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Ost und West · 1905-02-01 · Heft 2 (Februar 1905) · p. Seite 89 - 90

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
5 (1905)
Issue
Heft 2 (Februar 1905)
Article
Friedrich Beer
Date
1905-02-01
Page
Seite 89 - 90 (sequence 4)
Language
German
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89 Dr. Theodor Zlocisti: Friedrich Bcci. 90 einstiger Grösse — die Sclvchinoh — «liegt auf ihm ausgegossen." Und neben diese Statue stelle man das Medaillonbild Michelangelos. Die Anlage des Kindes und die 'Vollendung des Meisters. Das sinnende Träumen des Knaben, fast noch ein Spiel, und die menschgewordene Tragödie des Künstlers. Das Gesicht verwittert, wie der Stein, den die zerstörende Wucht der Jahrtausende umbraust. Ein bittres Lachen in der Tiefe. Durchwachte Nächte, zertrümmerte Hoffnungen, die grosse Verzweiflung der Schaffenden, den sein Schicksal seiner Sendung zerzaust, nicht das Geschick des äusseren Lebens; das gigantische Los des .Ringkämpfers um die letzten und höchsten Werte — leben sie nicht in diesen zermarterten Zügen? Und die ganze, einsame Heimatlosigkeit des Genius, der in diese Tartaruswelt der Neider und Zwerge, in die Unzulänglichkeit eines staubgeborenen Menschenleibes hineingeboren ward? Die Heimatlosigkeit — ich hatte immer das Gefühl, als hätte dieser Plakette ein vertriebener Jude gesessen. Dieses Werk im New-Yorker Museum hatBeers Ruhm in Amerika befestigt, nachdem sein Monument Washington Irvings und die grosszügige, gedankenschwere Statue Colurnbus ihn begründet hatten.--- . . In den letzten Jahren hat sich Friedrich Beer aus dem geräuschvollen pariser Treiben nach Florenz FRIEDRICH BEER. MARMORBÜSTE. Mrs. Potter. (Berühmte amerikanische Schauspielerin.) zurückgezogen. Die Schaffensfreude ist ihm gefolgt. Die Probleme des jungen Judentums haben ihn stark ergriffen und Werke gezeitigt, die eine gar seltsame Synthese des klassischen Hellenismus und jüdischer Gedankenwelten sind. Er hat keine zerknitterten Juden, keine gedrückten Ghettomenschen modelliert. Ueber Rasse und über die Zeit sind seine Gestalten hinweggehoben: keine anthropologische Sonderheit, keine ethnologischen Details in Kleidung und Gehaben. Juden — nur Menschen mit jüdischem Empfinden und jüdischen Gedanken. Die Medaille, die er für den Zionistenkongress entworfen, hatte trotz aller Zartheit und allen Duftes manchen enttäuscht.1) Kein einziges jüdisches Emblem . .! Kein einziges äusseres Merkzeichen des besonderen Zweckes. Wandernde Menschen, die am Wege rasten. Eine gütige Fee weist sie nach Osten, wo die Sonne gross und klar hinter den Bergen emporsteigt. Zur Sonne, zum Osten, muss eure Sehnsucht, wie die Sehnsucht des Baumes, der gierig seine Zweige dem segnenden Lichte entgegenstreckt — Naturgesetz! Dieses Ringen nach den Ewigkeitwerten in der Gedankenrichtung jüdischer Weltanschauung hat seinen FRIEDRICH BEER. MARMORBÜSTE. Comtesse Clermönt-Tonnerre. *) Siehe ..Ost un.l West", Band III (190:5), Spalte 739/740. Xovcmhorljcft.

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