Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1922-05-01 · Heft 5-6 (Mai-Juni 1922) · p. Seite 159 - 160

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
22 (1922)
Issue
Heft 5-6 (Mai-Juni 1922)
Article
Das Judentum in christlicher Darstellung
Date
1922-05-01
Page
Seite 159 - 160 (sequence 5)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
88% known words query
IRI
…/2583875-2584108-2584111-2591498--18509-2591534
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

159 Das Judentum in christlicher Darstellung 160 wright haben, daß er so oft Buxtorfs gedenkt, sogar auch dann, wenn er die lexikalen Angaben desselben vervollständigt oder verbessert. Das Mellificium, welches den modernen Autoren ganz unbekannt zu sein scheint, ist eine nützliche Ergänzung Lightfoot und Schöttgen, weil es seine Parallelen) zu einem so beträchtlichen Teil aus den palästinensischen Midraschim schöpft, in welchen der Autor augenscheinlich viel gelesen hatte. Wenn .man hinzufügt, daß sich das Werk nicht nur auf die Evangelien erstreckt, sondern auch auf die Apostelgeschichte, die Episteln und die Apokalypse, so liegt wohl hinreichend Grund dazu vor, das Andenken an iden gelehrten Christopher Cartwright aufzufrischen. Das bekannteste Werk dieser Art sind die Horae Hebraicae et Talmudicae von John Lightfoot. Nur die Partien über die Evangelien und den ersten Korintherbrief wurden vom Verfasser selbst herausgegeben29). Die Apostelgeschichte erschien postum und der Römerbrief als ein Fragment aus Lightfoots Noten. Jedem Teile der Evangelien geht eine 'Untersuchung über die darin vorkommenden Gegenden aind Plätze voran, besonders im Lichte von 'Beschreibungen und Nachweisen aus dem Talmud, und diese chorographischen Studien füllen einen ansehnlichen Teil des Bandes — ein teihveiser Vorläufer des großen Werkes von Adrian Reland, Palaestina ex monumentis veteribus illustrata (1714). Ungleich. Cartwright sind die Hauptquellen für Lightfoot die beiden Talmude, mit welchen er häufig Raschi und die Tosaphot zitiert. Auch iMaimonides und die Bibelerklärer werden oft zitiert; seine lexikalische Autorität ist der Aruch. Wo es sich' um Gegenstände von besonderem Interesse handelt, machen die Scholien einem oft weitläufigen Exkurse Platz, zum Beispiel über jüdische Taufe, die Sekten, Synagogen, das Sanh'edrin, das pessachritual u. dgl. "Zahlreiche Dunkelheiten des griechischen Textes werden durch Vergleichung mit dem hebräischen, oder aramäischen Sprachgebrauch aufgeklärt. Ein gutes Beispiel dafür ist das ganz unverständliche ötyh de oaßßdzcov xfj tnitpcoGyovo)] eig fiiav aaßßaxav, yAöiMocqIcc fj Mayöu- Mpv)1 X-t-A. (Matth. 28, 1). Manche modernen Kommentatoren und Kritiker hätten einen Sinn herausbekommen aus dem Verse und ihätten seine Beziehung zu den Parallelen verstanden (Mark. 16, 1; Lukas 24, il), wenn der Umfang ihrer Kenntnisse weit genug gewesen wäre, auch das siebzehnte und achtzehnte Jahrhundert einzuschließen30). Die Horae Hebraicse et Talmudicae in Universum Novum Testamentum von Christian Schöttgen (1733) bezeichnen sich auf dem Titelblatt und in der Vorrede als ein Supplement zu Lightfoots! Arbeit über die Evangelien, und für den Rest des1 Neuen Testaments als eine Fortsetzung des unvollendeten Werkes dieses Gelehrten. Dein Bande beigegeben sind sieben kürze Untersuchungen über verschiedene Themata, so zum Beispiel über das 29) Die einzelnen Teile von Lightfoots Horas erschienen gesondert: Matthasus 1658, Marcus 1663, I. Korintherbrief 1664, Johannes 1671, Lucas 1674, Apostelgeschichte und Römerbrief (posthuni) 1678, herausgegeben von Richard Kidder. 30) Siehe Schmiedel, Encycl. Biblica IV, 4041 ff., vgl. 4072, und zur Stelle selbst Moore jAOS XXVI (1906), 323—329. Himmelreich31), das (himmlische Jerusalem in jüdischer Darstellung, und über Christus, den größten der Rabbiner. Eine derselben, betitelt „De Exergasia Sacra", ^Beobachtungen über den Parallelismus in /hebräischem Stil, "ist eine interessante Vorwegnahme von jLowths 20 Jahre später veröffentlicher Theorie der hebräischen Poesie. Schöttgens Belesenheit war nach seiner Vorrede und dem beigegebenen Bücherverzeichnis weit ausgedehnter als Lightfoots. Er zieht den Sohar heran (durch •Knorr von Rosenroths Kabbala Denudata), und mehrere kabbalistische Werke, von Bechai (Bachja ben Ascher) bis herab' zum Jalkut Rubeni. Im Jahre 1742 .Veröffentlichte Schöttgen einen zweiten iBand, auch unter dem Titel Horae Hebraicae et Talmudicae, aber mit der genaueren Spezialisierung, ,,in Theologiam Judaeorum dogmaticam antiquam et orthodoxam de Messia". Diese stattliche Monographie von mehr als 700 Seiten in Qxiart, mit ein paar beigegebenen Dissertationen und einem Anhang über rabbinische Literatur und andere Dinge, die das Ganze auf rund 1000 Seiten bringen, ist nicht wie der uneingeweihte Leser nach dem1 Titelblatt vermuten würde, und wie der Autor selber zweifellos in gutem Glauben meinte, eine Darlegung des Messianismus ,in der „alten und orthodoxen dogmatischen Theologie der Juden" — die niemals existierte —, sondern ein Versuch, zu beweisen, daß die ganze orthodoxe dogmatische Christologie der Kirche zu Anfang unserer Ära schon bei den Juden in .Geltung war und in ihren alten und autoritativen Büchern gelehrt wurde, den exote-' rischen wie den esoterischen. Wie bei allen ähnlichen Darlegungen hatte die Kabbala den Beweis zu liefern, und Schöttgen ist so vollständig überzeugt von der Christlichkeit des Sohar, daß er allen, Ernstes zu beweisen unternimmt, daß sein angeblicher Verfasser R. Simeon ben Jahai, selber ein Christ gewesen ist (S. 901—917). Diese These wurde durch^Justus Glaesener bestritten (er selbst ist der Autor einer Theologia Soharica), in einer Abhandlung wieder abgedruckt in Schöttgen (S. 918—935),"gegen welche Schötteen seine Theorie verteidigt (ib. S. 935—949). Was aber nachhaltigeres Unheil anrichtete als all diese kabbalistische Christlichkeit bei Schöttgen und anderen war die Tatsache, daß auf ihre Annahme hin die echten rabbinischen iQ.uellen durch die Kabbala interpretiert wurden, mit welcher sie isich' vermeintlich in voller Übereinstimmung befanden — nur daß sie, wie es bei esoterischen Schriften natürlich war, ihre erhabenen Lehren dunkler andeutete und 31) Ein Versehen Schöttgens in dem ersten Paragraphen der Untersuchung „de Regno Ccelorum" (I, 1147) ist wahrscheinlich die Quelle einer irrigen Angabe, die durch eine ganze Reihe neutestamentlicher Wörterbücher und Kommentare sich fortpflanzt, nämlich daß ilßaoiApia x&v oöQavwv bei Matth, dem Ausdruck D'DtPn ITD?Ö im rabbinischen Hebräisch entspreche. Schöttgen sagt das ausdrücklich. Doch wenn die Gelehrten, die sich auf sein Wort verließen, die Beispiele beachtet hätten, die er auf den folgenden Seiten und anderwärts (zu Matth. 11, 19, S. 115 ff.) anführt, oder, die Lightfoot zu.Matth. ,3, 2 zusammenstellt, hätten sie entdeckt, daß es im Rabbinischen immer D*ÖtP n'D?D heißt und daß Lightfoot richtig als Metonymie für ,,Gott" erklärt. Das einzige Beispiel für D^DBCI bei Schöttgen (S. 116) „Mechilta" nach Jalkat Rubeni ifolio 17ö,4 ist entweder ein Irrtum im Jalk. Rub. (1660) oder noch wahrscheinlicher bei .Schöttgen selbst. Die Mechilta (Jithro 5 lAnf. zu Ex 20, 2) hat richtig CPöSJ\

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.