand, auf der sich die blauen Adern abzeichneten, in meine Hände und sprach mit ihr von Gottes Gnade. Aber sie achtete nicht darauf und fragte nur immer nach dem Kinde, ob es gewachsen sei, wie die Farbe seiner Augen sei, ob es gut reden gelernt habe. „Es muss ja gross und stark geworden sein in diesen vielen Jahren, da ich hier warte," meinte sie auch. Und Hess sich nicht überzeugen, dass sie erst vierzehn Monate im Kerker, und dass das Kind noch kein Jahr alt sei, wie es sich doch wirklich verhielt. „Sieh nur, ich bin ja grau geworden," sagte sie, lüftete ihren ehrbaren Scheitel ein weniges und Hess mich ihr armes Kopfhaar sehen, das einen grauen Schimmer zeigte, als sei es leichtlich mit Mehl bestreut. „Ich weiss es gut, wie alles gewesen ist," fuhr sie schliesslich fort. „Ich stand am Herd und schüttete aus der Tüte, die der Apotheker mir gegeben hatte, eine Messerspitze voll in eine Pfanne, in der etwas kochte. Und dann trug ich eine Biersuppe in die Stube, und da sass die Mutter am Tisch, und da meine Schwägerin Fratje und strickte einen Strumpf. ,Ich habe mich erkältet', sagte Fratje, ,und da bringst Du mir etwas Heisses. Das soll mir wohl gut tun.' Und dann assen sie beide und ich stand und sah zu, wie der Dampf aus den Tellern aufstieg, so heiss war die Suppe. Aber nachher schwand dieses alles aus meinem Gedächtnis. Als sie kamen, mich abzuholen, wusste ich nicht, was sie wollten. Erst als ich in Wehen lag, im Spinnhaus, fiel es mir auf einmal ein, dass ich etwas aus der Tüte in die Biersuppe geschüttet hatte. Und sagte es auch vor Gericht. Aber sie wollen es ja nicht glauben, dass ich es nicht absichtlich getan. Ich habe jetzt oft darüber nachgedacht, ach so oft! weisst Du, in der Nacht, wenn ich so lag und nicht schlafen konnte, weil es im Kopf immer hämmert. Aber ich habe es wirklich nicht mit Absicht getan, wirklich nicht. O Gott, warum sollte ich auch! Sie hatten es sicher nie bös gemeint, wenn sie mit mir

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