Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1905-02-01 · Heft 2 (Februar 1905) · p. Seite 81 - 82

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
5 (1905)
Issue
Heft 2 (Februar 1905)
Article
Das Judentum un das Wesen des Christentums
Date
1905-02-01
Page
Seite 81 - 82 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2583875-2583931-2583934-2591547--04827-2591625
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

SI —M—G—: „Das Judentum imd das Wesen des Christentums." SJ griechischen Welt machte, schildert Harnack selber mit folgenden Worten: „Das, was man im Alten Testamente las, erschien teils als eine Welt von Geheimnissen, teils als ein Kompendium der tiefsten Weisheit. Durch den unerschöpflichen Reichtum des Stoffes, seine Mannigfaltigkeit, Vielseitigkeit und Extensität erschien er wie ein literarischer Kosmos, eine zweite Schöpfung, der Zwilling der ersten. Das war sogar der stärkste Eindruck. Dass dieses Buch und das Weltganze zusammengehören und dem gleichen Urteil unterliegen, war die verbreitetste Meinung unter den Griechen, die vom Alten Testament berührt waren. Mochten sie über das Buch noch so verschieden denken — dass es eine Parallelschöpfung zur Welt sei, und dass beide Grössen auf einen Urheber zurückgehen, erschien . . das sicherste. Ueber welches andere Buch ist jemals in der Geschichte von denkenden Menschen ein ähnliches Urteil gefällt worden?" Um diese Uebersefzung, wie um einen Stamm, rankte sich eine reiche Fülle von Schriften jüdischen Inhalts, die in die aufgeklärte Heidenwelt drangen und der jüdischen Lehre Seelen warben. Heiden besuchten die Synagogen der Juden, feierten den Sabbat, nahmen auch andere jüdische Sitten an, in grossen Massen traten sie sogar förmlich zum Judentum über. So bereitete das Judentum seiner Nachfolgerin das Feld vor. Eschelbacher wirft sodann einen Blick auf das Christentum in seiner selbständigen Entwickelungnach seiner langsamen aber entschiedenen Loslösung vom Mutterboden. Hier tritt uns die Gestalt des Paulus plastisch entgegen. Wir verfolgen die Kurve, welche der Siegeslauf der katholischen Kirche durch die Weltgeschichte beschrieb, bis sie in die Reformation einmündete, und eine stufenweise Reduzierung der Dogmen eintrat, die eine Annäherung an die Glaubensvorstellungen der Judenchristen brachte. Eschelbachers Synthese gipfelt in dem Satz: ,,Und in der Tat können in diesem Begriffe der Religion, im Streben nach Erkenntnis Gottes und der Liebe zu ihm die Denker der verschiedensten religiösen und philosophischen Richtungen sich zusammenfinden. Und wie sie sodann auch im einzelnen auseinandergehen mögen, in den Werken der Nächstenliebe können sie wieder zusammengehen und in friedlicher Verständigung miteinander an der Lösung der grossen sozialen Aufgaben der Gegenwart und der Zukunft arbeiten." So klingt dieses Buch der Polemik in einen FRIEDRICH BEER. DÜRER ALS KIND. Ruf des Friedens und der Harmonie aus. Der Verfasser darf sich sagen, dass er nicht nur ein bedeutendes, sondern ein gutes, fruchtbringendes Werk vollbracht hat, welches den Seelen vieler, die nicht zu den Geringsten unter uns gehören, den Frieden, die Zuversicht und das Vertrauen in dem ewigen Wert des Judentums, die Freudigkeit an der Arbeit um seine Weiterentwickelung und Vertiefung wiedergeben wird. Endlich, endlich, nach einem sehr langen Zeitraum, fast nach Jahrzehnten haben wir wieder einmal einen Rabbiner der ersten jüdischen Gemeinde Deutschlands, dem es nicht genügt, unser ,.Seelsorger" zu sein, das heisst, uns mit schönen Redensarten zu verheiraten und mit rührenden Phrasen zu

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.