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Ost und West · 1922-05-01 · Heft 5-6 (Mai-Juni 1922) · p. Seite 155 - 156

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Journal
Ost und West
Volume
22 (1922)
Issue
Heft 5-6 (Mai-Juni 1922)
Article
Das Judentum in christlicher Darstellung
Date
1922-05-01
Page
Seite 155 - 156 (sequence 3)
Language
German
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155 Das Judentum in christlicher Darstellung 156 fangreiche Antwort in poetischer Form auf die christliche Beweisführung und eine kurze Zusammenfassung der jüdischen Polemik ist vorausgeschickt. In dem Chissuk Emunah des Karäers Isaak Troki (gest. 1594)25) erstreckt sich1 die Beweisführung über das ganze Neue Testament, von Matthias bis zur Offenbarung, und ist immer in der Offensive. Die Polemik ist ganz anderer Art, und der Wechsel der Zeiten ist auch an der Tatsache erkennbar, daß das Buch nicht nur in dem hebräischen Original weit verbreitet war, sondern daß es auch in moderne Sprachen übersetzt wurde. Der wachsenden Angriffslust der jüdischen Polemiker wurde in gleichem Geiste von denjenigen begegnet, welche eilten das Christentum zu verteidigen und die Verleumdungen der Juden zurückzuweisen.. Um diese „Verleumdungen"25a) niedriger zu 'hängen, druckten sie die jüdischen polemischen Abhandlungen mit lateinischer Übersetzung, Erklärung und Widerlegung ab und sicherten dadurch ihre Erhaltung und weitere Verbreitung, in der Absicht, Vorurteile gegen die Juden zu schüren. W a g e n s e i 1, welcher einen dicken Band solcher Texte (einschließlich der Toledoth Jeschua) samt Entgegnung veröffentlichte, gab ihm den bezeichnenden Titel: Tela ignea Satanae (Die feurigen Pfeile des Satans f 1681]). Wagenseils häuptsächlichste „Confutatio" ist dem" kleinen Carmen Memoriale beigegeben, das Lipmanns Nizzach'on vorangeschickt ist. Das Gedicht selbst würde, in einem Zuge gedruckt, schwerlich1 mehr als eine oder zwei Seiten füllen; die Erwiderung nimmt 413 Seiten in Quart ein. Der Autor nimmt Lipmanns zwölf Streitpunkte — hauptsächlich in bezug auf den Messias — Artikel nach Artikel und fast Wort für Wort her und stellt dabei ins einzelne gehende Erörterungen besonders über messianische Prophezeiungen an, wie Gen.49, 10 (63 Seiten), Jesaias 7,14 (47 Seiten) usw., und bringt lange Auszüge aus anderen Autoren, z. 'B. Amyraldus über: den Beweis der Dreieinigkeit aus dem Alten Testament, Chrysostomus über die vergeblichen Versuche der Juden, den Tempel in Jerusalem .wieder, aufzubauen* eine Aufzählung von falschen Messiassen aus der Schälscheleth ha Kabbala, mehrere Proben (deutscher) Synagogenpredigten, einen hebräischen Wortwechsel in Briefform zwischen Rittangel (gest. 1652) und einem Juden, jüdische Berechnungen der Zeit von der zukünftigen Ankunft des Messias, und dergleichen (auch1 aus der Schalscheleth ha Kabbala). Die Toledoth Jeschua werden auch' einer langatmigen Entgegnung gewürdigt, und der Band schließt mit einer Mantissa auf die siebzig Wochen des Daniel, gerichtet gegen die neue Auslegung des englischen Gelehrten John Marsham. Auch" die hundert Seiten schrecklich gelehrter Einleitungen sollen nicht unerwähnt bleiben. Noch heftiger gegen die Juden und alles Jüdische ist Eise nm engers „Entdecktes Judentum" (1700, 2 Bfde.)26). Es ist ein boshaftes*Buch', 25) Trokis Werk steht auch bei Wagenseil. 25a) Schon im Original in Anführungszeichen! 2a) Auf die Beschwerde der Juden wurde die erste Ausgabe von Eisenmengers Buch als gefährlich für die öffentliche Ordnung vom Kaiser unterdrückt. Unter den Auspizien Friedrichs I., des Königs von Preußen,; wurde es wieder gedruckt und erschien 1711 in Königsberg (oder Berlin) in zwei Quartbänden von zusammen fast 2200 Seiten (s. Wolf II, 1024). Ein 'Faksimile der Titelseite und andere Angaben über das Buch finden' sich in der Jew. Encycl. V, 80 ff. wenn es je eins gegeben hat, aber es ist zweifelhaft, ob irgendein Mensch sich jemals soviel Mühe gegeben hat, seine Bosheit zu befriedigen. Das Buch beschreibt sich selbst in einem Titelblatt so langr wie ein modernes Vorwort als einen „gründlichen und wahrhaften Bericht, welchergestalt die verstockten Juden die Hochheilige Drei-Einigkeit, Gott Vater, Sohn und den Heiligen Geist erschrecklicher Weise lästern und verunehren, die Heil. Mutter Christi . verschmähen, das Neue Testament, die Evangelisten und Aposteln, die christliche Religion spöttisch durchziehen und die gantze Christenheit auff das äußerste verachten und verfluchen" usw. Der Autor verspricht außerdem, die groben Irrtümer der jüdischen Religion und Theologie zusammen mit ihren lächerlichen Fabeln und andere Absurditäten niedriger zu hängen — all dies durch Auszüge mit ihren eigenen Worten aus ihren eigenen Büchern, von welchen er eine ganze Menge durch- ■ gelesen hatte „mit großer Mühe und unverdrossenem Fleiß". Alles, was wahr ist, er hätte kolossal gelesen. Die mit Anmerkungen versehene Bibliographie der hebräischen Bücher, denen seine Zitate entnommen sind, an der Spitze des ersten Bandes, füllt mehr als fünfzehn Quartseiten, eine Seite über jüdisch-deutsche Schriften nicht mitgerechnet. Sie zählt im wesentlichen alle Werke von irgendwelcher Bedeutung auf, die am Ende des siebzehnten Jahrhunderts in einem Katalog über Hebraica und Judaica hätten aufgeführt werden können, und die Auszüge in den zwei Bänden beweisen, daß diese Aufzählung nicht eine bloße Parade war. Seine Zitate bringt er hebräisch, mit deutscher Übersetzung und genauen Nachweisen. Einige Kapitel, besonders, im zweiten Bande, in welchen er es unternimmt,, den Glauben der Juden bezüglich solcher Gegenstände, wie Paradies, Hölle/ Engel, Teufel, den Messias, die Dauer seiner Regierung und was nach ihm "kommt, die Wiederauferstehung und das Gericht, darzutun, verlieren zwar niemals die polemische Absicht aus dem Auge, sind aber schon mehr systematische Darstellungen der jüdischen Lehre und enthalten eine große Menge von Zitaten aus der!- Literatur aller Zeiten. Zum Zweck des Nachweises für alle Einzelheiten sind die Bände mit großen und vortrefflichen analytischen Registern versehen. i Der Autor teilte mit den Gelehrten seiner Zeit,, den jüdischen und den christlichen, den Glauben'an das Alter und die Autorität der Kabbala und zitiert sie in ausgiebiger Weise, besonders in den Schriften ihrer späteren Vertreter, einschließlich nicht nur Luria und Cordovero, sondern auch' den Jalkufr Reubeni seines eigenen Zeitgenossen Reuben Hoschke (gest. 1673). Eisenmenger^ist die notorische Quelle von fast allem, was nach ihm zur Verunglimpfung des Talmud oder zur Verhöhnung jüdischen Aberglaubens geschrieben wurde, und schwelgt in Anschuldigungen bezüglich aller möglichen, an Christen verübten Schandtaten, einschließlich der Ermordungvon Kindern, um ihr Blut in ruchlosen Bräuchen zu verwenden27). Was moderne Autoren über die unehrerbietige oder kindische Vorstellung der Juden; von Gott wiedererzählen — zum Beispiel Gott als- Rabbiner, das Gesetz studierend und lehrend —, kommt letzten Endes von Eisenmenger, der 60 Seiten" mit dem gleichen erbaulichen Gegenstande füllt, Es ist nicht so oft anerkannt worden, wie tief seine Nach treter ihm verschuldet waren für die weniger scharfen Teile seines Werkes, und. mit all " 27j~Bd. 11, 220 ff. ,

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