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Ost und West · 1922-03-01 · Heft 3-4 (März-April 1922) · p. Seite 83 - 84

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Journal
Ost und West
Volume
22 (1922)
Issue
Heft 3-4 (März-April 1922)
Article
Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der jüdischen Gemeinde zu Berlin
Date
1922-03-01
Page
Seite 83 - 84 (sequence 6)
Language
German
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83 Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin 84 Während das Bild der Wage im Siegel eines Recht sprechenden Gerichtes einen Sinn hat, ist es im Siege1 der „Königl. Oberlandes? ältesten der Judenschaften in sämtlichen Provinzen und Städten" des preußischen Staates weniger am rechten Platze; denn diese Ältesten hatten die vom Staate' in einer Gesamtsumme verlangten Judensteuern auf die einzelnen Provinzen zu „repartieren". Oder sollte das Symbol der Wage andeuten, daß die vom Könige bestellten Männer es sich zur Aufgabe machten, die Steuern für die verschiedenen Bezirke richtig abzuwiegen? Im wohltuenden Gegensatze zu den bisher beschriebenen und anderen hier nicht aufgeführten Siegeln stehen die beiden Messing; Petschafte der Berliner jüdischen Gemeinde. Diese hat sich vorbildlich dasjenige Kennzeichen gewählt, das die Signatur einer jeden jüdischen Gemeinschaft sein sollte: das sinaitische Gotteswort. Über den beiden Gesetzestafeln zeigen zwei ineinander verschlungene Hände, in welchem Sinne ein gemeinsames Wirken aller Gemeindemitglieder stattzufinden hat. Die Umschrift repräsentiert die ganze Gemeinde: „Die Judenschaft zu Berlin". Wie die Gemeinde im allgemeinen, so baut sich im einzelnen vor allem der Unterricht der ir v- . t fitaw- ■:»•>,• i^r^vW-'v ^rTTf Abb. 5. Ringe (15.-17. Jahrhundert); Jugend auf den Satzungen der Tora auf. Daher hat auch die jüdische Schule Berlins kein anderes Motto als wiederum die Gesetzestafeln, die dieses Mal in einem kleinen Tempelchen aufgestellt sind. Das konnte auch nicht anders sein bei einer Unterrichtsanstalt, die den Namen „Talmud Tora*' führte und deren Leitung firmierte: „Vorstand des Talmud Tora Instituts in Berlin". Als infolge des Gesetzes von 1847 an Stelle der „Judenschaft" die „jüdische Gemeinde" trat, blieb diese dem alten Symbole treu. Das 1850 angefertigte Metall=Petschaft führt gleichfalls die verschlungenen Hände über den beiden Gesetzes* tafeln in verschärfter Prägung und mit der Ums schrift: „Der Vorstand der jüdischen Gemeinde zu Berlin 5610". Trotz des Wandels der Zeiten wurde auch später an diesem Stempel festgehalten, er ist in Gummiausführung mit der Jahreszahl 5610 noch heute im Gebrauch. RINGE. Von den Siegeln gleitet unser Blick zu den finden! Ihm gleicht in der Ausführung der Gold* Ringen, die auf derselben Tafel ausgestellt sind und ring Nr. 5; nur ist bei ihm, der nicht so groß und durch die Siegelringe miteinander in Verbindung breit ist, das Gold schwächer und die Buckelverstehen. Es ist eine kostbare, kleine Sammlung zierungen sind einreihig. Die Mitte zwischen diesen jüdischer Trauringe, die sich unseren entzückten beiden Ringen in Hinblick auf Kostbarkeit und Augen darbietet, wertvoll nicht nur durch Alter Kunst nimmt ein leider nicht abgebildeter, reizender und Goldmaterial, sondern vor allem durch künst- Goldreif derselben Gattung ein. Der Goldschmied lerische Form und Eigenart. hat hier blaue Emailleblümchen mit den Filigran* Auf Abb. 5 und 6 sind sieben dieser Trauringe buckeln abwechseln lassen und dadurch einen abgebildet. Wie kunstvoll ist doch der große und Gesamteindruck hervorgerufen, der das Wollige* breite Dukatengoldring Nr. 4 mit den aufgesetzten, fallen eines jeden Beschauers erwecken muß. doppelreihigen Filigran*Buckelverzierungen und den Ganz eigenartig sind die Ringe Nr. 2 und 3. feinen Filigranstreifen an den Rändern und in der Der erstere, ein vergoldeter, dünnwandiger, mit Mitte, die nach oben hin in der breiten, viereckigen Ranken ornamentierter Metallring, auf dessen Innen* Platte mit dem Wunsche nie hlti ihren Abschluß seite mtD hm eingraviert ist, trägt ein sogenanntes Häuschen, genauer eine viereckige Gallerie (Säulen* halle?) mit Ecktürmchen und gezackten Oberrändern, darüber ein geschlossenes schrägesDach, das wiederum mit Linien und ziegelartiger Abb. 6. Ringe (16.—17. Jahrhundert) Einteilung verziert ist..Nicht

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