Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 22 (1922)
- Issue
- Heft 5-6 (Mai-Juni 1922)
- Article
- Das Judentum in christlicher Darstellung
- Date
- 1922-05-01
- Page
- Seite 161 - 162 (sequence 6)
- Language
- German
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161 Das Judentum in christlicher Darstellung 162 in einer Sprache bot, deren voller Sinn nur durchdiejenigen verstanden werden konnte, die den kabbalistischen Schlüssel hatten. Seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts hat die Kabbala aufgehört als Erklärer jüdischer Lehre zu Beginn unserer Äral zu gelten, aber in moderneren Darstellungen dieser iLehre — z. B. über die Natur und das Amt der sogenannten Zwischenwesen in der jüdischen Theologie — sind die rabbinischen Texte in den Targumim, im Talmud und Midrasch noch in unbewußter Abhängigkeit von einer kabbalistischen Tradition ausgelegt. Noch ein Band, fast gleichzeitig mit Schöttgens Horae erschienen, verlangt eine kurze Erwähnung, nämlich Johann Gerhard Meusehen,« Novum Testamentum ex Talmude et antiquitatibus Hebrasorum illustratum (1736). Es ist dies eine Sammlung von zum Teil unedierten Schriften mehrerer Verfasser. Meuschens eigenen Beitrag bildet nur die Einleitung und eine Abhandlung über den Nasi oder Vorsitzenden des großen Sanhedrin. Den ersten Platz in dem Bande (S. 1—232) nimmt ein Balthasar Scheid, Prasterita Praeteritorum, Illustrationen ausgewählter Stellen aus dem Neuen Testament hauptsächlich aus dem Babylonischen Talmud, zum Teil nicht unähnlich Lightfoot, aber mit weniger bloßen Glossen, und im allgemeinen mit vollständigerem Rommentar zu den betreffenden Texten. Zunächst sammelt und glossiert Scheid die talmudischen Stellen, an welchen Jesus und seine Jünger erwähnt werden, eine Vorweg^ nähme, von welcher die später über diesen Gegenstand schreibenden Gelehrten keine Notiz zu nehmen schienen. Nahezu 800 Seiten sind eingenommen durch Dissertationen, Vorreden usw. von Johann Andreas Danz (gest. 1727). Danz war einer der hervorragendsten Hebraisten seiner Zeit, und diese Schriften erweisen ihn, wenn es die Gelegenheit erfordert, als sehr belesen auch in klassischer und patristischer Literatur. Was für Gegenstände er auch behandelt, er erörtert sie mit erschöpfender Gründlichkeit, mag es die Proselytentaufe in Beziehung zur Taufe des Johannes sein, oder das Gesetzter talio, oder die jüdische Exkommunikation (zur Illustration von Matth. 18, 18), oder die Idee der Erlösung (I. Pet. 1, 18f.). Besondere Aufmerksamkeit verdient die Reihe von Programmen über die Schechina (zu Johannes 14, 23). Aus dem übrigen Inhalt des Bandes sei noch die Kontroverse zwischen Rhenford und Witsius über den Ausdruck ,,die kommende Welt" in der jüdischen Literatur und im Neuen Testament erwähnt. Der springende Punkt des Streites ist die Frage, ob Olam habba gleichbedeutend ist mit den ^, Tagen des Messias", was Rhenford widerlegt. Wettstein, in seiner Ausgabe des Neuen Testaments (1751, 1752, zwei Bände Folio), fügt dem Text und kritischen Apparat einen commentarius plenior bei, der ex scriptoribus veteribus Hebrasis, Grascis et Latinis historiam et vim verborum illustriert. Zu den Illustrationen aus griechischen und lateinischen Autoren benutzte Wettstein außer seiner eigenen Belesenheit die weitläufigen Stoffsammlungen auf diesem Gebiete bei Kommentatoren, wie Drusius, Grotius und anderen. Diejenigen aus dem Talmud und anderen rabbinischen Quellen sind in der Hauptsache den Werken entnommen, die weiter oben beschrieben wurden, besonders aus den scholienartigen, wie Lightfoot und Schöttgen. Diese Parallelen und Illustrationen wurden hauptsächlich in der bequemen Auswahl Wettsteins von den nachfolgenden Kommentatoren und Theologen benutzt und gingen so in eine sekundäre Überlieferung über, welche im Laufe der Wiederholung ihren Ursprung vergessen hatte. IL Das neunzehnte Jahrhundert bis auf unsere Zeit. Das siebzehnte Jahrhundert war das große Zeitalter der hebräischen Studien unter den christlichen Gelehrten. Es dauerte bis gegen die Mitte des achtzehnten und brach dann plötzlich ab. Die Werke dieser Periode umfassen die Resultate früherer Forschungen in jüdischer Literatur von Raymund Martini an und fügen reiches Material hinzu, das die Arbeiten späterer Generationen aufgehäuft haben, sowohl aus rabbinischen wie aus kabbalistischen Quellen. Und zu diesem damals angesammelten Apparate wurde seitdem wenig hinzugetan. Wenn, inach einer langen Unterbrechung, einige Gelehrte im neunzehnten Jahrhundert die Studien über das Judentum wiederaufnahmen, so geschah es zu einem ganz anderen Zweck und nach einer dementsprechend verschiedenen Methode. Diese späteren Autoren würden ihr Ziel als ein religiohsgeschichtliches bezeichnet haben — nämlich die Glaubensmeinungen und Lehren des Judentums in neutestamentlicher Zeit oder in den frühen Jahrhunderten der christlichen Ära darzulegen.' Zu bekannte MundwalTer O D O L und von unerreichtem unfehädlichen Salzen desinfizierend, reinigt die Zähne und Wohlgefchmadt ift die ODOL~XallLlxp£lLflefcmacht fie blendend weiß, ohne den Schmelz anzugreifen.