Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1922-05-01 · Heft 5-6 (Mai-Juni 1922) · p. Seite 145 - 146

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
22 (1922)
Issue
Heft 5-6 (Mai-Juni 1922)
Article
Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der jüdischen Gemeinde zu Berlin
Date
1922-05-01
Page
Seite 145 - 146 (sequence 4)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2583875-2584108-2584111-2591496--18499-2591527
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

145 Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin 146 Nr. 7 hat auf der Torarolle nach dem hebräischen Worte „zur Tora" nicht die sonst üblichen Verse, sondern die Anfänge der fünf Bücher, Nr. 3 sogar die Anfänge aller Wochenabschnitte. Nach dem Worte ,,zur Chuppa" sehen wir unter dem Trauhimmel jedesmal die Heiligungsszene des Ring? ansteckens, natürlich fehlt neben dem Brautpaar nicht der Rabbi oder Chasan. Nr. 1 und 3 haben auch noch die Brautmutter (Bräutigamsmutter?); die größte Personenzahl weist Nr. 3 auf, wo das Brautpaar, die Brautmutter, der Rabbi mit der Kethuba, der Chasan und der Schammasch (Schammes) dargestellt sind. Das jüngste Band vom Jahre 1833 stammt aus Segeberg (Holstein), wo ich es mir vom Gemeindevorsteher für unsere Sammlung schenken ließ. Es zeigt die Funktionäre in der Hamburger Tracht; der Chasan hat die Arme gestützt, der Schammes hebt das Weinglas empor. — Aus dem elektrisch erleuchteten Vorraum schreiten wir in den von hellem Sonnenlichte durchfluteten Hauptsaal, um die dort aufs gestellten Kultusgeräte in Augenschein zu nehmen. Von weitem grüßt uns der große, messingene Channukaleuchter, den der Judenälteste Aaron Isaak, seine Frau Hanna und ihre Kinder 1713 für die im Bau begriffene Synagoge in der Heidereutergasse stifteten. Der Leuchter, ein im? posantes und doch zierliches Stück der Berliner Gelbgießkunst, ist noch heute im Gebrauch der Alten Synagoge. An Stelle der früheren Ölbeleuchtung ist Kerzenlicht getreten, die für dieses gebrauchten Untersätze sind moderne Zutat. Unten am Sockel haben sich die Spender durch Inschrift verewigt, die beiden Hände über der Kartusche deuten auf der Zugehörigkeit Isaaks zum Priesterstamme hin. Mit dem großen Prunkstücke der Synagoge können natürlich die kleinen Channukalampen, die im Hause gebraucht werden, keinen Vergleich Abb 3. Channukalampe aus Polen (Dresden 1761) Abb 2. Channukalampe aus Polen (18. Jahrhdt.) aushalten. Nichtsdestoweniger fesseln sie alle durch* ihre künstlerische Eigenart unser Interesse. Wenn wir von der Silberfiligranlampe en miniature absehen, die nicht für den praktischen Gebrauch angefertigt ist und nur zum Zierat dient, ist die kleinste Lampe aus Bronze (Abb. 1) gleichzeitig die älteste. Sie stammt aus dem 16. Jahrhundert (Italien) und ist durch Kopien be? kannt. Auf der Rückwand befindet sich im Relief eine Vase zwischen zwei aufrecht stehenden Löwen, darüber ein Muscheldach, darunter der Spruch Salomos VI, 23: Tl» mim mxü U O (denn eine Leuchte ist das Gebot und die Lehre ein Licht). Gleichfalls nach Italien gehören die beiden messingenen Lampen mit durchbrochenen Rück* wänden. Bei der aus dem 17. Jahrhundert, die links und rechts zwei aufgesetzte Säulen und auck durchbrochene Seitenwände hat, sind in der Rück* wand durch die Öffnungen ein siebenarmiger Leuchter und darüber zwei Vögel entstanden. Bei der aus dem 18. Jahrhundert zeigt die Rück? wand zwei aufrechte Löwen wiederum zu Seiten einer Vase, nur in gröberer und größerer Form als im 16. Jahrhundert. Die vierte Lampe (Abb. 2), die dritte aus Messing, hat in Polen ihre Heimat. Auf der Rück? wand sehen wir im Relief einen hochgestellten Channukaleuchter mit brennenden Lichtern, rechts davon einen Mann mit Zünder, links einen Mann mit Ölkanne. Die Szene ist öfters Gegenstand der Darstellung gewesen. Auf der Rückwand der daneben stehenden silbernen Lampe (Abb. 3), die in Deutschland an? gefertigt wurde, aber in Polen im Gebrauche war, finden wir ein ähnliches Reliefbild, freilich in ge? schmackvollerer Ausführung. Im Rokoko?Rahmen und ssStil präsentiert sich ein zierlicher Channuka?

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.