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Ost und West · 1922-05-01 · Heft 5-6 (Mai-Juni 1922) · p. Seite 157 - 158

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Journal
Ost und West
Volume
22 (1922)
Issue
Heft 5-6 (Mai-Juni 1922)
Article
Das Judentum in christlicher Darstellung
Date
1922-05-01
Page
Seite 157 - 158 (sequence 4)
Language
German
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157 Das Judentum in christlicher Darstellung 15S seinen Vorurteilen ist das, was er aus den rabbinischen Quellen bringt, weit zuverlässiger als die Bücher,, auf die neuere Gelehrte sich ' hauptsächlich stützen. Die Reformation gab den rabbinischen Studien einen Antrieb besonderer Art Bisher hatten die Gelehrten die Lehren der katholischen Kirche den Juden gegenüber behauptet, oder versucht, die Juden dazu zu bekehren, und sich bemüht, auf diese Weise die christliche Interpretation und Anwendung, des Alten Testaments zu stützen, indem sie ihrerseits die angesehensten jüdischen Autoritäten gegen die modernen Juden ins Gefecht führten. Die Protestanten hingegen, indem sie die Autorität der Kirche und ihrer Traditionen verwarfen, unternahmen es, das ganze Gebäude der christlichen Religion auf eine rein schriftgemäße Grundlage zu bringen. Sie waren daher in die Notwendigkeit versetzt, verschiedene Gegenstände systematisch zu behandeln, die lange schon Streitpunkte mit den Juden gebildet hatten, und dieselben zu anderen Teilen des Systems in Beziehung zu bringen. Einen großen Teil des alten Materials, welches durch Jahrhunderte der Polemik auf sie gekommen war, hatten . sie fertig in Händen, aber für den neuen Gebrauch mußte es neu zugestutzt werden, und bei dieser Arbeit fanden sich Lücken, die ausgefüllt werden mußten. Außerdem war in vielen Punkten eine unterscheidende protestantische Position gegenüber der katholischen Auslegung und dem "katholischen Dogma zu behaupten. Um diesem- Mangel abzuhelfen, wurde eine Menge von Monographien geschrieben, die man als Material für protestantische Dogmatik betrachten kann. Wie die katholischen Werke desselben Zeitraums beleuchten sie den großen Fortschritt, der seit dem Ausgange des fünfzehnten Jahrhunderts auf dem Gebiete der biblischen Philologie sich' vollzogen hatte, und die Autoren vieler dieser Schriften, sowohl Lutheraner wie Reformierte, hatten eine umfassende Kenntnis der jüdischen Literatur aus erster Hand, sowohl der rabbinischen, wie der kabbalistischen. Der Gebrauch, den sie von diesem Material machten, ist von unserem Gesichtspunkt, aus betrachtet, unkritisch, aber die Sammlungen1' sind in manchen Fällen fast ganz erschöpfend, soweit als die Quellen zur Hand waren, und niemand, der es unternimmt, heutzutage über die von ihnen behandelten Gegenstände zu arbeiten, kann sich gestatten, diese Schriften zu ignorieren oder dieselben ohne Bewunderung und Dankbarkeit zu benutzen. Wir würden auch dem Schrifttum dieses Zeitalters nicht volle Gerechtigkeit widerfahren lassen, wenn wir nicht anerkennen würden, daß darin vielfach neben den dogmatischen und polemischen Beweggründen die Liebe zur Wissenschaft um ihrer selbst willen über allen Zwecken stand. Das tritt noch' mehr in den Werken hervor, die nicht streng von der Lehre handeln, sondern von den religiösen, und bürgerlichen Institutionen in den Zeiten der1 Bibel und später, vom Tempel, Priestertum, Kultus, der Synagoge und ihrem Gottesdienste, von zum« Judentum Übergetretenen, oder von der bürgerlichen Regierung, den Gesetzen, Gerichtshöfen und der Rechtspflege, von Heirat und Scheidung, Erziehung und vielen anderen Dingen. Meistens diente ihnen der Mischneh' Thorah von Maimonides mit seinen. Kommentaren aufs beste zur Einführung. Derselbe Geist zeigt sich in den Werken über die Topographie von Palästina, über Zoologie und Botanik der Bibel, ihrer Chronologie u. dgl. Die Monographien aus dieser Periode betreffen Immer wieder diese Gebiete. Ein dauerndes Denkmal der Gelehrsamkeit dieses Zeitalters ist S u r e n h u s i u s' Ausgabe der Mischna (1698—1703), in sechs Foliobänden, mit lateinischer Übersetzung des Textes und der bestbewährten jüdischen "Kommentare, mit ergänzenden - Anmerkungen und Noten von christlichen Gelehrten und ausführlichen Registern, die den Studierenden in den Stand setzen, sich direkt aus erster Hand mit dieser Quelle des Religionsgesetzes bekannt zu machen. Übersetzungen wurden auch von zahlreichen Talmudtraktaten und von dem alten juristischen Midrasch' veranstaltet. Viele von diesen wurden veröffentlicht, zusammen mit Abdrucken der meisten aus dem siebzehnten Jahrhundert stammenden Werken über jüdische Altertümer, in der ungeheuer großen Sammlung des Blasio Ugolino, Thesaurus Antiquitatum Sacrarum, 34 Bände in Folio, 1744—1769. Rabbinische Gelehrsamkeit wurde zu einem anderen Zwecke verwertet, wenn sie dazu dienen* sollte, das Neue Testament zu erhellen oder zu illustrieren. Das geschah oft nur sporadisch in fortlaufenden Kommentaren, z. B. von G rot in 3 und von Drusius in seinen Praeterita. In der Folge wurden Werke verfaßt, die man als rabbinische Glossen zum Neuen Testament bezeichnen kann, in welchen, meist ohne irgendeinen anderen Kommentar, Anmerkungen zu einzelnen Stellen geboten wurden mit fortlaufenden Zitaten aus rabbinischen Quellen. Eines der frühesten dieser Werke war das Mellificium Hebraicum (1649) des Christopher Cartwright2s), das in dieser Weise nicht nur das Neue Testament glossiert, sondern auch das Alte Testament und die Apokryphen, dazu zwei Bücher (IV. und V.) von mehr gemischten Notizen. Das zweite und dritte Buch über das Neue Testament bringt besonders häufig Parallelen aus den exegetischen und homiletischen Midraschim, speziell den Rabboth. Für alle, die solche Glossen zusammentragen, wie überhaupt für alle, welche auf diesem Felde damals oder seitdem gearbeitet haben, war Buxt o r f, des Älteren, Lexicon Chaldaicum Talmudicum et Rabbinicum, herausgegeben von seinem Sohne im Jahre 1640, von unschätzbarem Werte. Es fußt auf dem Aruch' von R. Nathan ben Jechiel von Rom (gest. 1106), doch mit viel Zusätzen, besonders für die Sprache der Targumim, worin er in Elias Levita einen Vorgänger hatte (Meturgeman 1541), und für das Hebräisch der mittelalterlichen Schriftsteller und Bibelerklärer. Auch der Sohar wird oft zitiert Manche seiner Artikel sind faktisch Konkordanzen; er zitiert zum Beispiel alle Stellen, wo das Wort „Messias" in den Targumim vorkommt Wenn man bedenkt, wie undankbar die meisten Gelehrten gegen die Wörterbücher sind, die sie mit einem so großen Teil ihrer Gelehrsamkeit versehen, müssen wir allen Respekt vor Cartss) Christopher Cartwright (1602—1658) ist auch der Verfasser von Electa Thargumico Rabbinica, sive Annotationes in Exodum ex triplici Targum seu Chaldaica Paraphrasi, 1658. The Mellificium Hebraicum, seu Observationes. Diversimödse ex Hebraorum, prassertim antiquiorum, monumentis desumptae, unde plurima cum Veteris dum Novi Testamenti loca vel explicantur, vel illustrantur etc., erschien in den Critici Sacri (London 1660) IX, Sp. 2043—3128.

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