Mannheim
Compact Memory

Ost und West · 1922-03-01 · Heft 3-4 (März-April 1922) · p. Seite 75 - 76

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Ost und West
Volume
22 (1922)
Issue
Heft 3-4 (März-April 1922)
Article
Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der jüdischen Gemeinde zu Berlin
Date
1922-03-01
Page
Seite 75 - 76 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2583875-2584108-2584110-2591444--18446-2591470
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

75 Die zweite Ausstellung in der Kunstsammlung der Jüdischen Gemeinde zu Berlin 76 Abb. 1. Medaille auf die Krönung Eduards VI von England 1547 Dagegen ist es ein Zeichen von Frömmigkeit und Ver* ehrung der Bibel, wenn das holländische Ehepaar West* r e n e n zur Feier seiner gol* denen Hochzeit die Medaille Nr. 254 herstellen ließ, die auf Psalm L, 23 und CXXVIII, 5—6 hinweist und das Jubels paar vor einem Dankaltar knieend darstellt, während oben über einem Wolkenhalbkreise dieWorte (vokalisiert) prangen: man VP 'T\h (dem Ewigen sei die Ehre). Ty c h s e n war Professor der „morgenländischen Sprachen" an den mecklenburgischenUni* versitäten Bützow und Rostock. Als er am 14. November 1813 sein 50 jähriges Amtsjubiläum beging, wurden seine Verdienste vom Groß* herzog Friedrich Franz I. durch unsere Medaille Nr.255 geehrt. Auf der Rückseite ist ein Palmbaum ab* gebildet, von dem die Umschrift besagt, daß er sehr reiche Früchte trug, und auf dem Erdreich, aus dem der Baum seine Kräfte empfing, stehen als Gebiete der Tychsenschen Arbeitstätigkeit yon, TlöVn und in arabischer Schrift TDö vermerkt (Abb. 2). „Talmud" ist nicht mit Quadrat*, sondern mit Kursivbuch* staben wiedergegeben: ein numismatisches Unikum. Es gibt sonst keine andere Medaille oder Münze, auf der die hebräische Kursivschrift angewandt worden ist. Makrizi ist der Name eines arabischen Historikers (gest. 1442), von dem Tychsen zwei Abhandlungen herausgegeben hat. Unter den Gelehrten hatte Tychsen eine be* sondere Bedeutung, weil er als Christ in der bib* lischen und rabbinischen Literatur bewandert war. Leider sind seine Veröffentlichungen auf dem ge* nannten Gebiete durch Judenhaß entstellt. Diese Gesinnung wird auf seine Jugendzeit zurückgeführt, wo es ihm während seiner zweijährigen Tätigkeit als Juden* missionar (1759-60) nicht gelungen war, auch nur einen ein*: zigen Juden zum Christentum zu be* kehren. Nur das erzielte er unter Verschweigung sei* nes Missionarbe* rufes, daß er von Abb. 2. Medaille auf das Amts* finem s°f * unbe* jubiläum Prof. Tychsens kannten Moses Lip* in Rostock 1813 schütz in dem klei* nen kurhessischen Dorfe Kirch* heim den Chabertitel erhielt, wohl der einzige Christ, der je so geehrt wurde. Die Medaille N a p o * leons III. Nr. 256 ist da* durch merkwürdig, daß sie auf der Vorderseite als Umschrift um den Kopf des Kaisers den biblischen Priestersegen in he* bräischer Sprache (vokalisiert) mit der Jahreszahl Vinn (Abb. 3), auf der Rückseite als Inschrift den Priestersegen in französischer Ubersetzung mit der Jahreszahl 5630 bringt. Offenbar haben wir hier eine patriotische Huldigung der französischen Juden vor uns, die sie bei Beginn des deutsch'französischen Krieges im August 1870 veranstalteten. Als Anhang folgen sodann allgemeine Medaillen jüdischer Medailleure. Die meisten Stücke rühren von dem Kgl.preußischenMedailleuren Jacob Abraham und seinem Sohne Abraham Abramson her. Jacob Abraham (1722-1800) haben wir be* reits als den Medailleur der Mendelssohnmedaille Nr. 38 kennengelernt. Mecklenburger von Geburt — seine Berliner Grabsteininschrift verzeichnet: Jacob bar Abraham aus Strelitz, die „russische Ab* stammung" ist durch nichts begründet — erlernte er in Lissa (Polen) die Wappen* und Steinschneide* kunst und fand infolge seiner Tüchtigkeit als Siegel* Stecher und Medailleur an den Kgl. Münzen in Stettin, Königsberg und Berlin Stellung. "Wenn einer dem andern nachschreibt, daß Abraham, „ohne zeichnen und modellieren zu können, es doch zu Arbeiten, so gut sie in der damals mangelhaftenStempelschneidekunst überhaupt möglich waren", brachte, so wird dies, soweit ein Tadel ausge* sprochen wird, durch die aus* gestellten aus* drucksvollen Medaillen Nr. 261 (Friedensschluß in Hamburgl762), Nr. 263 (Hochzeit Wilhelm *Wilhel* mine 1767) und Nr. 264 (Groß* fürst Paul in Ber* lin 1776) wider* legt. Selbst die Abb. 3. Medaille auf Kaiser Medaille Nr. 260 Napoleon III. von Frankreich 1870

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.