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Ost und West · 1922-03-01 · Heft 3-4 (März-April 1922) · p. Seite 77 - 78

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
22 (1922)
Issue
Heft 3-4 (März-April 1922)
Article
Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der jüdischen Gemeinde zu Berlin
Date
1922-03-01
Page
Seite 77 - 78 (sequence 3)
Language
German
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77 Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der,Jüdischen Gemeinde zu Berlin 78 (Sieg bei Zorndorf 1758), die in der Prägung des Schlachtfeldes schwach ausgefallen ist, zeigt im Bilde des Königs mit doppelter Umschrift eine Leistung, die sich neben den Medaillen einer späteren besseren Technik wohl sehen lassen kann. Seine Kunst wurde nicht nur? von dem preußischen Staate in Anspruch genommen. Für Hamburg prägte er 1780 eine Medaille auf den Tod des Bürgermeisters Peter Greve, es war seine letzte Arbeit. Das Siegel der Berliner ,»Gesellschaft der Freunde" ist 1792 nicht von ihm, sondern von seinem Sohne geschnitten worden. Das gleiche gilt von der Abraham zugeschriebenen Medaille auf den Fürsten Potemkin 1788. Der Sohn Abraham A b r a m s o n (1754-1811) — obgleich er ein Sohn des Jacob war, nannte er sich nicht Jacobsohn, sondern Abramson d. i, Äbrahamsohn, um an den Namen seines angesehenen Vaters anzuknüpfen — setzte das Werk Abrahams in gleicher Staatsstellung fort. Schon früh war er in seiner Kunst heimisch. Als Beweis dafür, daß er anfangs mit seinem Vater zusammen arbeitete wird seine Medaille auf den Schauspieler Brock* mann angeführt. Wir haben aber oben gesehen, daß er auch an der Mendelssohnmedaille Nr. 38 beteiligt war. Da er 1754 geboren ist, wäre er 1770 erst 16 Jahre alt gewesen. Man wird daher die Prägung der Medaiile nicht früher als 1772 ansetzen können, 1774 wird sie bereits von Spieß besprochen. Anfangs wie der Vater nach fremden Angaben arbeitend, ist er seit seiner Rückkehr aus Italien 1792, wohin er 1788 zur künstlerischen Ausbildung ging, auch als Zeichner selbständig. Auf dem Titelblatte seiner Schrift „Versuch über den Ge* schmack auf Medaillen und Münzen der Neuern in Vergleich mit jenen aus ältern Zeiten" (Berlin 1801) nennt er sich „Königl. Preuß. Medailleur, Mitglied der Königl. Akademie der bildenden Künste zu Berlin, wie auch verschiedener aus* wärtiger Akademien". In seiner Grabsteininschrift wird die Zugehörigkeit zu den Akademien in Berlin, Elorenz und Kopenhagen hervorgehoben. Abramson galt „als einer der besten Meister seines Faches" besonders in der Darstellung und Prägung von Personenbildnissen. Man betrachte aus der Zeit vor seiner Reise die Büsten König Friedrichs II. (Nr. 265 und 267) und König Friedrich Wilhelms II. (Nr. 268), aus der späteren Periode die Büsten Daniel Itzigs (oben Nr. 103: Abb. 20), v. Möllendorfs (Nr. 275), v. Rücheis (Nr. 276), Dr. Brückmanns (Nr. 277), König Friedrich Wilhelms III. und Kaiser Alexanders I. (Nr. 280), Heinrichs von Preußen (Nr. 281) und der Königin Luise (Nr. 284). Auch die Allegorien auf den Reversen mancher Medaillen verdienen besondere Anerkennung. Es ist nicht wahr, wenn gesagt wird, daß „die Kehrseiten immer eine dürftige und kalte (frostige) allegorische Erfindung zeigen". Man sehe das Gegenteil z. B. auf den Medaillen für Möllendorf (Göttin überreicht einem Krieger den Siegeslorbeer), für Rüchel (Curtius auf dem Pferde springt in den Abgrund) und für Jeröme Napoleon (Befreites Judentum vor Dankaltar: oben Nr. 236: Abb, 5). Nicht wegen der Form, sondern wegen des Inhalts der Darstellung sei noch auf die Medaille für Imanuel Kant (Nr. 266) hingewiesen. Auf der Rückseite ist der schiefe Turm von Pisa abgebildet, von der Spitze bis zur Mitte hängt ein Senkblei, unten vor dem Turm liegt eine beflügelte Sphinx. Die Wahl des Turmes mit dem Senkblei ist von Moses Mendelssohn veranlaßt (Brief an Marcus Herz 1783 November 18), dagegen wurde sein Vorschlag, in die Umschrift zu setzen: „Drohet, aber fällt nicht" und in den Abschnitt: „Critik der reinen Vernunft", nicht ausgeführt. Mit dem Hamburger Medailleur Abraham Jacobs, der 1765—1775 tätig war, hatte Abramson den gleichen Vornamen und Vatersnamen. Eine Verwandtschaft läßt sich jedoch nicht nachweisen. Für Hamburg fertigte übrigens Abramson nicht weniger als 14 Medaillen und Münzen an, darunter seine letzte Arbeit 1811 auf das 1000 jährige Jubiläum des Wiederaufbaus Hamburgs durch Karl den Großen. Merkwürdigerweise galt auch des Vaters letzte Medaille einem Hamburger. Wie in Preußen Abraham und Abramson zeichnete sich in Mecklenburg — daß auch Abraham aus Strelitz stammte, ist oben bemerkt — die Familie Aaron als herzogliche Medailleure aus. Philipp Aaron aus Frankfurt a. O. (1709 bis ca. 1794) wird 1739 als „HofsPittschierstecher" des Herzogs Karl Leopold genannt, 1750 erhält er von Christian Ludwig IL eine Anstellung bei der Schweriner Münze als „Hoff, Wappen* und Stempelstecher" und wird 1756 von Herzog Friedrich bestätigt. Von ihm rührt unsere Medaille Nr. 257 her. Sein Bruder, nicht sein Sohn, ist Abraham Aaron (ca. 1744—1825), der neben Philipp bereits 1764 Hofmedailleur wurde und 1771 bei der Münze eintrat. 1775 übersiedelte er nach Stockholm, von wo er 1777 nach Schwerin zurückberufen wurde, nachdem die Schweriner Regierung dem Herzog berichtet hatte, daß, weSin Abraham Aaron nicht zurückkäme, Mecklenburg „einen Künstler verliere, der in Niedersachsen seines Gleichen nicht hat, wie denn in Berlin, Hannover, Hamburg und Lübeck vielfältig Arbeit bei ihm bestellet zu werden pflegte; wohingegen seit seiner Abreise nach Schweden in Mecklenburg keiner ist, der nur ein zierliches Wappen in Stein zu schneiden, weniger einen sauberen Münzstempel zu stechen das Geschick hätte". Für Hamburg war er auch nach 1777

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