Ost und West
- Journal
- Ost und West
- Volume
- 22 (1922)
- Issue
- Heft 3-4 (März-April 1922)
- Article
- Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der jüdischen Gemeinde zu Berlin
- Date
- 1922-03-01
- Page
- Seite 79 - 80 (sequence 4)
- Language
- German
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79 Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin 80 tätig, er prägte im Auftrage des Senats Medaillen auf den Tod von vier Hamburger Bürgermeistern 1788—1802. Dies zeigt schon, daß er nicht, wie die Lexika melden, 1798 gestorben sein kann. 1785 verfertigte er den Stempel für die Sukzessions* medaille des Herzogs Friedrich Franz I. (Nr. 286) und noch 1813 für die Jubiläumsmedaille Tychsens (Nr. 255). Die Befähigung Abrahams vererbte sich auf seinen Sohn Joseph Aaron (gest. 1830), der gleichfalls als Schweriner Hofmedailleur mit Aus* Zeichnung wirkte. Noch eine andere jüdische Medailleurfamilie nennt Mecklenburg sein eigen. Die Medaille Nr. 287 auf das Doberaner Seebad vom Jahre 1793 wurde dem Petschierstecher und Hofgraveur Meier L ö s e r in Güstrow (1710—1817) in Auftrag gegeben, der sie im Verein mit seinem Sohne Nathan prägte. Auch dieser (gest. 1840) war später als Hofgraveur tätig. Den genannten preußischen und mecklen* burgischen Medailleuren reiht sich im 19. Jahrhundert die belgische Familie der Wieners würdig an. Den Präsidenten des Brüsseler isr. Konsistoriums Jacques (Jakob) Wiener (1815-1899) lernten wir schon früher als den Schöpfer der Medaillen Nr. 170, 190, 242 aus dem Jahre 1841 und Nr. 172 aus dem Jahre 1861 kennen. In unserem „Anhange" er* scheint nunmehr sein jüngerer Bruder, der Kgl. Hofgraveur LeopoldWiener (1823-1891) mit dem Bildnisse König Leopolds I. (Nr. 289) und derjubiläumsmedaille der belgischen numismatischen Gesellschaft (Nr. 290). 1859 hat er den Brüsseler Oberrabbiner Loeb zu dessen Amtsjubiläum medailliert (oben Nr. 28). Als die Huldigungsgabe eines Künstlers „an seinen König und sein Vaterland" bezeichnet der dritte, jüngste, Bruder Charles (Karl, Karel) Wiener (1832-1887) unsere Medaille Nr. 291 für König Wilhelm III. Wir schätzen ihn besonders wegen seiner herrlichen Medaille für Montefiore (Nr. 107 aus dem Jahre 1864), auch die Medaille Nr. 118 auf die Einweihung der Sennebögen 1872 stammt von ihm. Wenn die literarischen Angaben ihn bereits 1867 sterben lassen, so beruht dies auf einem Druckfehler, der ohne Prüfung abgeschrieben wird. Wie 1859 sein Bruder Leopold für das Jubiläum Loebs, so hat, als dessen Nachfolger Astruc 1880 gleichfalls 25 Jahre Rabbiner war, Karl die offizielle Medaille geliefert (Nr. 30). Alle drei Wieners waren Meister ihres Medailleur? faches — Leopold und Karl waren auch Bildhauer — und erfreuten sich bei Staat und Gemeinde großen Ansehens. Die zahlreichen ausländischen Orden und goldenen Ausstellungsmedaillen, die sie er* hielten, zeigen, daß sie ihre Kunst nicht nur für Belgien mit Erfolg und Anerkennung ausübten. Österreich ist durch den Wiener Ascher Wappenstein (1780—1852) vertreten. Auf der Medaille Nr. 288 hat er das Bündnis der drei Monarchen von Österreich, Rußland und Preußen festgehalten. Zwischen Wolken schwebt eine Viktoria über den nach rechts reitenden Monarchen, während auf der Rückseite die Kronen der drei Staaten, durch Liebesschnüre verbunden, dargestellt sind. Mit Ascher zusammen arbeitete Joseph Wappenstein, wahrscheinlich sein Bruder, so daß wir auch hier die Graveurkunst in ein und der* selben Familie heimisch sehen. Mit .dem „Anhange" schließt die ausgestellte Medaillensammlung. Ihre Besprechung ist ausführ* licher geworden, als anfangs beabsichtigt war. Es galt, in eine neue, unbekannte Welt einzuführen, und das große Interesse, das den ersten Aufsätzen entgegengebracht wurde, veranlaßte mich, mit den Mitteilungen nicht zu kargen. Sie hatten die er* freuliche Folge, daß die Sammeltätigkeit Privater sich dem neuen Gebiete der jüdischen Medaillen zuwandte und ein amerikanisches wissenschaftliches Institut die Anlegung einer solchen Sammlung be* schloß. Freilich ist durch das Sinken der Valuta und durch die gesteigerte Nachfrage der Kaufpreis der Medaillen gestiegen. Doch wollen wir dies gern in den Kauf nehmen, wenn durch die Nach* forschungen der Kreis der zur Kenntnis gelangenden Medaillen sich erweitert und der Anteil, den die Juden an diesem Zweige der Kunst schaffend ge* nommen haben, immer mehr gewürdigt wird. SIEGEL. In der Reihe der Altertümer gelangen wir nunmehr zur Abteilung der Siegel und zu den Instrumenten, mit denen sie angefertigt wurden, den Gemmen, Siegelringen, Petschaften. In der Zeit des Mittelalters haben nur vereinzelte Juden und Judengemeinden Siegel geführt, dagegen ist seit dem 17. Jahrhundert fast jeder Jude, der durch seinen Beruf Veranlassung hatte, Unterschriften zu leisten und zu beglaubigen, im Besitze eines Petschafts. Ausgestellt sind nur Siegel, die besonders interessieren. Nicht nur Bücher, auch Petschafte haben ihre Schicksale. Die fünf Prager Siegel würde niemand in Dresden oder Berlin suchen. Am allerwenigsten das offizielle Siegel der alten Prager jüdischen Gemeinde mit der Inschrift: Sigillum antiquae communitatis Pragensium Ju* deorum. Es; ist das Siegel mit dem Schwedenhut, das 1627 von Kaiser Ferdinand IL der Prager Juden* gemeinde verliehen wurde. In den Außenwinkeln